STRATEGIE3. März 2020

Die Digitalisierung im gewerblichen Kreditgeschäft kommt nur langsam voran

Thomas Paulat, Manager Consultant Banken PPIPPI

Die digitale Transformation macht auch vor traditionellen Ge­schäfts­fel­dern nicht halt. Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben die Prozesse rund um Gewerbekredite in den vergangenen Jahren grundlegend umgebaut. Ganz fertig sind sie aber noch nicht: Insbesondere bei Kennzahlen, Schnittstellen, Service-Levels und Durchlaufzeiten sehen die Institute noch Verbesserungspotenzial, ebenso wie beim bislang arbeitsintensiven Handling notleidender Kredite. Die notwendigen Werkzeuge für das Kreditgeschäft stehen zur Verfügung und es ist sinnvoll, diese zügig zu integrieren, so die Studie „Digitalisierung – Der gewerbliche Kreditprozess im Wandel“ der Hamburger PPI.

von Thomas Paulat und Michael Wiemker, PPI

Michael Wiemker, Senior Consultant Banken PPIPPI
Ist ein neues IT-System fällig, eine defekte Maschine zu ersetzen oder Material für einen größeren Auftrag einzukaufen, sind Sparkassen und Genossenschaftsbanken für kleine und mittlere Betriebe nach wie vor erster Ansprechpartner bei der Finanzierung. Dementsprechend macht das Geschäft mit Krediten für Gewerbe- und Firmenkunden in der Größenklasse bis zu zehn Millionen Euro Jahresumsatz bei diesen Instituten etwa die Hälfte des gesamten Kreditvolumens aus. Die voranschreitende Digitalisierung aller Bereiche der Gesellschaft sowie nachhaltiges Wirtschaften erfordern massive Investitionen auch von den KMUs, um langfristig im Markt zu bestehen. Gleichzeitig erwarten die Unternehmen von ihren Banken einen zeitgemäßen Service, um schnell auf Finanzierungsbedarfe reagieren zu können. Ohne einen deutlich wahrnehmbaren Digitalisierungsgrad funktioniert das heute nicht mehr. Das Hamburger Beratungs- und Softwarehaus PPI AG hat für die Studie „Digitalisierung – Der gewerbliche Kreditprozess im Wandel“ Sparkassen und Genossenschaftsbanken zu ihrem Digitalisierungsstand befragt.

Nicht komplett digital

Die Studie macht deutlich, dass sich bereits viel bei den Prozessen im gewerblichen Kreditgeschäft bewegt hat. Vor allem im Bereich der Marktfolge – also den Teilprozessen der Kreditentscheidung und -gewährung, der Bestandsverwaltung, sowie dem Risikomanagement – sind positive Auswirkungen des Einsatzes digitaler Technologien spürbar.

Etwa drei Viertel der befragten Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind mit ihren Prozessen eher zufrieden oder sogar sehr zufrieden.“

Das heißt aber nicht, dass es keinen Handlungsbedarf mehr gibt. Weiteres Potenzial wird vor allem in den Teilprozessen Kreditgewährung, Kreditentscheidung und Bestandsverwaltung gesehen.

Kreditgeschäft: Großes Optimierungspotential in der Marktfolge

Mehr Automatisierung möglich

Es fällt auf, dass viele Ansätze für weitere Prozessverbesserungen zwar vorhanden sind, ihr volles Potenzial aber noch nicht ausgeschöpft wird: So ist die digitale Kreditakte weit verbreitet, wird aber keineswegs in ihrem vollen Funktionsumfang in die Prozesse eingebunden. Lediglich ein Viertel der Nutzer verwendet die digital vorliegenden Informationen durchgängig.

Workflow-gesteuerte Prozesse liefern laufend Statusmeldungen über den Sachstand und die Bearbeitungsdauer der Kreditanträge und -engagements. Für die Automatisierung von Prozessen sind entsprechende Workflow-Steuerungstools notwendig. Diese sind jedoch lediglich bei 40 Prozent der befragten Institute im Einsatz. Allerdings plant ein knappes Drittel den zeitnahen Einsatz.

