STRATEGIE17. Juli 2017

Die neue Hausbank kommt! Der Kommentar von Prof. Dr. Hans‑Gert Penzel, ibi research

Prof. Dr. Hans-Gert Penzel, Geschäftsführender Gesellschafter ibi research an der Universität Regensburgibi research

Für die Finanzierung einer ver­mieteten Immobilie habe ich schon vor längerer Zeit eine Bank mit besonders günstigen Konditionen gefunden. Als ich auf der Anlageseite nach Indexfonds (ETFs) fragte, war mein Hausbank-Berater eher widerspenstig. So kam ich zu einem Depot und einem Transferkonto bei einer Direktbank. Mein Girokonto zeigt die Transaktionen einen Tag verzögert und hat keine vernünftigen Signal-Funktionen. Deshalb eröffnete ich ein zweites Girokonto bei einem FinTech. Als mir ein Anbieter-Spezialist ein besonders attraktives Festgeld im nahen Ausland bot, habe ich auch dort zugeschlagen.

von Prof. Dr. Hans-Gert Penzel

Jeder Schritt war klug durchdacht und führte in der konkreten Situation zur Optimierung: …

… etwas bessere Erträge, etwas niedrigere Kosten oder etwas mehr Komfort. Aber zufrieden hat mich das nicht gemacht. Denn in der Summe habe ich mir eine Komplexität eingehandelt, die schwer zu überblicken und noch schwerer zu steuern ist.“

Meine selbstgebaute Excel-Planungsmappe ist ziemlich kompliziert geworden. Und bei jeder operativen Aktion muss ich mich wieder an Passworte, unterschiedliches Look and Feel und veränderte Anwendungslogik anpassen.

Deshalb ist der Zeitpunkt überfällig, um meine Beziehung zu Banken grundsätzlich zu überdenken. Für die Zukunft erwarte ich die Erfüllung dreier Anforderungen: Komfort, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit. Komfort heißt „schnell und einfach“, wenn es um Routinetransaktionen geht. Komfort kann aber auch „Zeit und Geduld meines Bankberaters“ bedeuten, wenn es um diffizile Fragen geht. Wirtschaftlichkeit heißt Mehrertrag und weniger Kosten. Aber genauso wichtig ist die Minimierung meines Zeiteinsatzes, der für die vielen Zugriffe, das Verstehen unterschiedlicher Oberflächen und Anwendungs-Logiken erforderlich ist. Sicherheit heißt: Es darf nichts schiefgehen. Weder sollte eine Transaktion falsch laufen, noch möchte ich meine Daten ungewollt bei einem Dritten wiederfinden.

Wie kann man dieses magische Dreieck aus Komfort, Wirtschaftlichkeit und Sicherheit unter Kontrolle bringen? Ganz bestimmt nicht mit dem bisherigen fragmentierten Ansatz!“

Prof. Dr. Hans-Gert Penzel, Geschäftsführender Gesellschafter ibi research an der Universität Regensburgibi
Prof. Dr. Hans-Gert Penzelibi

Erste Möglichkeit: Warten auf Google & Co?

Der eine mögliche Weg heißt: Warten auf Google oder Facebook oder einen anderen Internet-Giganten. Als breites Portal könnten die Internet-Giganten eine einheitliche Oberfläche über all meine Finanzverbindungen legen.

Mit der kommenden PSD2 kann ich Google (dann wohl mit Banklizenz ausgestattet) auch autorisieren, die Daten all meiner Finanzdienstleister abzugreifen und zu konsolidieren.“

Vermutlich wird das finanziell günstiger, denn mit Cherry Picking nutze ich den Wettbewerb in seiner vollen Härte. Aber dahinter stehen weiter unterschiedliche Anbieter, die auch Google nicht vollständig standardisieren kann. An die Sicherheit und den Datenschutz möchte ich gar nicht denken. Denn für Google bin ich nur ein Objekt. Das ganze Geschäftssystem ist auf den Verkauf meiner Daten an Werbetreibende ausgerichtet.

Zweite Möglichkeit: Zurück zur Hausbank? … Zurück zur neuen Hausbank!

Der zweite mögliche Weg heißt: Zurück zur Hausbank! Allerdings nicht zum verstaubten Institut der Vergangenheit. Die „Neue Hausbank“ muss mehr bieten: In den Bedienoberflächen ähnlich komfortabel wie ein FinTech. Mit dem Willen, mir attraktive Produkte wie Indexfonds anzubieten, auch wenn die Bank dabei auf Provision verzichtet. Und mit einem Berater, der sich die Zeit nimmt, mit mir gemeinsam die Daten in meinem Personal Finance Management zu ordnen.

Die Bank, die dieses Paket als erste anbietet, erhält von mir auch alle Autorisierungen gemäß der PSD2, um auf meine übrigen Bankverbindungen zuzugreifen. Sie kann die Daten in einer Multi-Banken-Sicht zusammenführen und Zahlungen bei anderen Bankverbindungen auslösen.“

ibi research
Seit 1993 bildet die ibi research an der Universität Regensburg ei­ne Brücke zwi­schen Universität und Praxis. Das In­sti­tut forscht und ber­ät zu Fra­ge­stellun­gen rund um das The­ma “Digi­talisierung der Fi­nanzdienst­leis­tun­gen und des Handels“. ibi research bietet For­schungs-, Be­ra­tungs- sowie Schulungs­leis­tun­gen zur Umsetzung der Ergebnis­se.
Kommen wir zur Kür für diesen Typ von Hausbank: Die Bank könnte mir auch einen sicheren Datentresor bieten, der nicht nur Finanzdaten enthält, sondern auch viele andere schützenswerte Informationen. Und nur ich autorisiere, wem die Bank welche dieser Informationen weitergibt. Hier greift das „Customer Consent Management“, wie es durch die neuen Techniken der Digitalisierung schrittweise möglich wird. Und wenn ich in der Bank schon solche Kompetenz vorfinde, könnte mich der Berater auch in anderen Fragen der Digitalisierung unterstützen. Das gilt übrigens nicht nur fürs Privat-, sondern gerade auch fürs Gewerbekundengeschäft – denn da hakt es mit der Digitalisierung besonders, von der Finanzplanung bis hin zur elektronischen Rechnungsstellung!

Welch ein Komfort: alles rund um die Finanzen (und noch manches mehr) schnell, bequem und sicher aus einer Hand! Die Bank, die das als erste bietet, wird meine neue Hausbank.“

Natürlich sehe ich ein, dass das nicht zu Kosten von Null möglich ist, dass ich etwas mehr zahlen muss als beim Cherry Picking. Aber das sind mir Komfort und Sicherheit allemal wert!

Die PSD2 wird dafür der Beschleuniger

Alle beschriebenen Leistungen sind heute bereits umsetzbar. Doch das ist nicht einfach. Denn die Umsetzung erfordert ausgeprägten Willen zur Veränderung und Schnelligkeit in der Anpassung – also Fähigkeiten, die nicht jedem Institut in die Wiege gelegt sind.

Doch die kommende PSD2 wird als Beschleuniger wirken. Wenn sie greift, wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Die Gewinner-Banken werden sich gut positionieren können. Die Verlierer werden den Shakeout-Wettbewerb nicht überleben. Prof. Dr. Hans-Gert Penzel

Der Beitrag von Herrn Prof. Dr. Hans-Gert Penzel erscheint ebenfalls im Magazin Banking Information Technology (BIT), Heft 2, Juli 2017 das nächste Woche erscheint und im ibi-Shop bestellt werden kann.

Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://www.it-finanzmagazin.de/?p=53709
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