ANWENDUNG17. Dezember 2019

Firmenkunden bekommen Zugang zum SWIFT-KYC-Register

Wer ist mein Kunde – seriöses Unternehmen, Geldwäscher oder Strohmann für Terroristen? <q>Gerd Altmann/Pixabay
Wer ist mein Kunde – seriöses Unternehmen, Geldwäscher oder Strohmann für Terroristen? Gerd Altmann/Pixabay

Das weltweite Know-Your-Customer-Register (KYC) von SWIFT entwickelt sich zu einer Austauschplattform zwischen Banken und Unter­nehmens­kunden. Letztere können nun ihre Daten selbst pflegen und verteilen.

Immer anspruchsvoller werden weltweit die Bemühungen, Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung einzuschränken. Sowohl Banken, Finanzdienstleister und Versicherer als auch Unternehmen müssen daher aufwändig die Legitimation ihrer Geschäftspartner prüfen, um den gesetzlichen Compliance-Anforderungen zu genügen.

Über 90 Prozent der Treasurer, die dazu befragt wurden, gaben an, dass die Beantwortung von KYC-Nachfragen heute weit höhere Anforderungen stellt als noch vor fünf Jahren. Mehr als 50 der Unternehmen haben zudem die Zahl ihrer Bankpartner aufgrund langwieriger KYC-Prozesse reduziert.

Zeitraubende Auskunftsersuchen

Eines der größten Probleme sind die unterschiedlichen Anforderungen in verschiedenen Rechtsräumen. So müssen die Bankpartner Informationen von ihren Firmenkunden einholen und Daten, die häufig unvollständig oder veraltet sind, aus vielen Quellen zusammensuchen. In zahlreichen Fällen sind sie gezwungen, für regelmäßige Überprüfungen bei Bestandskunden wiederholt nachzufragen – was die Kundenbeziehungen belasten kann.

Aus Sicht der Unternehmen müssen sie den Banken in verschiedenen Teilen der Welt ihre Daten in jeweils anderen Formaten und Ausprägungen zur Verfügung stellen. Das verursacht unnötigen hohen Aufwand, der sich nur zum Teil damit kompensieren lässt, die Zahl der Bankbeziehungen – und damit die Zahl der Anforderungen – zu konsolidieren.

Reduzierter Aufwand – für beide Seiten

Genau hier setzt das SWIFT-Register „Know Your Customer“ (KYC) an. Das 2014 eingeführte Register verwaltet Unternehmensdaten auf einer standardisierten Basis, die mit Bankpartnern und Unternehmen abgestimmt und auf ihre Bedürfnisse abgestimmt ist. So können Finanzinstitute und -dienstleister die Informationen in dem für sie relevanten Umfang und den benötigten Formaten abfragen, was die Prozesse deutlich vereinfacht.

Neu ist, das Unternehmen mit SWIFT-Anschluss nun selbst ihre Daten einpflegen und von SWIFT auf Vollständigkeit überprüfen lassen können. Das senkt auch auf der Seite der Treasurer den Aufwand enorm – sie müssen nur noch einmal alle benötigten Daten an SWIFT geben, und von der können alle relevanten Bankenpartner ihre Informationen beziehen.

Für Unternehmen hat dies den zusätzlichen Vorteil, dass sie die Datenschutzvorschriften erfüllen, indem sie die Kontrolle über ihre KYC-Daten behalten und entscheiden, welche Banken Zugriff darauf haben. Darüber hinaus können sie ihre Eintragungen in Echtzeit aktualisieren.

Erfolgreicher Abschluss der Pilotphase

Der jetzt getroffenen Entscheidung, Unternehmenskunden den Zugang zur KYC-Datenbank von SWIFT zu ermöglichen, war eine Testphase vorausgegangen, in der 16 global aktive Banken mit mehr als 7.500 Firmenbeziehungen und 18 Unternehmen und Konzerne, darunter BMW, Deutsche Post DHL, Siemens, Spotify und Unilever, den Datenaustausch über die SWIFT-Plattform erprobten. Bart Claeys von Swift sieht in der nun gefundenen Lösung klare Vorteile für beide Seiten.

SWIFT

„Unser globales KYC-Register bringt bereits den 5.000 Banken und Finanzinstitutionen, die es derzeit nutzen, große Vorteile. Wir freuen uns sehr, diese Vorteile auch auf die Firmenkunden bei SWIFT zu erweitern. Das Register beschleunigt die Zahlungen von Unternehmen durch einen effizienten Due Diligence-Prozess, der gleichzeitig die KYC-Anforderungen voll und ganz erfüllt.“

Bart Claeys, Head of KYC and Reference Data bei SWIFT

Auch auf Unternehmensseite begrüßt man die Neuerung. KYC sei ein zeitaufwändiges Verfahren, konstatiert beispielsweise Kristina Möller, Treasury Director bei Spotify AB. Durch die SWIFT-Initiative sei es nun möglich, diese Lasten zu reduzieren – insbesondere für ein expandierendes Unternehmen wie Spotify ein enormer Vorteil: „Für uns ist das besonders interessant, da wir kontinuierlich wachsen und in neue Märkte eintreten, in denen KYC-Anforderungen erdrückend sein können.“ hj

 
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