STRATEGIE5. März 2021

Zwischen Utopie und Realität: Die dynamische Cloud

Experte für Gaia-X: Marcus Busch, Leaseweb
Marcus Busch, Leaseweb Leaseweb

Das dynamische Verteilen von Workloads zwischen diversen Cloud-Plattformen ist die logische Konsequenz, um die Vorteile der Technologie vollständig nutzen zu können. Leider ist dies noch Zukunftsmusik. Gaia-X hingegen sendet erste positive Signale in diese Richtung.

von Marcus Busch, Leaseweb

Von ei­ner Hy­brid Cloud wün­schen sich Kun­den vor al­lem ein ho­hes Maß an Fle­xi­bi­li­tät in­klu­si­ve der Mög­lich­keit, ein­zel­ne Be­stand­tei­le der Cloud-In­fra­struk­tur mü­he­los auf an­de­re An­bie­ter über­tra­gen zu kön­nen.

Ei­ne dy­na­mi­sche Cloud ist im Prin­zip ei­ne Mul­ti-Cloud-Um­ge­bung, in der sich Workloads und Da­ten zwi­schen den ein­zel­nen Clouds ver­schie­ben las­sen.“

Dies kann die je­weils ef­fek­tivs­te Mi­schung und Ska­lie­rung er­mög­li­chen, in­dem freie In­stan­zen in ei­nem Um­feld von Mul­ti-Cloud-Pro­vi­dern iden­ti­fi­ziert und ge­nutzt werden.

Innerhalb ei­ner Hy­brid Cloud wün­schen sich Kun­den vor al­lem ein ho­hes Maß an Fle­xi­bi­li­tät, in­klu­si­ve der Mög­lich­keit, ein­zel­ne Be­stand­tei­le der Cloud-In­fra­struk­tur mü­he­los auf an­de­re An­bie­ter über­tra­gen zu kön­nen. Ei­ne dy­na­mi­sche Cloud ist im Prin­zip ei­ne Mul­ti-Cloud-Um­ge­bung, in der sich Workloads und Da­ten zwi­schen den ein­zel­nen Clouds ver­schie­ben las­sen. Dies kann die je­weils ef­fek­tivs­te Mi­schung und Ska­lie­rung er­mög­li­chen, in­dem freie In­stan­zen in ei­nem Um­feld von Mul­ti-Cloud-Pro­vi­dern iden­ti­fi­ziert und ge­nutzt werden.

Dies würde Kunden erlauben, die Vorteile der Cloud bestmöglich abzuschöpfen. Darüber hinaus könnte es die Konkurrenz zwischen den Anbietern im Markt fördern und Innovationen steigern. In der Praxis ist eine solche Cloudumgebung jedoch noch Zukunftsmusik, weil sich zwar die Angebote ähneln, die darunter liegenden Technologien jedoch sehr verschieden sind.

Keine Cloud ist wie die andere

Wären alle Cloud-Umgebungen zumindest bis zu einem gewissen Grad untereinander kompatibel, wäre es einfach, eine entsprechende Abstraktionsschicht zu entwickeln, mit der sich verschiedene Clouds dynamisch unter einer Oberfläche vereinen lassen. Und tatsächlich gibt es bereits Cloud-Orchestrierungs-Tools, die zumindest theoretisch das Potenzial haben, dies zu ermöglichen. Sie bieten eine einzige Bedienoberfläche, mit der sich Performance einzelner Clouds messen, Preise vergleichen und Workloads basierend auf den Anforderungen verschieben lassen. Diese geben auf dem Papier große Hoffnung für künftige dynamische Cloud-Infrastrukturen, praxistauglich sind sie gegenwärtig jedoch noch nicht.

Denn obwohl sämtliche Cloud-Anbieter, allen voran die Hyperscaler, im Grunde das gleiche Produkt liefern, unterscheiden sie sich doch in vielen Details, insbesondere bei den Oberflächen und vor allem bei den APIs. Dies hat zur Folge, dass sich selbst simple Migrationen zwischen Clouds nur mit hohem Aufwand durchführen lassen.“

Und da die verschiedenen Anbieter ihre Cloud-Services kontinuierlich weiterentwickeln, wird die Erstellung, Aktualisierung und Verwaltung potenzieller Cloud-Orchestrierungstools entsprechend komplex – und in der Praxis fast unmöglich.

