STRATEGIE20. Dezember 2022

Gegen Geldwäsche: Sopra Steria eröffnet Anti-Financial-Crime-Hub in Berlin

Kenishirotie / Bigstock

Sopra Steria will Anti-Geldwäsche-Kompetenz nach Berlin bringen. Wie die Management- und Technologieberatung mitteilt, plant sie einen Anti-Financial-Crime-Hub (AFC-Hub) unweit des Bahnhofs Südkreuz. Bis zu 300 Expertinnen und Experten sollen dort in Zukunft an der Bekämpfung von Geldwäsche, Sanktionsbetrug und anderen Formen von Finanzkriminalität mitwirken. Diese werden in Zukunft mit technologischer Unterstützung Verdachtsfälle erkennen, auswerten und die Kooperation mit zuständigen Behörden übernehmen.

Der Großteil der AFC-Spezialisten in Berlin wird zunächst Banken unterstützen, Verdacht auf Geldwäsche auf Terrorfinanzierung oder Sanktionsbetrug aufzudecken, neue Kunden richtig einzuschätzen sowie Transaktionen im Blick zu behalten. Der Kundenkreis solle aber perspektivisch auch auf andere Unternehmen und Branchen, die mit dem Thema zu tun haben, erweitert werden. Dazu zählen andere Finanzdienstleister wie Versicherer, Händler und jene Gewerbetreibenden, die mit großen Mengen von Verdachtsfällen zu kämpfen haben.

Unternehmen, nicht nur Banken, müssen im Rahmen von KYC-Prozessen Millionen von Kunden genau kennen und Geldströme monitoren. Dazu kommt die Bearbeitung von Hinweisen und Anfragen der Strafverfolgungsbehörden.

300 Anfragen am Tag sind für größere Finanzdienstleister keine Seltenheit. Der Anti Financial Hub dient dazu, dass Unternehmen diese Vorgangsmengen schnell und zu vertretbaren Kosten bewältigen und gleichzeitig ihren gesetzlichen Verpflichtungen nachkommen.”

Clemens Meyer, Service Manager im Anti Financial Crime Hub von Sopra Steria

Sopra Steria kämpft mit digitaler Plattform gegen Finanzkriminalität

Die Kunden des AFC-Hubs von Sopra Steria (Website) sollen hierfür Zugriff auf die Onshore- und Nearshore-Leistungen der Sopra-Steria-Gruppe erhalten. Die Management- und Technologieberatung unterstützt nach eigenen Angaben bereits diverse Banken als Outsourcing-Partner bei ihren Anti-Financial-Crime-Aktivitäten. Diese Outsourcing-Leistungen zieht das Unternehmen sukzessive zusammen und erweitert sie.

Sopra Steria Consulting

In den kommenden Jahren werden wir den AFC Hub zu einer digitalen As-a-Service-Plattform ausbauen, an die andere Unternehmen andocken können, und so mit den immer wieder wechselnden Anforderungen an die Bekämpfung von Finanzkriminalität besser fertig werden.”

Martin Stolberg, Leiter des Geschäftsbereichs Banking bei Sopra Steria

Deutschland hat Nachholbedarf im Kampf gegen Geldwäsche

Die Nachfrage nach Dienstleistungen im Kampf gegen Geldwäsche ist groß. Deutschland hat im internationalen Vergleich bei der Bekämpfung von Finanzkriminalität Nachholbedarf, erklären internationale Experten der Industrieorganisation OECD. Prüfer der Financial Action Task Force (FATF) bemängelten im Sommer, dass die Überwachung im Privatsektor effektiver werden müsse. Das Gros der Verdachtsmeldungen stammt von Banken und Versicherern, doch auch diese stehen immer wieder unter Druck, sich organisatorisch zu verbessern.

„In einer Online-Wirtschaft müssen Kunden in wenigen Klicks überzeugt, gleichzeitig aber auch identifiziert und bewertet werden. Damit wird es für Unternehmen immer schwerer, den Spagat zwischen Customer Experience und Compliance hinzubekommen“, erklärt Stolberg. Man sehe hier deshalb einen riesigen Unterstützungsbedarf bei Unternehmen, die sich eigentlich um ganz andere Dinge kümmern wollen, aber auch bei Behörden, die der Flut von Verdachtsmeldungen nachgehen müssen, so der Leiter des Geschäftsbereichs Banking.

Sopra Steria bietet als Technologieunternehmen umfassende End-to-End-Lösungen, die große Unternehmen und Behörden wettbewerbs- und leistungsfähiger machen sollen – und zwar auf Grundlage tiefgehender Branchenexpertise, innovativer Technologien und eines kollaborativen Ansatzes.tw

 
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