IT PRAXIS11. April 2019

Hinter den Kulissen eines digitalen Banking-Service – Die IT-Basics bei Holvi

Antti-Jussi Suominen, CEO Holvi
Antti-Jussi Suominen, CEO HolviHolvi

Wie unterscheiden sich FinTechs von klassischen Industriedienstleistern? Und zwar nicht in ihren Produkten und Angeboten, die oft beleuchtet und verglichen werden, sondern in ihrem Kern, in ihrer IT-Basis. Wie entwickeln sie ihre Produkte, welche Methoden und Tools nutzen sie? Heute werfen wir einen Blick hinter die Kulissen bei Holvi und sprechen dazu mit Antti-Jussi Suominen, dem CEO des digitalen Banking-Service für Freelancer und Selbstständige.

Herr Suominen, wie werden die Produkte bei Holvi entwickelt – Wasserfall, Agile, etc.?

Die Mitarbeiter bei Holvi sind in acht funktionale Teams unterteilt: Business Development, Marketing & Kommunikation, Kundenerfolg, Produkt & Design, Software-Engineering, technischer Betrieb, Controlling mit Compliance, Risiko und Recht sowie Finanzen und HR.“

Typischerweise hat jedes dieser Teams seine eigenen Rollendefinitionen. Ihre jeweiligen Ziele und Vorgaben werden mit Hilfe von OKRs (Objectives and Key Results) innerhalb des Unternehmens abgestimmt.

Unsere Produktentwicklung arbeitet über Wertströme (Value Streams), in denen alle Funktionen abgebildet sind, und sie arbeitet in funktionsübergreifenden Bereichen. Jedem Value Stream sind ein Product Owner, ein technisches Team (Frontend, Backend und Mobile Development) sowie Datenanalysten, Designer und Vertreter aus den Bereichen Marketing, Customer Success, Legal & Compliance und Operations zugeordnet. Wir arbeiten, wie wahrscheinlich die meisten jüngeren Unternehmen, agil. Dabei nutzen wir Scrum und arbeiten in Sprints von zwei Wochen, um eine schnelle Entwicklung und Iteration unserer Services und Produkte zu gewährleisten.

Wie entscheidet sich, was als nächstes entwickelt wird? Wie sieht dabei der Prozess aus?

Entsprechend unserer agilen Arbeitsweise haben wir bei  Holvi Product Owner für die Entwicklungsteams, die jeweils ihre eigene Roadmap erstellen. Sie basiert auf Produktstrategie, Kundenfeedback, erwarteten Auswirkungen auf das Geschäft und auf verschiedenen Metriken und Daten, die das Team verfolgt und die für das Geschäft entscheidend sind.

Anhand des OKR-Rahmens und der genannten Value Streams überprüft das Managementteam wöchentlich die Entwicklung verschiedener Initiativen und Projekte. Darüber hinaus gibt es ein monatliches Meeting, das wir nutzen, um Projekte zu priorisieren. Dazu ist jeder bei Holvi eingeladen und hilft bei der Auflistung der Dinge, die als nächstes erledigt werden müssen. Zusätzlich werden in diesem Meeting die Ressourcen auf Grundlage der Auswirkungen auf das Geschäft priorisiert.

Jede Woche wird im Management-Team-Meeting der Fortschritt jedes Value Streams betrachtet und entschieden, ob dort weitergemacht werden soll oder nicht.

Das vorzeitige Beenden von Projekten und Plänen gehört allerdings zu den größten Herausforderungen. Solche Fälle werden intensiv diskutiert, und es gehört einige Stärke dazu ‘nein’ zu einem begonnenen Projekt zu sagen. Das Eingestehen, dass man hier einen falschen Weg eingeschlagen hat, ist sehr schwierig, jedoch integraler Bestandteil von Agilität und Innovation.“

Antti-Jussi Suominen, CEO Holvi
Antti-Jussi Suominen, CEO von Holvi, hat jahrelange Erfahrung darin, Unternehmen und Start-ups aufzubauen. Er verfügt über Expertise bei der Leitung von Online-Unternehmen in verschiedenen Branchen weltweit. Vor Holvi führte er ein Free-to-Play-Spieleunternehmen zu Profitabilität und neuem Wachstum. Davor war er in verschiedenen leitenden Managementpositionen bei Nokia tätig, wo er weltweit für den Aufbau des Neugeschäfts zuständig war und das Corporate-Venturing-Portfolio verwaltete. Vor Nokia war er Teil des Gründerteams beim Start-up zed, das mobile Content-Dienste in Europa und Asien einführte. Zu Beginn seiner Karriere leitete er das Corporate Innovation Lab eines Telekommunikationsunternehmens.

Welche Basistechnologien sind bei Holvi im Einsatz?

Wir nutzen natürlich mehrere Technologien für die Produktentwicklung. Der größte Teil der verwendeten Software ist dabei proprietär.

Welche Programmiersprachen und Tools verwenden Sie?

Der Kern unserer Produkte und Services bei Holvi basiert zu großen Teilen auf Python. Beinahe 95 Prozent unseres Codes sind in dieser Programmiersprache geschrieben. Bei den Werkzeugen und Tools setzen wir hingegen auf Git und die Produktpalette von Atlassian.

Gibt es spezifische Hardwareaspekte, die berücksichtigt werden müssen?

Unsere gesamte Banking-Infrastruktur liegt in der Cloud. Aspekte der Hardware treten dadurch in den Hintergrund.“

Der Einsatz einer Cloud-basierten Infrastruktur gewährleistet Hochverfügbarkeit, Ausfallsicherheit und entspricht den regulatorischen Vorschriften. Mehr Details dazu sind hier zu finden. Darüber hinaus haben wir aber keine spezifische Hardware, die sich auf die unterschiedlichen Kernbereiche bezieht, sondern nutzen die allgemein übliche Hardware für den Betrieb eines Unternehmens.

Herr Suominen, vielen herzlichen Dank!aj

 
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