STRATEGIE2. Dezember 2021

Boom der nachhaltigen Anlagen: ESG-Beratung als technologische Herausforderung

Experte für ESG: Karl im Brahm, Avaloq Sourcing
Karl im Brahm, Avaloq SourcingAvaloq Sourcing

Nachhaltige Anlagen, die den Anforderungen in den Bereichen Environmental, Social und Governance (ESG) entsprechen, sind auf dem Vormarsch. Dafür gibt es regulatorische Gründe. Die Regulatorik ist aber nur ein Treiber für das Thema ESG, ein anderer ist das zunehmende Interesse der Anleger selbst. Wollen Banken und Vermögensverwalter der wachsenden ESG-Nachfrage gerecht werden, sind sie gut beraten, dafür die technologischen Voraussetzungen zu schaffen.

von Karl im Brahm, CEO Avaloq Sourcing

Wenn Wealth Manager auf die ESG-Bedürfnisse von Kunden eingehen wollen, geht dies nur mithilfe der geeigneten Technologie. Es braucht beispielsweise eine neue Generation von ESG-Ratings und von Datenverwaltungsplattformen.

ESG ist nicht nur ein vertriebliches, sondern auch ein Digitalisierungsthema.”

Vermögensberater müssen die aktuelle ESG-Landschaft handhabbar machen und ein personalisiertes Angebot entwickeln, das den Werten der Kunden entspricht. Informationen zur Nachhaltigkeit müssen für die individuellen Kunden relevant sein, damit diese fundierte Anlageentscheidungen treffen können. Abhängig von den Präferenzen und Profilen der Anleger können verschiedene Environmental-, Social- und Governance-Datenpunkte unterschiedliche Konsequenzen haben – je nachdem, ob es dem Anleger darum geht, sein Risiko zu managen, Alpha zu generieren oder den Impact zu steigern.

KI und ML ermöglichen die ESG-Bewertung

Wenn ESG-Anlagen derzeit ihr gesamtes Potenzial noch nicht ausschöpfen, hat dies damit zu tun, dass es keine einheitlichen Ratingstandards gibt. Bislang sind die ESG-relevanten Daten weder standardisiert noch normalisiert, was Vergleiche zwischen Anlagemöglichkeiten erschwert. Aktuell gibt es noch keine „Single Point of Truth”-Plattform für ESG-Ratings.

Was allerdings bereits existiert, sind ausgefeilte ESG-Investmentlösungen für Banken und Vermögensverwalter, um ESG-Daten zu analysieren und aussagekräftig zu machen.”

Dabei kommen Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) und Machine Learning (ML) zum Einsatz. Mit solch einer ESG-Lösung können Berater maßgeschneiderte, personalisierte und ESG-konforme Portfolios für ihre Kunden zusammenstellen. Das Natural Language Processing (NLP) ist eine wesentliche Technologie, um ESG-Informationen aus unterschiedlichsten Quellen zu erfassen. Zumal sich KI darauf trainieren lässt, die entscheidenden ESG-Kennzahlen eines Unternehmens zu identifizieren. Während viele Environmental-, Social- und Governance-Daten heute noch manuell aus Unternehmensberichten in Datenblätter übertragen werden, schaffen maschinelles Lernen und das Verarbeiten natürlicher Sprache die Basis für eine automatisierte Identifizierung und Personalisierung von ESG-relevanten Informationen.

Affinität für KI-Unterstützung

Zugleich zeigt eine aktuelle Studie, dass wohlhabende Anleger, die bereits mit einem Vermögensberater arbeiten, es durchaus begrüßen, wenn dessen Beratungstätigkeit durch KI-Technologie unterstützt wird (Avaloq: „Why would Investors switch their financial advisor?“). 56 Prozent der weltweit befragten Investoren, die mit einem Berater arbeiten, gaben an, sie seien für KI-gestützte, aber nach wie vor persönliche Produktempfehlungen offen, die ihr Verhalten und ihre Vorlieben berücksichtigen. Das heißt: Die Mehrheit befürwortet einen hybriden Beratungsansatz. 26 Prozent von ihnen können sich sogar vollautomatische KI-gestützte Produktempfehlungen vorstellen. Die Umfrage zeigt auch, dass es in Sachen KI-Affinität kaum einen Unterschied macht, ob Anleger mit Beratern arbeiten oder Investmentscheidungen lieber allein treffen: Beide Anlegergruppen zeigen sich in ähnlichem Umfang für KI-Unterstützung offen.

