STRATEGIE30. Juli 2026

DKB-Modell: Banken bauen eigene IT via Tech-Partner auf

Schwerpunkt: Fintech – Kooperation & Konkurrenz
Sascha Beck, Executive Director & Financial Services-Leader, Banken und Versicherungen bei GFT GFT

Sascha Beck, Executive Director & Financial Services Leader bei GFT, und Alexander Lehsten, General Manager der DKB Code Factory, sprechen im Interview darüber, wie Banken durch die partnerschaftliche Kooperation mit Technologie-Dienstleistern ihre eigene digitale Kompetenz nachhaltig stärken können, statt in dauerhafte Abhängigkeiten zu geraten. Am Beispiel des Build-Operate-Transfer-Modells der DKB zeigt sich, dass die Zusammenarbeit auf Augenhöhe der Schlüssel ist, um dem akuten Fachkräftemangel und dem hohen Innovationsdruck effizient zu begegnen. Letztlich belegt das Projekt, dass moderne Banken durch solche strategischen Allianzen selbst tiefgreifendes Tech-Know-how aufbauen müssen, um im dynamischen Marktumfeld konkurrenzfähig zu bleiben.

von Dunja Koelwel

Herr Beck, Herr Lehsten, viele Banken arbeiten heute mit Nearshore-Standorten oder externen Entwicklungspartnern. GFT hat die DKB beim Aufbau ihres Kompetenzzentrums mit einem Build-Operate-Transfer-Modell begleitet. Was zeichnet diesen Ansatz aus und worin unterscheidet er sich von klassischen Nearshore-Modellen?

Sascha Beck: Der entscheidende Unterschied liegt im Zielbild. Bei klassischen Nearshore-Modellen geht es häufig darum, externe Entwicklungskapazitäten bereitzustellen. Beim Build-Operate-Transfer-Modell verfolgen wir einen anderen Ansatz: Gemeinsam mit der Bank baut GFT eine Entwicklungseinheit auf, die nach der Transferphase in die Organisation der Bank überführt wird.

Wir übernehmen zunächst den Aufbau und den operativen Betrieb, schaffen gemeinsam Strukturen und Prozesse und bereiten die spätere Übergabe zusammen mit dem Kunden von Anfang an mit vor. Dadurch entsteht kontinuierlich Wissenstransfer.

Am Ende steht kein externer Entwicklungsstandort, sondern ein Kompetenzzentrum: Eigene Mitarbeitende, etablierte Prozesse und dauerhaftes Know-how.“

Alexander Lehsten, DKB
Alexander Lehsten, Geschäftsführer DKB Code Factory DKB Code Factory

Alexander Lehsten: Im Vordergrund stand, unsere Entwicklungskapazitäten auszubauen und gleichzeitig die eigene Organisation nachhaltig zu stärken. Wir wollten Softwareentwicklung nicht dauerhaft auslagern, sondern zusätzliche Kompetenz aufbauen und vollständig in unsere Entwicklungsorganisation integrieren.

Das Build-Operate-Transfer-Modell bot dafür den passenden Rahmen. Es hat uns ermöglicht, schnell zu skalieren und gleichzeitig sicherzustellen, dass das Kompetenzzentrum langfristig Teil der DKB wird.

Der Wettbewerb um qualifizierte IT-Fachkräfte ist europaweit groß. Warum fiel die Wahl des Standorts auf Valencia?

Alexander Lehsten: Für uns war entscheidend, einen Standort zu finden, an dem wir langfristig wachsen können. Valencia bietet einen attraktiven Talentmarkt mit gut ausgebildeten IT-Fachkräften und einer starken Hochschullandschaft. Gleichzeitig erleichtern die räumliche Nähe sowie die gemeinsame Zeitzone die Zusammenarbeit mit unseren Teams in Deutschland.

Sascha Beck: Die Standortentscheidung sollte grundsätzlich strategisch getroffen werden und nicht allein auf den Personalkosten basieren. Talentverfügbarkeit, Infrastruktur, internationale Attraktivität und die kulturelle Nähe spielen eine ebenso wichtige Rolle, wenn ein Kompetenzzentrum langfristig erfolgreich sein soll.

Der Aufbau eines neuen Entwicklungsstandorts ist organisatorisch anspruchsvoll. Wie haben Sie die Zusammenarbeit zwischen GFT und der DKB gestaltet?

Sascha Beck: Während der Aufbauphase haben wir das Kompetenzzentrum gemeinsam gesteuert. GFT hat den operativen Aufbau, das Recruiting und die Organisation vor Ort verantwortet. Dabei war die DKB von Anfang an eng eingebunden und bereitete die spätere Übernahme aktiv vor.

Genau das unterscheidet ein Build-Operate-Transfer-Modell von einer klassischen Dienstleisterbeziehung: Beide Seiten arbeiten von Beginn für ein gemeinsames Ziel.“

Alexander Lehsten: Für uns war wichtig, einen Partner an unserer Seite zu haben, der Erfahrung im Aufbau internationaler Entwicklungsteams mitbringt und gleichzeitig die lokalen Gegebenheiten kennt. Mit GFT hatten wir bereits mehrere erfolgreiche Projekte umgesetzt. Deshalb wussten wir, dass wir uns auf die Kombination aus technischer und betriebswirtschaftlicher Expertise verlassen können.

