EVENTS & MESSEN22. März 2021

ibi: „Strategiepapier der EU zum Massenzahlungsverkehr – der große Wurf?“

Spezialisten des Zahlungsverkehrs
Die Referentenibi

Am 10. März veranstaltete ibi research, das Forschungsinstitut für Finanzdienstleistungen und Handel an der Universität Regensburg ihr Zahlungsverkehrsforum. Schwerpunkt der online durchgeführten Veranstaltung war das Strategiepapier der EU zum Massen­zahlungs­verkehr verbunden mit der Frage, ob damit der große Wurf für den europäischen Zahlungsverkehr gelingt.

von Rudolf Linsenbarth

Das hochkarätig besetzte Panel mit Vertretern aus Politik, Verbraucherschutz, Finanzwirtschaft, Handel und Aufsicht diskutierte dabei auch die radikalen Veränderungen im Zahlungsverkehr, durch Corona und technische Entwicklungen wie Kryptowährungen, Wearables, Fingerabdruck und Gesichtserkennung.

Claudio Zeitz-Brandmeyer, Referent für Zahlungsverkehr und Digitalisierung beim Verbraucherzentrale Bundesverband verdeutlichte in seinem Beitrag, wie der Kunde von morgen zahlen will. Was seiner Meinung nach heute noch fehlt, ist eine europäische, digitale Zahlungslösung für den stationären und den Online-Handel. Der Europaabgeordneter Markus Ferber forderte danach, dass Europa jetzt gemeinsam handeln muss.

Der logische Anschlussvortrag kam von Martina Weimert, CEO der EPI Interim Company. Ihr Thema: „Wie kann EPI ein einheitliches Zahlungssystem für Europa aufbauen?“ Mir persönlich fehlte dabei allerdings der wirklich visionäre Ansatz. EPI stellt sich auf den ersten Blick als ein weiteres Karten-Scheme dar. Hier ist der Bedarf aber mit Sicherheit sehr überschaubar. Ob die Erweiterungsmöglichkeiten im Mobile Payment es dann zum großen Wurf machen, bedarf noch mal einer näheren Betrachtung.

Autor Rudolf Linsenbarth
Rudolf LinsenbarthRudolf Linsenbarth be­schäf­tigt sich mit Mobile Payment, NFC, Kundenbindung und digitaler Identität. Er ist seit über 15 Jahren in den Bereichen Banken, Consulting, IT und Handel tätig. Lin­sen­barth ist profilierter Fachautor und Praktiker im Finanzbereich und kommentiert bei Twitter (@holimuk) die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Linsenbarth im eigenen Namen.
Mein persönliches Highlight war sicherlich der Auftritt von Dr. Jürgen Schaaf von der EZB. Er sprach über das Potenzial eines digitalen Euros. Die Vorstellungen der EZB, welche Probleme ein digitaler € lösen soll und welche Anforderungen er dafür erfüllen muss, sind schon sehr konkret. Dazu wird es auf jeden Fall noch einen detaillierten Einzelbeitrag von mir geben.

Ulrich Binnebößel vom Handelsverband Deutschland ergänzte die Sicht des Handels.

Gerhard Bystricky, Head of Product Management Payments, UniCredit Bank, analysierte in seinem Vortrag mögliche Entwicklungen im Bereich Instant Payments. Sein Fazit in Kürze:

  • Instant Payments hat sich im Zahlungsverkehr als feste Größe schon etabliert
  • Die Interoperabilität zwischen den Clearing-Häusern wird die Akzeptanz von Instant Payments weiter erhöhen
  • Initiativen wie gpi-TIPS schaffen Voraussetzungen für eine Verknüpfung mit anderen Real-time Payment-Verfahren weltweit
  • Mit Request-to-Pay wird die Bedeutung von Instant Payments weiter wachsen
  • Corporates und Banken haben allerdings noch Hausaufgaben, um Instant Payments zum „new normal“ zu machen

Der Schlussvortrag kam von Dr. Felix Strassmair-Reinshagen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Sein Thema: „PSD2 in der Aufsichtspraxis – Erste Bilanz und Ausblick!“ Neben den nachfolgenden Zahlen zum Stand der Ausnahmeverfahren beim Kontozugang für Dritte Zahlungsdienstleister:

Dr. Felix Strassmair-Reinshagen, Referent in der Gruppe IT-Aufsicht, BaFinBaFin
  • Ausnahme erteilt: 5
  • In der Entscheidungsphase: 6
  • In Marktbewährung: 8
  • Noch nicht in Marktbewährung: 15
  • Gesamt: 34

… wurden auch die meisten auftretenden Probleme benannt:

1. Fehlende Funktionalitäten
2. Mangelnde Stabilität oder Performanz
3. Überflüssige Benutzerschritte
4. TPP-Registrierungspflicht

Auf meine explizite Nachfrage, ob Banken über die PSD2-Schnittstelle auch alle SCA-Verfahren anbieten müssen, die der Kunde auch im bankeigenen Online-Banking zur Verfügung hat, bat Herr Strassmair-Reinshagen unverzüglich Beispiele zu benennen, wo das nicht der Fall ist. Das Thema XS2A wird uns, so wie es scheint, auch in regulatorischer Hinsicht noch eine Weile begleiten.

Das Publikum wurde mittels Online-Umfragen regelmäßig ins Boot geholt. So herrschte Uneinigkeit darüber, bis wann mit einem digitalen Euro gerechnet werden kann. Rund ein Viertel stellte die Vermutung an, es dauere bis Mitte 2026, während nahezu genauso viele für Mitte 2024 stimmten. Anders sah es bei der Frage nach Instant Payments und Request-to-Pay am Point-of-Sale aus. Hier waren sich die Zuschauer zu großen Teilen einig, diese Verfahren sind in Kürze in ganz Europa verfügbar.

Die Digitalisierung hat auch für den Zahlungsverkehr weitreichende Konsequenzen und das nicht nur in Deutschland, sondern europa- oder sogar weltweit. In der neu gestarteten Wissensoffensive Zahlungsverkehr setzt sich ibi research in Veranstaltungen, Studien und weiteren Publikationen mit diesen Veränderungen auseinander. Weitere Informationen dazu findet man unter www.wissensoffensive-zahlungsverkehr.de (Website).Rudolf Linsenbarth

 
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