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STRATEGIE3. April 2017

Digitale Transformation der Finanzwelt: Potenziale in Zeiten von IoT, Biometrie, Blockchain Ledgers und AI

Guido Vermeent, Vice President Banking & Payment Solutions for BeNeLux & Germany GemaltoGemalto

In den letzten zehn Jahren kämpfte die Finanzbranche mit zahlreichen Herausforderungen: Unsicherheiten über neue Richtlinien und historische Niedrigzinsen sorgen für Bedenken bei globalen Bankunternehmen. Allerdings könnte dieses Jahr ein entscheidender Schritt genommen werden, der die Branche von Grund auf verändert. Durch die digitale Integration ergeben sich zahlreiche neue Möglichkeiten, allerdings gibt es einige Punkte zu beachten.

von Guido Vermeent, Vice President Banking & Payment Solutions for BeNeLux & Germany bei Gemalto

Kernaspekt ist das wesentliche größere Engagement der Kunden. Finanzunternehmen müssen sie ins Zentrum ihrer Aktivität stellen, sonst droht der Verlust von Marktanteilen. Durch digitale Kommunikationstechnologie ändern sich die Anforderungen maßgeblich, daher sollten IT-Infrastruktur und Sicherheitskonzepte ebenfalls angepasst werden, um auf die veränderten Bedürfnisse der Kunden reagieren zu können.

Der Konsument in der digitalen Welt – die neue Normalität

Finanzinstitutionen digitalisieren ihre Businessprozesse, um ihren Kunden eine bessere User Experience und nutzerfreundliche Services zu bieten. Die Erwartungen sind hoch: Die heutige Generation erwartet Verfügbarkeit von Zahlungsdienstleistungen rund um die Uhr, an jedem Ort und über jedes Endgerät.

Deloitte (“Deloitte Banking and Securities Outlook 2017”) geht davon aus, dass die Nutzererfahrung die treibende Kraft hinter der neuen Innovation ist. Transformation, Digitalisierung und Automatisierung sind die Kernbereiche für die Branche. Daher sollten Organisationen einen Abschied von veralteter Technologie in Betracht ziehen und gegen moderne Cloudlösungen austauschen.

Neben den technischen Veränderungen hat sich auch die Gefahrenlandschaft verändert. Speziell im Bereich eCommerce und Identitätsdiebstahl sind Nutzer sehr sensibel und reagieren empfindlich auf Sicherheitsvorfälle.“

Die Richtlinien bei Datenschutz sind streng, und entsprechende Authentifizierungskonzepte müssen den Standards und Normen der Finanzbranche entsprechen. Deshalb sollten Unternehmen einen hohen Wert auf Glaubwürdigkeit und Sicherheit legen, andernfalls droht der Verlust des Kundenvertrauens.

Biometrische Zugangskontrollen, Blockchain Ledgers oder Artificial Intelligence

Bereits im Jahr 2016 gab es zahlreiche Neuerungen, und viele führende Institutionen im Finanzsektor modernisierten ihre Infrastruktur und ihre Dienstleistungen, um stärker in der digitalen Welt Fuß zu fassen. Beispiele sind biometrische Zugangskontrollen, Blockchain Ledgers oder Artificial-Intelligence-Ansätze zur Verbesserung der Sicherheit von Finanzdienstleistungen und Produkten. Zusätzlich konnten Unternehmen durch solche Investitionen ihre Betriebsabläufe optimieren.

Das Potenzial liefern smarte Dinge, das Internet der Dinge (IoT): Self-Service Kiosk-Banking und automatisierte Dienstleistungen in angepassten Niederlassungen sind keine Zukunftsmusik mehr. Bestehende Filialen werden durch digitale Angebote nachhaltig verändert und bieten den Kunden neue Interaktionsmöglichkeiten. Kunden haben sich an personalisierte Angebote gewöhnt, daher muss die IT in der Finanzbranche mithalten. Fingerabdruck- und Iris-Scanner werden schon bald Teil vieler Geräte sein, GPS und andere Dienste sind es bereits – und sie alle sind in der Lage, die User Experience zu verbessern.

Mehr IoT – mehr Angriffe

Macrovector/bigstock.com

Digitalisierte Sensoren erlauben neue Arten der Identifikation, öffnen aber gleichzeitig neue Angriffsvektoren. Geräte aus dem IoT unterscheiden sich im Punkte Sicherheit deutlich von klassischen Endgeräten. Sie unterstützen beispielsweise in der Regel keine Agenten und können über klassische Endpunktsicherheitslösungen nicht richtig verwaltet werden. Häufig kommen sehr einfache proprietäre Betriebssysteme zum Einsatz, die keine oder nur wenige Sicherheitsmechanismen integriert haben.

