ANWENDUNG5. April 2018

Blockchain und Internet-of-Things (IoT) trifft auf Cash Management – die Anwendung der UniCredit & Quantoz

Gerhard Bystricky, Head of Product Development Payments Deutschland bei UniCredit<q>UniCredit</q>
Gerhard Bystricky, Head of Product Development Payments Deutschland bei UniCreditUniCredit

Eine der innovativsten Technologien der vergangenen Jahre ist das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). Es ermöglicht eine vernetze Kommunikation zwischen Industrie- und Haushaltsgeräten sowie Maschinen und Fahrzeugen durch das Senden und Empfangen von Daten. Aber das Potenzial von IoT reicht weit darüber hinaus: Beispielsweise führt die Kombination des IoT mit innovativen Zahlungsfunktionen wie virtuellen Konten oder Lösungen auf Basis der Blockchain-Technologie zu noch leistungsfähigeren und zukunftsweisenden Anwendungen im Bereich Cash Management. Diese sind keine Zukunftsvision, sondern werden bereits heute eingesetzt. Die Anwendungsgeschichte.

von Gerhard Bystricky, Head of Product Development Payments Deutschland bei UniCredit und Henri de Jong, Head of Business Development bei Quantoz N.V.

Um ihren Firmenkunden die effizientesten digitalen Lösungen anzubieten, arbeiten Banken unter anderem zunehmend mit vielversprechenden FinTechs zusammen und entwickeln gemeinsam Innovationen.

Henri de Jong, Head of Business Development bei Quantoz N.V.<q>Quantoz N.V.</q>
Henri de Jong, Head of Business Development bei Quantoz N.V.Quantoz N.V.

Viele Banken haben hierfür eine Reihe von Initiativen wie Digital Labs, Boot-Camps und Accelerator-Programme für FinTechs eingerichtet. Im Global Transaction Banking der UniCredit werden neue Ideen und vielversprechende Technologien genutzt, um den Kunden durch neue Produkte und Services sowie Lösungen zur Effizienzsteigerung und Kostensenkung einen Mehrwert zu liefern. Erfolgreiche Kooperationen mit FinTechs sind ein wichtiger Weg, dieses Ziel zu erreichen und so den Kunden State of the Art-Lösungen zu bieten.

IoT-Zahlungen mit Quantoz und UniCredit

Ein Beispiel hierfür ist die Zusammenarbeit von Quantoz und UniCredit im Bereich IoT-Zahlungen. Hierbei wird die Blockchain-Technologie genutzt, um eine Maschinenidentität zu adressieren.

Maschinen erhalten dabei ein virtuelles Konto, über das sie in Cash-Management-Systeme eingebunden werden und Zahlungen leisten und erhalten können – einschließlich eines  Kontenabgleichs und elektronischer Kontoauszüge.“

Das Potenzial für solche Lösungen wird in einem breitgefächerten Branchenspektrum gesehen – etwa in der Energiewirtschaft, dem Gesundheitswesen sowie der Automobilindustrie.

Nutzung vertrauter Lösungen

Das Prinzip virtueller Konten ist grundsätzlich einfach: Ein Unternehmen kann jeder Tochtergesellschaft, jedem Geschäftspartner und Mitarbeiter eine virtuelle IBAN zuweisen und alle mit einem realen Bankkonto verknüpfen. Das hat verschiedene Vorteile: Eingehende Zahlungen fließen direkt auf ein zentrales Konzernkonto, können aber dank der virtuellen IBAN eindeutig zugeordnet und entsprechend verbucht werden. Letztendlich können Unternehmen die Anzahl ihrer realen Konten drastisch reduzieren – ein Zustand, der die Arbeit vieler Treasury-Abteilungen erleichtert.

FinTech Quantoz N.V.
Quantoz mit Sitz in den Niederlanden ist Entwickler von Blockchain-basierten Lösungen. Im Jahr 2016 wurde Quantoz von KPMG als einer der 50 aufstrebenden FinTech-Stars genannt und aus mehr als 500 Unternehmen ausgewählt, um am Techfounders Accelerator-Programm teilzunehmen. Die Quasar-Lösung sei ein konsortiales Blockchain-basiertes digitales Cash-System. Es beinhaltet ein Regelwerk, damit relevante Vorschriften und Compliance-Anforderungen erfüllt werden können. Es ermöglicht Unternehmen, Menschen und Maschinen, Geld zu empfangen oder zu senden, ohne dass ein Vermittler benötigt wird. Auf die digitalen Geldbörsen und die QuasarBlockchain kann über eine offene API zugegriffen werden. Die QuasarBlockchain wird von Konsortium-Partnern wie regulierten Dienstanbietern oder Banken betrieben.

Die Kombination

Das Potenzial für virtuelle Konten geht jedoch deutlich über das „Inhouse-Banking“ hinaus. Sie führt das Konzept der virtuellen Konten durch die Kombination mit IoT noch einen Schritt weiter. In der Vergangenheit konnte eine „Identität“ nur einer Person oder Organisation zugewiesen werden.

Durch die Nutzung der Blockchain-Technologie kann einem Gerät, einer Maschine oder einem Objekt eine Identität zugewiesen werden.“

Durch die Verknüpfung dieser Geräte oder Maschinen mit einem virtuellen Konto, das zu einem Cyber-Wallet wird, ist die Wertschöpfungskette vollständig und kombiniert Cash Management und IoT zu einer einzigen Lösung. Sie schafft damit eine völlig neue Art der Nutzung und erleichtert heute schon die Geschäftsmodelle der Zukunft.

