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FINTECH12. September 2017

ottonova: Erste ‚digitale Krankenversicherung‘ und selber Risikoträger – Zehn Fragen an Frank Birzle, CTO

Frank Birzle, Co-Founder &amp; CTO ottonova<q>ottonova</q>
Frank Birzle, Co-Founder & CTO ottonovaottonova

Frank Birzle ist Co-Founder & CTO bei ottonova, der – nach eigenen Angaben – ersten komplett digitalen Krankenvollversicherung Deutschlands, die zudem selber Risikoträger ist. Doch was heißt dann eigentlich „Digitale Versicherung“? Was könnten etablierte davon lernen? 10 Fragen.

Herr Birzle, warum kommt erst jetzt eine „Digitale private Krankenvollversicherung“?

Versicherungsunternehmen auf der Grundlage des Versicherungsaufsichtsgesetzes sind in Deutschland durch die Bundesanstalt für Finanz­dienst­leistungs­aufsicht (BaFin) reguliert und die Auflagen für die Gründung einer Krankenversicherung in Deutschland sind sehr hoch.

… Kein Wunder, dass ottonova die erste Neugründung seit 17 Jahren ist.“

Was unterscheidet dann ottonova von einer etablierten Versicherung? Die haben auch Apps und Online-Zugänge bzw. -Einreichungen.

Bei ottonova erfolgt der Abschluss der Versicherung komplett online, ganz ohne Makler und Filialen.

Der Versicherte kommuniziert zeitgemäß mit ottonova via Chat und Dokumente kommen nicht per Post, sondern als pdf in die persönliche App. Natürlich kann man bei ottonova auch seine Rechnungen per App einreichen, das ist mittlerweile eher Pflicht als Kür.“

Wir unterscheiden uns aber vor allem dadurch, dass wir uns als Technologiefirma verstehen, die an einer Gesundheitsplattform für die Zukunft arbeitet. Das spiegelt sich vor allem in unserem IT-Team wieder: bei ottonova werden alle Kundenanwendungen von Anfang an durch eigene Mitarbeiter konzipiert, gestaltet und umgesetzt. Wir arbeiten nicht mit Agenturen zusammen und verwenden keine white-labeled Applikationen, die nur an die Corporate Identity angepasst werden. Dadurch sind wir in der Lage, bessere Anwendungen zu bauen und zeichnen uns vor allem durch eine viel schnellere Umsetzungsgeschwindigkeit aus.

Was sind die aus Ihrer Sicht innovativen Features, die ottonova von anderen Versicherungen unterscheidet?

Der Versicherte steht bei ottonova im Fokus, weshalb uns vor allem an einer klaren und direkten Kommunikation und Gestaltung gelegen ist. Wir stellen das komplizierte Thema private Krankenversicherung auf verständliche Art und Weise dar und achten auch besonders auf die Gestaltung der User Experience.“

Dies kann man beispielsweise auf unserem Lebensrechner (https://www.ottonova.de/passt-ottonova-zu-mir/#Lebensrechner) erleben, mit dem man einfach überprüfen kann, ob eine private Krankenversicherung zur eigenen Lebenssituation passt. Der Antragsprozess wurde von Grund auf neu entwickelt und so verständlich und einfach wie möglich gehalten.

Durch die Timeline in der ottonova-App bekommt der Versicherte einen schnellen Überblick über seine Gesundheitshistorie – jede relevante Interaktion mit ottonova wird hier übersichtlich dargestellt zusammen mit wichtigen Informationen über künftige oder vergangene Arzttermine, die verschriebenen Medikamente und eingereichten Rechnungen.

Weiterhin ist bei uns der Kundensupport bequem via Chat zu erreichen. Und das ist erst der Anfang: Unsere Entwicklungs-Roadmap ist prall gefüllt und wir werden kontinuierlich neue und spannende Features veröffentlichen, die unseren Versicherten einen großen Mehrwert bieten.

Frank Birzle, ottonova
Frank Birzle, Co-Founder &amp; CTO ottonova<q>ottonova</q>Frank Birzle ist Co-Founder und Chief Technology Officer (CTO) von ottonova. Zuvor war Birzle langjährig in Führungspositionen bei Rocket Internet tätig. Sein Fokus lag dabei im Aufbau der IT-Infrastruktur in Start-ups und der Rekrutierung von IT-Fachkräften. Der diplomierte Informatiker erhöhte unter anderem als CTO des südafrikanischen Zalando-Ablegers Zando dessen operative Leistungsfähigkeit um ein Vielfaches und halbierte gleichzeitig die Betriebskosten. Birzle ist spezialisiert auf die Entwicklung von stabilen und hoch skalierbaren Systemen und die Verknüpfung von Enterprise-Software mit benutzerfreundlichen Frontend Anwendungen.

Sprechen wir über Technik: Sie sagen, Ihr IT-System sei agiler und schneller als andere? Warum? Was setzen Sie ein?

