PRODUKTE3. November 2020

EU-Regulierung: Gesetzliche Verpflichtung zum Instant Payment steht im Raum

Sergio Lima / Bigstock

Die Europäische Union setzt sich für schnelles und sicheres bargeldloses Bezahlen in Europa ein. Und Instant Payment könnte, wenn es nach den ersten Entwürfen der EU-Kommission geht, bald nicht nur ein zusätzliches kostenpflichtiges Feature werden, sondern zum Standard bei den Banken. Bis zum flächendeckenden Einsatz von Echtzeitzahlungen ist es freilich noch ein weiter Weg, auch wenn Valantic bereits erste europäische Banken für Instant Payment fit gemacht hat.

Mit Instant Payments können Verbraucher Echtzeitüberweisungen nutzen, bei denen das Geld in wenigen Sekunden auf das Konto des Empfängers gebucht wird – ein Feature, das angesichts der Konkurrenz aus dem Digital-Lager eigentlich selbstverständlich sein sollte (und es insbesondere in vielen Emerging Markets auch bereits ist). „Die Kommission zielt auf volle Durchsetzung von Instant Payments in der EU bis Ende 2021“, heißt es beispielsweise in dem Strategiepapier der EU, das im September 2020 veröffentlicht wurde und viele Banken offenbar nicht überrascht. „Wir stellen fest, dass die Corona-Situation dem bargeldlosen Zahlen in Europa enormen Vorschub gegeben hat“, erklärt Sertac Cetiner, Head of Payments von Valantic.

Valantic sieht sich als Spezialist für Finanzsoftware und hat bereits die ersten Banken in Osteuropa mit Echtzeit-Zahlsystemen und der Möglichkeit zu digitalen Zahlungsaufforderungen – Request-to-Pay – ausgestattet. Seit über zwei Jahrzehnten begleitet das Unternehmen Kunden wie Erste Bank, Santander, DZ Bank oder UniCredit Group. Beispielsweise bietet die Erste Bank Ungarn, ein Tochterunternehmen der österreichischen Erste Group, inzwischen flächendeckend Echtzeitzahlungen mit einer Laufzeit von weniger als fünf Sekunden, die auch bequem am Point-of-Sale durch einen Zahlungs-Request ausgelöst werden können. Für die Bank wurde dazu der modulare Payment-Hub von Valantic entsprechend angepasst.

Instant Payment: Mögliche Verpflichtung zum Echtzeit-Zahlungsverkehr

Im Vergleich zu FinTechs oder Zahlungsdienstleistern schenken Verbraucher ihr Vertrauen weiterhin den Banken, wie die aktuelle Studie von MX Technologies „The Ultimate Guide to the Future of Banking“ zeigt: 93 Prozent der Befragten haben mehr Vertrauen in Banken als in große Tech-Firmen wie Google oder Apple mit ihren Bezahldiensten, mehr als 80 Prozent der befragten Menschen nutzen Mobile Banking jede Woche. An Bankfilialen glauben indes gerade einmal noch drei Prozent der Befragten.

Valantic

Die neue Bankenwelt wird mit den geplanten Standards der EU-Kommission ein harter Wettbewerber für alle alternativen Zahlungsdienstleister sein. Das fördert auch den Datenschutz, denn bei EU-regulierten Banking-Leistungen unterliegen die sensiblen Daten zum Einkaufsverhalten dem europäischen Datenschutz.“

Sertac Cetiner, Head of Payments von Valantic

Das Unternehmen erklärt, dass die Instant-Payment-Lösung der Erste Bank Ungarn nach den Richtlinien der ungarischen Nationalbank in der Transaktionsgeschwindigkeit den vorläufigen Richtlinienkatalog für das SEPA-R2P-Modell des European Payment Council übertrifft. Man glaubt, so auch den final festzulegenden EU-Standard erfüllen zu können.

Instant Payment: EU evaluiert Verhalten der Banken

Während im Handel weiter auch mit Bargeld bezahlt werden darf (und während dies gerade in Deutschland auch laut EU-Kommission das wichtigste Zahlungsmittel bleiben wird), könnten Payment Service Provider (PSP) zum Echtzeit-Service verpflichtet werden – notfalls per Gesetz. Nach Ablauf der Übergangsfrist zur Bereitstellung von „SEPA Instant Credit Transfers“ im November dieses Jahres will die Europäische Union nämlich überprüfen, wie viele PSP und Bankkonten für Instant Payments bereitstehen.

Das Besondere dabei: Reicht das Ergebnis und das Verhalten der europäischen Banken der Kommission nicht aus, wird ein Gesetzentwurf zur obligatorischen Teilnahme am SCT Instant Scheme bis Ende 2021 vorgelegt. Damit werden PSP verpflichtet, Instant Payments abzuwickeln.

Für Banken ist es daher generell empfehlenswert, die Digitalisierungsstrategie zu beschleunigen, um auch dem Echtzeit-Aspekt gerecht zu werden. Denn noch aktualisiert sich die Bankensoftware oftmals nur über Nacht.“

Sertac Cetiner, Head of Payments von Valantic

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