Trotz der Sicherheitsrisiken entstehen große Mengen an sensiblen Daten, die zwischen Maschinen ausgetauscht werden. Das bedeutet, dass Finanzinstitute sich gleichzeitig mit dem Thema Machine-to-Machine (M2M) auseinandersetzen müssen. Neben der erhöhten Nachfrage nach nutzerfreundlichen Services sollte daher mit dem Einzug von smarten Geräten das Thema Sicherheit im Bankenumfeld unbedingt neu angegangen werden. Durch steigende Anzahl der Endpunkte, das Datenvolumen und die Sicherheitsbedenken deuten sich große Veränderungen an.

Die Herausforderung für die IT-Abteilung ist die richtige Absicherung und Einhaltung von Compliance-Richtlinien. Es ist wahrscheinlich, dass Key- und Zertifikat-Verwaltung angepasst werden müssen. Eine durchgehende Verschlüsselung ist sinnvoll, muss aber auf die großen Datenmengen zugeschnitten werden. IT-Verantwortliche dürfen kein Risiko in diesem Bereich eingehen, denn zertifikatsbedingte Ausfälle können unvorbereiteten Finanzeinrichtungen großen Schaden zufügen. Die Folge sind unzufriedene Kunden oder Downtime von Servern und anderen Systemen.

GAFA – Online-Riesen drängen auf den Finanzmarkt

Die Anpassung ist unausweichlich: Zahlreiche Transaktionen weltweit werden noch ohne direkte Involvierung von Banken abgewickelt. Dies kann sich aber schlagartig ändern, wenn Finanzinstitute entsprechende Produkte bereitstellen. Mobile Banking ist in der Lage, genau diese Lücke zu schließen und bietet entsprechende Lösungen für genau dieses Kundensegment an.

Google, Apple, Facebook und Amazon (GAFA) und einige Mobilkonzerne haben das Potenzial erkannt und das Thema Banking und Bezahlung ganz oben auf ihre Agenda gesetzt. Digitale Angebote leben von der Nähe zum Kunden, daher geht es den Unternehmen nicht nur um angepasste Shopping-Angebote und deren Bezahlung, sondern auch um traditionelle Bankdienstleistungen. Durch ihre Expertise im Customer Relationship Management haben GAFA hier einen großer Vorteil und haben den Trend daher frühzeitig erkannt.

Darin liegt eine Wurzel der digitalen Transformation im Finanzsektor. GAFA mischen die Branche auf und durch ihre bestehende Kundenbasis können sie zur direkten Konkurrenz von Banken werden.

Daher müssen Banken ihre digitalen Angebote ausbauen und ständig verbessern. Dies erhöht den Druck, denn Sicherheitsmechanismen wie bereits angesprochene Krypto-Mechanismen dürfen die Performance nicht merklich beeinflussen.“

Internetriesen haben genau hier ihre Stärken und wollen durch personalisierte Angebote punkten. Banken und andere Finanzdienstleister sollten daher einen Schwerpunkt auf die Unterstützung ihrer technischen Abteilungen setzen, um keine Klienten zu verlieren.

Autor Guido Vermeent, Gemalto
Guido Vermeent ist Vice President Germany & Benelux für Banking & Payment. In diesem Bereich verantwortet er unter anderem alle Unternehmensaktivitäten mit Bezug auf digitale Sicherheit. Hierzu gehören Themen wie E-Payment, M-Commerce, IoT in Bankenumfeld, M-Identity, KYC und Blockchain. Vermeent verfügt über mehr als 18 Jahre Erfahrung und ist studierter Volkswirt.
Die Zukunft der Finanzwelt liegt in der richtigen Technologie und einer angepassten Sicherheitsstrategie, die das Vertrauen der Kunden gewinnen kann. IT-Abteilungen brauchen die richtigen Mittel, um die neue Möglichkeiten für Dienstleistungen und Produkte aus der digitalen Welt sicher und gezielt für Kunden bereitzustellen.

Fazit

Viele Banken sollten ihre digitalen Angebote überdenken. Es geht nicht mehr, traditionelle Angebote unterstützend digital anzubieten, sondern um die eine komplette Transformation des Marktes in die digitale Welt.“

Innerhalb von kurzer Zeit werden Kommunikation und Vertrieb hauptsächlich digital abgewickelt werden – und genau darauf sollten sich Finanzunternehmen umgehend einstellen.

Das Potenzial ist enorm, denn Banken können mit der richtigen Strategie und gezielten Investitionen ihren Ausgangspunkt deutlich verbessern. Gleichzeitig droht aber der Verlust von Marktanteilen, da neue Konkurrenz durch die Marktveränderung entsteht. Speziell jüngere Kunden sind offen für neue Angebote und orientieren sich an bekannten Marken.

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https://www.it-finanzmagazin.de/?p=47696
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