IT & HR BEI BANKEN26. März 2019

Brexit und der Einfluss auf die IT-Jobs in Banken

Nick Dunnett, Geschäftsführer Personalberatung Robert Walters sieht im Brexit ein echtes Problem für die IT-Abteilungen der Banken
Nick Dunnett, Geschäftsführer Deutschland & Schweiz der internationalen Personalberatung Robert WaltersRobert Walters

Der Brexit wird die Bankenlandschaft in Deutschland sowie den Finanz­platz Frankfurt stark beeinflussen. Besonders betroffen sind die IT-Abteilungen der Banken und Finanzinstitute, denn sie müssen im Zusammenhang mit dem Austritt der Briten aus der Europäischen Union substanzielle Aufgaben stemmen. Dafür braucht es fähige Köpfe auf allen IT-Ebenen und eine ganz spezielle digitale Expertise. Die neuen IT-Positionen werden nicht zwingend nur am Finanzplatz Frankfurt angesiedelt. Die starke Nachfrage nach Finanzspezialisten mit digitaler Vision und IT-Kompetenz sowie der Mangel an verfügbaren Kandidaten am Finanzplatz Frankfurt haben dazu geführt, dass einige Banken ihre IT-Abteilungen an andere Standorte, wie beispielsweise an Deutschlands neuem IT-Hub Berlin, oder in andere Länder ausgelagert haben.

von Nick Dunnett, Geschäftsführer Personalberatung Robert Walters

Die Aufgaben der IT-Spezialisten der nationalen und internationalen Banken in Zusammenhang mit dem Brexit sind besonders vielschichtig. Sie müssen nicht nur sicherstellen, dass notwendige Umstellungen im Zuge des Brexits reibungslos funktionieren, sondern auch wichtige Aufgaben in den Bereichen Big Data und IT Security erfüllen.

Besonders gefragt sind Programm- und Projektmanager, die in der Lage sind, die Umstellung von Systemen und Prozessen zu betreuen. Diese Funktionen werden vermehrt von Interimskräften oder Freiberuflern, die lediglich die Umstellungsphase betreuen, übernommen.“

Doch auch der Wettbewerb um diese Experten wird aufgrund der immer größeren Nachfrage nach innovativen, digitalen Banking-Services und Finanzprodukten zunehmen.

Darüber hinaus wird die Verfügbarkeit der richtigen IT-Infrastruktur und Software für Front-, Middle- und Backoffices immer wichtiger. Neben neuen IT-Positionen wie Lösungsarchitekten oder Transformationsmanagern werden auch klassische IT-Rollen, wie z. B. Software Developer, gesucht. Gleichzeitig sind in den traditionellen Bereichen nach wie vor viele Positionen unbesetzt.

Eine weitere Aufgabe, die auf die IT-Abteilungen zukommt: Sie müssen ihre Reporting und Compliance Strategien mit Hilfe verschiedener Tools verbessern, z. B. Transform & Transition Prozesse in der IT Architektur und Infrastruktur. Einige kleine Unternehmen bringen zudem Data Storing- und Hosting-Lösungen nach Europa.

Brexit: Der Wettbewerb um IT-Talente im Finanzsektor wird sich verschärfen

Doch nicht nur Banken und Finanzdienstleistungsunternehmen sind auf der Suche nach IT-Experten – auch andere Industriezweige sind in Zeiten der Digitalisierung auf die hochspezialisierten Fachkräfte angewiesen. Der Wettbewerb um die besten IT-Talente wird sich deutlich verschärfen. Aus diesem Grund müssen deutsche wie auch Auslands- und Investmentbanken immer wieder neue Strategien entwickeln, um die besten Köpfe und Talente für sich zu begeistern.