Virtualisierungsplattformen in der Cloud: Eine Scheinlösung

Über Leaseweb
Leaseweb (Website) ist Infrastructure as a Service (IaaS) Anbieter. Die Services umfassen Public Cloud, Private Cloud, Dedizierte Server, Colocation, Content Delivery Network und Cyber Security Services. Derzeit verwaltet das Unternehmen nach eigenen Angaben mehr als 80.000 Server. Das Unternehmen betreibt 19 Rechenzentren an Standorten in Europa, Asien, Australien und Nordamerika mit einem Backbone mit Peak-Bandbreite von mehr als 5,5 Tbps.

Um ih­re Nut­zer bei der Mi­gra­ti­on zwi­schen Cloud­-Um­ge­bun­gen zu un­ter­stüt­zen, bie­ten Hy­per­s­ca­ler seit ei­ni­ger Zeit den Be­trieb ih­re Vir­tua­li­sie­rungs­platt­for­men in der Cloud an. So wur­de der Be­trieb von VM­ware in der Ama­zon-Cloud in den letz­ten Mo­na­ten stark be­wor­ben. Doch die­ses Kon­zept führt die ei­gent­li­che In­ten­ti­on der Cloud ad ab­sur­dum. Denn ob­wohl so das Mi­gra­ti­ons­pro­blem für ei­nen Teil der Workloads ge­löst wer­den kann, be­zah­len die Un­ter­neh­men im Ge­gen­zug für die Nut­zung ih­rer in der Cloud vir­tua­li­sier­ten Um­ge­bung sehr ho­he Pu­blic-Cloud-Prei­se. Für et­was, das sie bei­spiels­wei­se auf Ba­re Me­tal In­fra­struk­tur zu ei­nem Bruch­teil der Kos­ten er­rei­chen könnten.

Das Problem der fehlenden Kompatibilität der Hyperscaler ist prinzipieller Natur. Denn für die Cloud-Anbieter bringt es kaum Vorteile, ihre Clouds kompatibel mit anderen Angeboten zu machen.

Neben den proprietären Formaten erkennt man das auch sehr einfach daran, dass die Preise für Up- und Downlink verdächtig differieren. Daten in die Cloud zu schicken ist günstig – sie wieder herauszuholen ist jedoch überproportional teuer.“

Selten war der Versuch der Herstellerbindung offensichtlicher. Und es ist unwahrscheinlich, dass die derzeit führenden Hyperscaler diese Strategie in naher Zukunft ändern und von sich aus für mehr Kompatibilität – und damit Dynamik – sorgen werden.

Gaia-X bringt die dynamische Cloud in Reichweite

Dass es auch anders geht, zeigt Gaia-X, die europäische Initiative Cloud-Angebote zu vereinheitlichen und ein Gegengewicht zu den amerikanischen Anbietern von Cloud-Lösungen zu bilden. Diese Partnerschaft europäischer Industriepartner soll Datenmobilität über ein offenes, föderiertes und sicheres Cloud-Setup bieten. Die Realisierung nicht nur einheitlicher APIs, sondern auch eindeutiger Dienstbeschreibungen und Funktionalitäten würde definitiv dazu beitragen, die Infrastruktur tatsächlich mobil und damit dynamisch zu machen.

Die dynamische Hybrid Cloud hat Zukunftschancen

Wir können feststellen, dass die Cloud noch nicht so „dynamisch“ ist, wie wir es uns wünschen würden. Gaia-X bietet allerdings eine hoffnungsvolle Zukunftsperspektive. Das bedeutet jedoch nicht, dass Unternehmen ihre hybriden Clouds nicht bereits heute sehr dynamisch verwalten können.

Die Kombination aus Angeboten der Hyperscaler und kleinerer Anbieter verspricht bereits heute hohe Flexibilität. Kunden können aus den breiten Portfolios mittelständischer Cloud-Anbieter beispielsweise aus potenziell Hunderten von verschiedenen Modellen und Spezifikationen wählen, die genau auf die optimale Leistung eines Workloads zugeschnitten werden können.“

Dies kann dabei helfen, einen effizienten Cloud-Mix zu erstellen, der jeden Workload in der für ihn richtigen Cloud platziert.

Bis es soweit ist, dass Cloud-Orchestrierungslösungen oder Ansätze wie Gaia-X für mehr dynamische Verwaltungsmöglichkeiten sorgen, müssen Unternehmen sorgfältig darüber nachdenken, wie sie ihre benötigten Cloud-Services kombinieren und wie sie ihre Infrastruktur entsprechend einrichten, um Vendor lock-in und hohe Kosten zu vermeiden.Marcus Busch, Leaseweb

 
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