STRATEGIE16. Juli 2020

Die Doppelstrategie der Sparkassen bei Apple Pay

Rudolf Linsenbarthprivat

Die Nachrichtenlage verdichtet sich, die girocard der Sparkassen kommt noch diesen Sommer ins Apple Wallet. Gleichzeitig gibt es Meldungen, dass die Sparkassen auch eine Debit Mastercard platzieren werden. Macht das Sinn?

von Rudolf Linsenbarth

In immer kürzerer Abfolge kommen jetzt Artikel, dass die Sparkassen kurz vor dem Apple Pay Launch ihrer girocard stehen (siehe unten). Wir beim IT-Finanzmagazin hatten das Ereignis ja bereits vor einem Monat für Q3 2020 angekündigt. Mittlerweile gehen wir jetzt von einem wahrscheinlichen Launch-Termin im August aus.

Nachdem jetzt auch die letzten Skeptiker von einer sehr hohen Eintrittswahrscheinlichkeit überzeugt sind, stellt sich die Frage: Wie reagieren die anderen Banken und was hat es eigentlich mit der Debit Mastercard auf sich?

Ob der Launch der Sparkassen einen Einfluss auf die Kartenstrategie der anderen Banken hat, kann man wahrscheinlich erst in einigen Monaten beurteilen. Diese girocard-Integration war ein Kraftakt, den wahrscheinlich so keine andere Bank in Deutschland hätte stemmen können. Außer den Sparkassen hatten alle anderen Banken, einschließlich der Genossen, sowieso abgewunken.

Apple Pay mit girocard: Es raschelt im Blätterwald
Apple Pay mit girocard: Es raschelt im BlätterwaldGoogle

Für Neo-Banken und auch für die Direktbanken stellt sich die Frage nach der girocard nicht. Hier hat man sich auf eine „Mastercard und VISA first oder only Strategie“ festgelegt. Wenn der Kunde Mobile Payment machen will, soll er gefälligst diese Produkte nehmen. Commerzbank und Deutsche Bank, die ihren Kunden die entsprechenden Kreditkarten nicht kostenfrei zur Verfügung stellen, probieren es über den Zwischenweg mit einer Debit Mastercard. Diese ist für die Kunden dann kostenlos oder zumindest wesentlich günstiger als ein entsprechendes Kreditkartenprodukt.

Vor allem die Genossenschaftsbanken stehen jetzt ohne Strategie da. Sie galten bisher als bekennende Unterstützer der girocard.“

Wie erklärt man den Kunden nun, dass das Payment-Kernprodukt auf dem iPhone nicht verfügbar ist. Will man denen jetzt etwa eine Kreditkarte für Apple Pay verkaufen?

…und wie erklärt man den vielen kleinen Händlern, die massenhaft girocard Only Verträge vom genossenschaftlichen Zahlungsdienstleister bezogen haben, dass es jetzt gerade die Volksbank-Kunden sind, die an der Kasse stehen und dort mit dem iPhone nicht bezahlen können? Für mich schwer vorstellbar, dass man im Geno-Lager diesen Druck einfach weiter anstaut. Wahrscheinlichste Variante, mit einem Jahr Verzögerung ziehen die Volks- und Raiffeisenbanken den Sparkassen wieder einmal hinterher.

Aber damit nicht genug. Die CoBadge Debit Mastercard ist ein weiteres Thema, mit dem die Sparkassen die deutsche Kartenlandschaft aufmischen.“

Hierbei wird der girocard anstatt einer Maestro-Karte die DMC zur Seite gestellt. Dieses Projekt hat erst mal überhaupt nichts mit der girocard im Apple Pay Wallet zu tun. Trotzdem werden in einigen Artikeln beide Themen in einen Topf geworfen.

Autor Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mobile Payment, NFC, Kundenbindung und digitaler Identität. Er ist seit über 15 Jahren in den Bereichen Banken, Consulting, IT und Handel tätig. Lin­sen­barth ist profilierter Fachautor und Praktiker im Finanzbereich und kommentiert bei Twitter (@holimuk) die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Linsenbarth im eigenen Namen.
Wozu das Ganze, fragt man sich, wenn doch bald die girocard auch direkt auf dem iPhone genutzt werden kann. Die Sparkassen können mit diesem Schritt 3 Probleme zugleich lösen:

  1. Die Kunden bekommen endlich ein Online-Zahlverfahren von ihrer Bank, das wirklich Relevanz im E-Commerce-Alltag hat.
  2. Dem Handel kann man schon einmal die Folterinstrumente zeigen, wenn er weiter auf der girocard mit dem ELV-Schlitten fährt. Kunden, die wirklich Wert auf Scheme-Zahlung legen, werden die DMC ins Wallet holen.
  3. Ein Verzicht auf die girocard ist in der Lebenswirklichkeit der allermeisten Kunden noch nicht möglich. Durch das CoBadge wird die girocard am POS dabei trotzdem nicht kannibalisiert. Zugleich kann man den Händlern mit einer mPOS-Lösung auch noch indirekt vor das Schienenbein treten. Sie bezahlen nämlich z.B. bei Sumup 1,9% für DMC statt 0,9 % für Maestro.

Also am physischen POS hat ein DMC CoBadge wahrscheinlich nur geringe Auswirkungen auf die girocard. Dem Kunden wird es wahrscheinlich ziemlich egal sein, auf welchen Schienen seine Transaktion abgewickelt wird. Anders sieht es da schon im E-Commerce aus. Mit der DMC hat der Kunde ein etabliertes Zahlverfahren in der Hand, welches zudem auch dem Handel einen attraktiven Preis bietet. Das ist aber weit weg von EPI und den #DK-Träumen der deutschen Bankenwelt. Gleichzeitig konterkariert es die Bemühungen, die girocard in der Apple Wallet onlinefähig zu machen.

Aber bei DMC ist derzeit noch nicht bekannt, wie viele Sparkassen hinter dem Projekt stehen und wie die Karte vermarktet wird, Sinn macht das Ganze nur, wenn das Produkt mindestens in den Premium-Kontenmodellen kostenlos zu haben ist.

Egal wie, die Sparkassen sind derzeit im Payment sehr breit aufgestellt und können nun in aller Ruhe abwarten, in welche Richtung die Reise geht!“Rudolf Linsenbarth

 
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