Einige Banken haben ganz unabhängig vom Brexit-Kurs der Europäischen Union frühzeitig reagiert und direkt nach der Überwindung der Finanzkrise im Sommer 2016 angefangen, IT-Spezialisten für Schlüsselpositionen zu rekrutieren.“

Autor Nick Dunnett, Robert Walters Group
Nick Dunnett, Managing Director Germany & Switzerland, ar­bei­tet be­reits seit fast 20 Jah­ren für die Ro­bert Wal­ters Group, ei­ne Per­so­nal­be­ra­tung mit Bü­ros in mehr als 30 Län­dern der Welt. Ur­sprüng­lich hat­te sich Nick Dun­nett auf die Ver­mitt­lung im Fi­nanz­we­sen spe­zia­li­siert, be­vor er sei­ne Kar­rie­re bei Ro­bert Wal­ters als Ma­na­ging Di­rec­tor für die Nie­der­las­sung in Lon­don fort­setz­te. Zwi­schen 2012 und 2014 war er als Ma­na­ging Di­rec­tor für Ro­bert Wal­ters South Af­ri­ca & Sub-Sa­ha­ran Af­ri­ca tä­tig. Seit 2015 ist er ver­ant­wort­lich für Ro­bert Wal­ters Ger­ma­ny & Swit­z­er­land und ver­ant­wor­tet die fünf Nie­der­las­sun­gen in die­ser Re­gi­on: Frank­furt am Main, Düs­sel­dorf, Ham­burg, Zü­rich und Genf. Sein Haupt­au­gen­merk liegt da­bei in der Ver­mitt­lung von Füh­rungs­kräf­ten, so­wohl in Fest­an­stel­lung als auch auf Interimsbasis.

Eine der größten Herausforderungen für die CHROs der deutschen und internationalen Finanzindustrie ist es, Kandidaten aus dem IT-Security-Bereich zu finden, die nicht nur umfangreiche Erfahrungen in der IT-Infrastruktur aufweisen. Die Experten müssen auch in der Lage sein, neue Anwendungen zu bauen, die allen rechtlichen und regulatorischen Anforderungen entsprechen. Ideale Kandidaten bringen bestenfalls noch Erfahrungen aus dem internationalen Banking mit. Viele HR-Entscheider setzen bei der aktiven Kandidatensuche auf Top-Talente, die derzeit in UK arbeiten, aber noch unentschlossen sind, ob sie im Zuge des Brexits nach Europa gehen wollen.

Wie können Banken die raren IT-Spezialisten überzeugen?

Die FinTechs machen es im Grunde vor. Sie investieren und restrukturieren ihre IT und verfolgen darüber hinaus eine andere Unternehmenskultur als die klassischen Bankhäuser.“

Sie müssen nicht – wie meist die etablierten Banken – ihre innovativen Geschäftsmodelle auf veralteten Legacy-IT-Systemen aufbauen und ausrichten. Für Banken und Finanzinstitute wird es also wichtig werden, sowohl ihre Stammmannschaft als auch ihre Strukturen zu fördern und neue Technologien und Systeme zu nutzen.

Auch potenziellen Mitarbeitern ist es besonders wichtig, dass es Möglichkeiten der internen Weiterbildung und weitere Schulungsangebote gibt, damit sie sich fortbilden können und nicht auf ihrem Wissensniveau stehen bleiben. Großen Wert legen Mitarbeiter und potenzielle Kandidaten auch darauf, dass die Infrastruktur der Bank aktuelle Standards erfüllt und damit die Arbeit der IT-Mitarbeiter unterstützt. Um bei Bewerbern als attraktiver Arbeitgeber zu punkten, sollten Banken eine digitale Strategie für sich definieren und diese für Bewerber sichtbar machen.

Um sich die begehrten Top-Talente zu sichern, ist es wichtig, dass Banken und Finanzdienstleister zudem in ihr Employer Branding investieren, die Work-Life-Balance verbessern und flexible Arbeitszeiten sowie eine beeindruckende Gehalts- und Bonusstruktur anbieten. Nur so werden sie ihre IT-Abteilungen für den Tag X optimal vorbereiten können.“aj

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/87235 
 
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (11 Stimmen, Durchschnitt: 3,82 von maximal 5)
Loading...

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Apple Card: Wie Apple mit seiner Kreditkarte ein Stück weit zum FinTech wird

Apple wird zum Anbieter von Kreditkarten, wenn auch (zunächst) nur...

Schließen