Ein IT-System kann nur dann agil sein, wenn die grundlegende Architektur von Anfang an darauf ausgelegt wurde und das ist bei ottonova der Fall.“

Wir verwenden klar definierte Schnittstellen für die Kommunikation der verschiedenen Komponenten und setzen vor allem prominente Vertreter der Open Source Welt ein, anstatt das Rad selbst ständig neu zu erfinden.

Beim Bestands- und Leistungssystem und bei der automatisierten Leistungsprüfung setzen wir auf Best-in-Class Software von einem in Deutschland ansässigen Branchenexperten.

Bei ottonova macht aber vor allem das IT-Team einen Unterschied, denn dieses setzt sich aus handverlesenen, erfahrenen Experten aus unterschiedlichsten Disziplinen zusammen. Nur mit einem solchen Team war es möglich, in so kurzer Zeit ein vollständiges Versicherungssystem aufzubauen.

Thema KI/ Machine Learning: Setzen Sie auf KI-Systeme? Wie und welches nutzen Sie?

Auch beim Thema Machine Learning haben wir viele spannende Features in unserer Pipeline, die wir baldmöglichst veröffentlichen möchten.

Wir setzen auch hier vor allem auf Open Source und arbeiten mit Python als Programmiersprache.“

ottonova ist Bafin-zertifiziert. Nun liebt die Bafin offene, transparente Systeme. Mussten Sie gegenüber der Aufsicht Zugeständnisse oder Abstriche machen, um die Zertifizierung zu erhalten oder wurden Sie nur durchgewunken?

Das Zulassungsverfahren mit der BaFin haben wir insgesamt als sehr konstruktiven und positiven Prozess wahrgenommen. Die BaFin hat von Anfang an die richtigen Fragen bzgl. IT-Sicherheit und Datenschutz gestellt und unsere Architektur auf die Probe gestellt.“

Aufgrund der Erfahrung des Teams aus dem E-Commerce und Bankensektor gab es allerdings keine großen Überraschungen. Wir setzen insgesamt auf einen höheren Sicherheitsstandard als die Branche im Allgemeinen. Die Konten der Versicherten sind mit OneTime-Pins als Zwei-Faktor-Authentifizierungsmedium gesichert und alle Daten werden verschlüsselt abgelegt.

Datenschutz ist ein großes Thema. Was passiert, wenn der Versicherte sein Handy verliert? Wie werden seine sensiblen Daten geschützt?

Die Daten der Versicherten liegen verschlüsselt auf unseren Servern. Um auf diese Daten zugreifen zu können, muss sich der Versicherte (mittels 2-Faktor Authentifizierung) an unseren Systemen anmelden und kann dann seine Daten einsehen.

Diese [Daten] werden in der App nur kurzzeitig angezeigt und nicht permanent auf dem Gerät gespeichert, wodurch ein Verlust des Gerätes an sich nicht dramatisch ist.“

Wir verwenden etablierte Verschlüsselungsmechanismen zur Verschlüsselung der abgelegten Daten und übertragen Daten ausschließlich via SSL/TLS.

Wie sieht die Zusammenarbeit mit Ärzten aus und welche Schnittstellen gibt es?

Wir arbeiten an diversen Integrationen, haben aktuell aber noch keine besonderen Schnittstellen zu den Systemen, die Ärzte in Deutschland verwenden, geschaffen. Die Schnittstelle sind aktuell die Dokumente, die der Versicherte mittels unserer Apps zu uns hochlädt. Mit unseren Assisteuren, die ebenfalls Dienstleistungen im medizinischen Bereich für unsere Versicherten erbringen, gibt es bereits engere verzahnte Integrationen. Diese sind künftig auch mit weiteren Akteuren des Gesundheitssystems geplant.

Wie sieht der Schadensprozess aus Sicht der Kunden bei Ihnen aus?

Hier unterscheiden wir uns nicht sehr von anderen privaten Krankenversicherungen. Sobald der Kunde eine Abrechnung von seinem Arzt bekommen hat, lädt er sie bequem mittels App zu uns hoch. Wir aktualisieren den Status der Abrechnung fortwährend und informieren den Versicherten, wann er mit dem Eingang der Zahlung rechnen kann. Rückfragen zu Abrechnungen finden ausschließlich über unsere App digital statt.

Und wo sehen Sie sich in drei Jahren? Wie viele Policen werden Sie verwalten?

Natürlich würde ich mir wünschen, dass wir sehr erfolgreich werden und möglichst viele Neukunden und Wechsler von ottonova überzeugen. Allerdings liegt unser Hauptaugenmerk darauf, möglichst zufriedene Kunden zu haben und dies wird stets Vorrang haben. Wir sind mit einem sehr guten Businessplan und realistischen Erwartungen ins Rennen gegangen und sind bis dato auch voll im Plan.

Vielen Dank für das Interview, Herr Birzle. Über die Erwartungen und Ihren realistischen Plan müssen wir dann noch bei nächster Gelegenheit sprechen.aj

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https://www.it-finanzmagazin.de/?p=56791
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