Genauso relevant war die enge partnerschaftliche Zusammenarbeit. GFT hat den Aufbau in Valencia vom ersten Tag an auf Augenhöhe mit uns begleitet. So konnten wir das Kompetenzzentrum Schritt für Schritt aufbauen und später nahtlos in unsere Organisation integrieren.

Internationale Entwicklungsstandorte stehen häufig vor der Herausforderung, dass Teams getrennt voneinander arbeiten. Wie ist es gelungen, die Kollegen in Valencia von Anfang an in die Entwicklungsorganisation der DKB einzubinden?

Alexander Lehsten, DKB Code Factory
Alexander Lehsten, DKBAlexander Lehsten ist seit Juni 2018 Geschäftsführer der DKB Code Factory (Webseite). Zuvor war er Head of IT-Projektmanagement bei der DKB und hatte verschiedene Führungspositionen bei DKB Service inne.

Alexander Lehsten: GFT hat uns mit Recruiting-Expertise und starker lokaler Präsenz in Valencia beim Aufbau des Teams unterstützt und die passenden Kolleginnen und Kollegen für das Kompetenzzentrum gewonnen. Transparenz war dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor: Von Beginn an war transparent kommuniziert, dass das Kompetenzzentrum nach der Transferphase vollständig von der DKB übernommen wird und die Mitarbeitenden Teil der DKB werden. Dadurch konnten wir von Grund auf ein Team aufbauen, das fachlich und menschlich sehr gut zu uns passt.

Die Kollegen in Valencia arbeiten eng mit den Produkt- und Entwicklungsteams der DKB zusammen. Wir nutzen gemeinsame agile Prozesse, dieselben Werkzeuge und stimmen uns regelmäßig über alle Standorte hinweg ab.

So entsteht ein funktionales Kompetenzzentrum und nicht nur ein externer Entwicklungsstandort.

Heute umfasst das Kompetenzzentrum mehr als 70 Mitarbeitende. Welche Ergebnisse konnten Sie bislang erzielen?

Alexander Lehsten:  Innerhalb weniger Wochen wurde das Kompetenzzentrum auf 35 IT-Fachkräfte ausgebaut. Damit haben wir unsere Entwicklungskapazitäten deutlich erweitert und unsere technologische Kompetenz nachhaltig gestärkt.

Gleichzeitig konnten wir unsere Skalierbarkeit erhöhen und bereits nach kurzer Zeit spürbare Verbesserungen bei Qualität und Effizienz unserer Softwareentwicklung erzielen.

Verteilte Softwareentwicklung gilt als anspruchsvoll. Welche Rolle spielen agile Methoden dabei?

Sascha Beck, GFT
Sascha Beck verantwortet als Executive Director & Financial Services-Leader das Geschäft mit Banken und Versicherungen für GFT (Website) in Deutschland und Österreich. Er war zuvor in leitenden Funktionen bei Atruvia, Wüstenrot & Württembergische sowie der apobank tätig. Nebenberuflich ist er als Dozent an der Frankfurt School of Finance and Management und der IHK tätig.

Sascha Beck: Eine zentrale. Verteilte Entwicklung funktioniert nur dann effizient, wenn alle Teams nach denselben Prinzipien arbeiten. Agile Arbeitsweisen und DevOps schaffen die Grundlage für kurze Entwicklungszyklen, hohe Transparenz und eine enge Zusammenarbeit – unabhängig vom jeweiligen Standort.

Welche Erfahrungen aus dem Projekt würden Sie anderen Banken mitgeben, die über den Aufbau eines eigenen Kompetenzzentrums nachdenken?

Sascha Beck: Aus unserer Erfahrung sind vier Punkte besonders wichtig.

  • Erstens sollte die Standortwahl immer strategisch erfolgen und nicht ausschließlich unter Kostengesichtspunkten.
  • Zweitens entfalten Kompetenzzentren ihren größten Nutzen dann, wenn sie organisatorisch eng mit den Fach- und IT-Bereichen verzahnt sind.
  • Drittens sollten agile Arbeitsweisen und DevOps bereits beim Aufbau fest etabliert werden.
  • Und viertens reduziert ein Build-Operate-Transfer-Modell die Risiken deutlich, weil Kompetenzen kontrolliert aufgebaut und anschließend schrittweise in die Organisation überführt werden können.

Wenn Sie heute auf das Projekt zurückblicken: Welches Fazit ziehen Sie?

Alexander Lehsten: Für uns war das Projekt weit mehr als eine Möglichkeit, zusätzliche Entwicklungskapazitäten zu schaffen. Wir haben unsere Entwicklungsorganisation nachhaltig gestärkt und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile erzielt.

Gerade vor dem Hintergrund des zunehmenden Wettbewerbs um IT-Fachkräfte sehen wir darin einen wichtigen Baustein unserer Technologiestrategie.

Herr Beck, Herr Lehsten, vielen Dank für das Gespräch!dk

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