Kreditgeschäft: Digitale Kreditakte weit verbreitet
PPI
Autoren Thomas Paulat und Michael Wiemker, PPI
Thomas Paulat ist Ma­na­ger Con­sul­tant Ban­ken, ver­ant­wor­tet den Be­reich Kre­dit­ge­schäft bei der PPI, er ver­fügt über mehr als 20 Jah­re Er­fah­rung im Ban­ken­um­feld und be­glei­tet seit über 12 Jah­ren Op­ti­mie­rungs-, Sour­cing- und Soft­ware­ent­wick­lungs­pro­jek­te mit Schwer­punkt Kredit..

Michael Wiemker ist Se­ni­or Con­sul­tant Ban­ken mit Schwer­punkt Kre­dit­ge­schäft bei PPI. Wiem­ker ist seit mehr als 20 Jah­ren in der Fi­nanz­dienst­leis­tungs­bran­che tä­tig und ver­fügt über 11 Jah­re Pro­jekt­er­fah­rung als Be­ra­ter der PPI. Sei­ne Be­ra­tungs­schwer­punk­te lie­gen im Be­reich der pri­va­ten und ge­werb­li­chen Kre­dit­fi­nan­zie­rung so­wie dem Prozessmanagement.

Bonitätsprüfung selten elektronisch

Der Gesetzgeber hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Möglichkeiten geschaffen, Finanzdaten von Unternehmen elektronisch auszutauschen und auszuwerten. So kann der digitale Finanzbericht seit April 2018 als Einkommensunterlage in elektronischer Form Erkenntnisse zu Bonität und wirtschaftlicher Lage der Gewerbekunden liefern. Die Banken nutzen diese Möglichkeit jedoch nur vereinzelt, zehn Prozent der Befragten Institute verzichten bisher sogar vollständig darauf. Faktisch bei null liegt die Anwendungsquote der im Rahmen von PSD II deutlich erleichterten Umsatzdatenanalyse von Fremdkonten.

Viel Aufwand bei Non Performing Loans – NPL

Die Auswirkungen dieser mangelnden Digitalisierung machen sich im Kreditgeschäft nicht zuletzt bei der Behandlung notleidender Kredite (Non Performing Loans) bemerkbar.“

Das beginnt bei den Frühwarnsystemen, mit denen die Banken durchweg zufrieden sind, ein Drittel der Institute sich aber einen höheren Informationsgehalt wünscht. Ist der Wechsel eines Engagements in den NPL-Bereich notwendig, erfordert dies bei der Mehrheit der Sparkassen und Genossenschaftsbanken aufwändige manuelle Tätigkeiten. Einen automatisierten Prozess für die Überführung haben nur 40 Prozent der Institute implementiert. Gleichzeitig sehen 60 Prozent einen höheren Aufwand bei einer solchen Übergabe. Weitere Digitalisierungs- und Automatisierungsmaßnahmen können hier für Abhilfe sorgen.

Kreditgeschäft: Viel Arbeit mit notleidenden Krediten
PPI

Den richtigen Weg weiter gehen

Die Studienergebnisse zeigen, dass die digitale Transformation der gewerblichen Kreditprozesse nur langsam vorankommt. Ein Blick auf die eingesetzten Methoden und Werkzeuge zeigt, dass noch viel Potenzial ungenutzt ist.

Die sichtbaren Verbesserungen stagnieren aktuell, was sich zum Beispiel bei den Durchlaufzeiten zeigt.

Eine Kreditentscheidung dauert derzeit maximal fünf Tage. Der Wert hat sich aber im Jahresvergleich kaum verändert.“

Gerade hier sehen die befragten Entscheider die Notwendigkeit, noch schneller zu werden. Das wird nur mit mehr Automatisierung und noch intensiverer Nutzung der vorhandenen Möglichkeiten zu realisieren sein. Eine konsequente Fortführung des eingeschlagenen Wegs wird weitere Verbesserungen bei Qualität und Schnelligkeit mit sich bringen.

Die PPI-Studie „Digitalisierung – Der gewerbliche Kreditprozess im Wandel“ steht hier nach Angabe der Kontaktdaten zum Download zur Verfügung.Thomas Paulat und Michael Wiemker, PPI

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/101983 
 
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (6 Stimmen, Durchschnitt: 4,50 von maximal 5)
Loading...

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

IDnow veröffentlicht Regulatorik-Leitfaden für FinTechs

IDnow hat heute den FinTech-Ratgeber veröffentlicht: "Handbook FinTech Regulations 2020...

Schließen