Innovation in der Praxis

Dies ist etwa bei einer Autovermietung denkbar. Heute gibt es vernetzte Fahrzeuge – Black Boxen und Tracker sind mittlerweile alltäglich. Das Fahrzeug kann Daten über seinen Standort, seine Kilometerleistung, Mautgebühren, Kraftstoffstände usw. übertragen. Durch die Verknüpfung dieser Daten mit einer Gebührenstruktur und die Bereitstellung einer virtuellen Kontonummer für das Auto kann das Unternehmen den Benutzern vollständige Nutzungsnachweise und exakt darauf abgestimmte Rechnungen bereitstellen, die auf den Informationen des Fahrzeuges basieren.

Das Konzept der Maschinenidentität durch Blockchain markiert einen Meilenstein im IoT. Wenn es mit virtuellen Konten verknüpft wird, können diese in eine Zahlungs- und Cash-Management-Infrastruktur eingebunden werden, die auch Micropayments einschließt. Dieser zusätzliche Schritt ist entscheidend für die Möglichkeit, IoT in praktikable und effiziente Geschäftsmodelle zu integrieren und diese Ansätze zu monetarisieren. Es gibt eine Vielzahl von möglichen Anwendungsfällen in einem breit gefächerten Branchenspektrum. Maschinen oder Haushaltsgeräte können ihre eigenen Ersatzteile bestellen oder Laufzeit und Verschleißteile überwachen, was speziell in der Sharing Economy einen Mehrwert schafft. Die Energiebranche ist etwa ein prädestinierter Sektor für Innovationen: Beispielsweise könnten Solarmodule an einem Haus als elektrische Ladestation genutzt werden. Dies zeigt ein enormes Potenzial mit Blick auf Smart Cities.

Die Autoren
Gerhard Bystricky ist Head of Product Development Payments Deutschland bei UniCredit. Bystricky war Programmmanager für die SEPA-Implementierung in Deutschland und globaler Produktmanager für SEPA in Österreich, Italien sowie CEE. Unter seiner Leitung hat UniCredit innovative Produkte eingeführt – wie zum Beispiel virtuelle Konten und Instant Payments. Er ist Mitglied verschiedener Gremien auf nationaler und internationaler Ebene.

Henri de Jong ist Head of Business Development, Quantoz (Website). De Jong ist Vorstandsmitglied und für die Geschäftsentwicklung verantwortlich. Im Lauf seiner beruflichen Karriere entwickelt er seit 25 Jahren neue Technologien bis zur Markteinführung, von den ersten Routenplanungssystemen, digitalen Straßenkarten und elektronischen Publikationen bis hin zu den Bereichen Energie, Logistik und Gesundheitswesen. Sein Fokus liegt jetzt auf der Entwicklung von Quasar, einer Digital-Cash-Lösung.

Die geschäftliche Notwendigkeit

Viele Unternehmen befinden sich bereits in Pilotprojekten, um das Potenzial von IoT zu heben. Ein entscheidender Faktor für die Integration von IoT in neue Geschäftsmodelle ist die Fähigkeit, die physische Lieferkette bis zur Finanztransaktion zu digitalisieren. Laut einem Bericht des McKinsey Global Institute könnte die Verbindung der physischen und digitalen Welt bis zum Jahr 2025 einen wirtschaftlichen Wert von 11,1 Billionen US-Dollar schaffen. Die Zusammenarbeit von UniCredit und Quantoz verbindet die physische mit der digitalen Welt einschließlich des Geldflusses, was enormes Potenzial hinsichtlich der Digitalisierung vieler Unternehmen hat. Durch die Verknüpfung virtueller Konten mit der IoT-Strategie der Unternehmen kann die Finanzbranche Innovation, Differenzierung und Wettbewerbsvorteile fördern.

Zur Technologie

Mit „Quasar“, der von Quantoz entwickelten Blockchain-Technologie, werden Peer-to-Peer (Mikro)-Transaktionen zwischen Unternehmen, Konsumenten und dem Internet der Dinge (IoT) ermöglicht. Quasar adressiert den sich stark entwickelnden Markt von über 50 Milliarden IoT-Geräten. Dieser Markt stellt neue Anforderungen an den Zahlungsverkehr, wie zum Beispiel sofortige, irreversible Mikro-Zahlungen zwischen autonom operativen Geräten, welche traditionelle Zahlungssysteme nicht ohne Weiteres ermöglichen. Die „Quasar“ Blockchain-Technologie kann derartige Zahlungen zwischen IoT-Geräten abwickeln. Durch die unmittelbare Verarbeitung der Peer-to-Peer (Mikro) Zahlungen mit „Quasar“ ist der gezahlte Betrag in der sogenannten „digitalen Brieftasche“ des Anbieters (oder des genutzten Gerätes) sofort verfügbar.

QPN bietet eine Schnittstelle (Gateway) zwischen traditionellen Bankkonten und den digitalen Brieftaschen. Dieses Gateway ermöglicht eine 1:1-Konvertierung zwischen Fiat- und digitalem Geld, und beinhaltet somit keine volatilen Risiken für seine Anwender. Durch sein datensensitives Design ist Quasar konform mit den gesetzesrechtlichen Vorgaben und den Anforderungen an den Datenschutz seiner Anwender.

Die Quasar-Technologie erhielt bereits mehrere Auszeichnungen. Dritte Parteien/Kunden profitieren von der einfachen Anwendung der Quasar-Dienste über die offene API, die es ermöglicht, Quasar in Geräte und Anwendungen zu integrieren. Mit der Quasar-Integration können Hersteller von IoT-Geräten für ihre Produkte neue Geschäftsmodelle entwickeln, bspw. dass ein Sensor von einem Fahrzeug für die Bereitstellung von Informationen über den aktuellen Straßenzustand direkt bezahlt wird.

 
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