Akzeptanz für den Einsatz von KI mit und ohne BeraterAvaloq Sourcing

Eine technologische und vertriebliche Aufgabe

Autor Karl im Brahm, Avaloq Sourcing
Experte für ESG: Karl im Brahm, Avaloq SourcingKarl im Brahm ist CEO der Avaloq Sourcing (Europe) und verantwortet die Aktivitäten der Avaloq Gruppe (Webseite) im deutschen Markt. Er war unter anderem Mitglied der erweiterten Geschäftsleitung der Deutschen Postbank sowie Mitglied des Vorstands bei der S Broker und der Deutschen WertpapierService Bank. Bevor er 2018 zu Avaloq wechselte, hatte er als CEO einer Beratungsgesellschaft diverse Mandate für Digitalisierungs- und Vertriebsprojekte bei verschiedenen deutschen Großbanken inne.

Sich jetzt mit ESG zu beschäftigen, ist unverzichtbar. Denn in einigen Jahren dürfte sich die Wettbewerbsfähigkeit von Vermögensberatern daran bemessen, wie transparent, verifiziert und ausgefeilt ihr ESG-Angebot ist. Kunden werden dies erwarten. Die erwähnte Umfrage zeigt, dass es für 43 Prozent der Anleger ein Grund sein kann, den Vermögensberater zu wechseln, wenn dieser sich nicht an die sich verändernden Bedürfnisse seines Klienten anpasst. Und bei 42 Prozent der Investoren entsteht eine Churn-Gefahr, wenn sie den Eindruck gewinnen, dass ihr Berater zu wenig mit ihnen kommuniziert. Allein bezogen auf die deutschen Befragten gab sogar etwas mehr als die Hälfte an, bereits aktiv ESG-Anlagemöglichkeiten zu nutzen. Wollen Berater allerdings in Sachen ESG-Investments kompetent unterstützen, benötigen sie aufgrund der Komplexität des Themas dafür selbst automatisierte Unterstützung – unter Rückgriff auf unterschiedlichste Datenquellen und modernste KI-, ML- und NLP-Lösungen. Für andere neue Anlageformen wie Krypto oder non-bankable Assets gilt es ebenso:

Wenn ein Berater den neuen, individuellen Wünschen seiner Klienten entsprechen und all diese Anlagemöglichkeiten bieten will, geht dies nur, wenn seine Beratungsplattform ihm diese Möglichkeiten eröffnet.

Zum einen muss die Beratungsplattform die ESG-Daten zu jedem Investment analysieren und zu handhabbaren ESG-Kriterien verdichten. Zum anderen muss die Beratungslösung die individuellen Environmental-, Social- und Governance-Präferenzen zu jedem Kunden erfassen, dessen Portfolio analysieren und dem Berater auf dieser Grundlage personalisierte Anlageempfehlungen für seinen Kunden vorschlagen.

Gründe für den BeraterwechselAvaloq Sourcing

Der Trend zu ESG-Investments bleibt

ESG-Anlagen fokussieren Projekte und Unternehmen, die Antworten auf drängende gesellschaftliche Fragen geben, wie den Klimawandel oder die Sozialverträglichkeit in der Lieferkette.

ESG-Konformität gestattet Investitionen, die sich durch eine höhere Stabilität und geringere (Reputations-)Risken auszeichnen.”

Auch das macht nachhaltige Anlagen attraktiv. Zugleich kommt hier eine neue Klasse von Anlegern ins Spiel – ESG ist ebenso eine Frage der größeren Inklusion und der Demokratisierung des Wealth Managements. Auch bei den Bestandskunden der Finanzinstitute eröffnet ESG neue Umsatzchancen. Im Rahmen der Portfolioanalyse gilt es, in Zukunft die Environmental-, Social- und GovernanceZiele des Kunden im Beratungstool ebenso darzustellen wie seine anderen Ziele auch, von Allokation bis Risiko. Jeder ESG-Gesundheitscheck für ein Kundenportfolio kann einem Berater als Türöffner für neue Anlagevorschläge dienen, die ein individuelles Gesundheitsproblem lösen.

Wechselbereitschaft mit und ohne BeraterAvaloq Sourcing

Wollen Berater den ESG-Trend nutzen und die wachsenden Nachhaltigkeits-Ansprüche ihrer Kunden befriedigen, kann dies allerdings nur gelingen, wenn die geeignete Technologie sie dabei unterstützt. Für Finanzinstitute ist ESG auch eine technologische Herausforderung.Karl im Brahm, Avaloq Sourcing

 
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