STRATEGIE15. Mai 2020

Latenzzeit den Garaus machen: Die Heraus­for­derung für Banken bei KI, Betrug und Daten-Handling

Spezialist für Latenzzeit: Kelly Herrell, CEO Hazelcast
Kelly Herrell, CEO HazelcastHazelcast

In vielen modernen Branchen ist eine geringe Latenzzeit – also die Zeit, die Daten von ihrer Quelle zu ihrem Ziel benötigen – heute durchaus entscheidend. Für Banken und Finanzdienstleister gilt dies umso mehr, da sich in diesem Sektor die Geschwindigkeit, mit der Netzwerke Kommunikation übertragen und Transaktionen ausführen, direkt proportional zur Rentabilität verhält. Und weil Zeit Geld ist, kann die Differenz zwischen Milli- und Mikrosekunden gleichzeitig einen erheblichen Unterschied zwischen großen Gewinnen oder Verlusten bedeuten.

von Kelly Hernell ist CEO bei Hazelcast

Um wettbewerbsfähiger zu sein, versuchen Organisationen deshalb, die teuren Auswirkungen von Latenzzeiten zu verringern sowie schnell und präzise auf die sich ändernden Bedürfnisse ihres Unternehmens und ihres Kundenstamms zu reagieren.

Eine kürzlich von Hazelcast und Intel durchgeführte Umfrage ergab, dass eine erhebliche Kluft zwischen Innovatoren und Nachahmern im Bereich der Finanzdienstleistungen besteht, vor allem dann, wenn es bei der Anwendungs­leistung in den Bereich von Mikrosekunden geht. Denn laut dieser Umfrage messen weniger als die Hälfte der IT-Entscheider bei Finanzdienstleistern die Verzögerung tatsächlich in Mikrosekunden.

In dem Maße, wie neue und aufstrebende Technologien die Finanzwelt beeinflussen und verändern, müssen sich Organisationen auch mit den stets präsenten Auswirkungen der Reaktionszeit auseinandersetzen.“

Wie die Latenzzeit überwunden und welche konkreten Vorteile dies Banken und Finanzdienstleistern bringen kann, zeigen die folgenden drei Beispiele.

Neue Chancen bei Umsatz und Dienstleistungen

Jene Finanzdienstleister, welche die Latenzzeit in Mikrosekunden messen, sehen laut der Hazelcast-Umfrage in Künstlicher Intelligenz und Maschinellem Lernen die besten Möglichkeiten zur Gewinnsteigerung für ihr Unternehmen.

Zur Freisetzung des Potenzials von KI, Maschinellem Lernen (ML) und anderen für die Finanzdienstleistungsbranche wichtigen Technologien wie Blockchain, müssen Organisationen in der Lage sein, mit Geschwindigkeiten und Größenordnungen zu arbeiten, von denen man bislang dachte, sie seien unerreichbar. Das wachsende Bedürfnis, KI und andere rechenintensive Anwendungen zu unterstützen, erfordert die Kapazität von Hochleistungsrechnern für die Durchführung von Echtzeitanalysen und für das Training von Datensätzen in großem Maßstab. Gleichzeitig ist all das auch eine Voraussetzung für innovative Anwendungen.

Autor Kelly Hernell, CEO bei Hazelcast
Spezialist für Latenzzeit: Kelly Herrell, CEO HazelcastKelly Hernell ist CEO bei Hazelcast. Während seiner beruflichen Laufbahn hat er bereits vier innovative Unternehmen von den Anfängen bis hin zur marktführenden Position geleitet und dabei ein breites Spektrum an Computer- und Netzwerktechnologien abgedeckt. Seit 2018 arbeitet er für Hazelcast, wo er dank seiner Erfahrung erfolgversprechende Innovationen in die Infrastruktur der Kunden weltweit vorantreibt – wozu auch Open-Source-Modelle gehören. Zuvor war Kelly Hernell bei Brocade Communication. Das Unternehmen hatte Vyatta übernommen, das seinerseits Pionierarbeit für software-definierte Netzwerke leistete und das weltweit am meisten verbreitete Betriebssystem für Software-Netzwerke lieferte.
Unter den beteiligten IT-Entscheidern nannten 40 Prozent die Identifizierung neuer Umsatz- und Dienstleistungs-Chancen als wichtigsten Grund für die Verkürzung der Latenzzeiten. Als Begründung nannten sie die Tatsache, dass damit der Zielkonflikt, der zwischen der vorhersehbaren Wirksamkeit des KI/ML-Modells und dessen Leistung besteht, beseitigt wird. Denn in der Finanzbranche ist KI/ML ohne Geschwindigkeit wie ein Auto mit einem Motor, aber ohne Räder. Behält man jedoch die Latenzzeit fest im Blick, während gleichzeitig neue und intelligenter Technologien genutzt werden, wird das die Chancen auf höhere Gewinne in dieser Zeit des Umbruchs steigern.

Cyber-Kriminalität verhindern

Betrügereien haben mittlerweile epidemische Ausmaße angenommen, weil unser digitales Leben immer vernetzter, abhängiger und anfälliger dafür wird. Digitale und mobile Kartenzahlungen haben sowohl die Anzahl der Transaktionen als auch die Angriffsvektoren für betrügerische Aktivitäten drastisch erhöht. Deshalb haben die Zahlungsdienstleister ihre Anstrengungen zur Betrugsbekämpfung deutlich intensiviert.

Die Geschwindigkeit, mit der Betrugsversuche auftreten, verstärkt diese komplexen Herausforderungen zusätzlich. Dies erfordert Algorithmen zur Betrugserkennung, die verdächtige Verhaltensweisen nicht in Sekunden oder Millisekunden, sondern sogar in Mikrosekunden erkennen.

Aus diesem Grund betrachten 39 Prozent der IT-Entscheider in der Finanzdienstleistungsbranche die Abwehr von Cyber-Kriminalität als oberstes Ziel ihrer Bemühungen zur Verkürzung der Latenzzeiten.“

Je schneller der Zahlungsvorgang abläuft und je mehr Algorithmen zur Betrugserkennung gleichzeitig im verfügbaren Zeitfenster ausgeführt werden können, umso besser können Betrugsversuche vermieden werden, wodurch die Unternehmen am Ende Millionen einsparen können.

Ein füh­ren­der US-Kre­dit­kar­ten-Zah­lungs­dienst­leis­ter muss­te in­ner­halb ei­nes Jah­res bei­spiels­wei­se 1,5 Mil­li­ar­den Dol­lar we­gen un­er­kann­ter be­trü­ge­ri­scher Zah­lun­gen ab­schrei­ben. Der Zah­lungs­dienst­leis­ter hat­te auf­grund sei­ner ver­al­te­ten Da­ten­ban­k­­ar­chi­tek­tur nur 50 Mil­li­se­kun­den für sei­ne Er­ken­nungs­al­go­rith­men, was die An­zahl der aus­führ­ba­ren Er­ken­nungs­al­go­rith­men be­grenz­te. Ein ska­lier­ba­rer In-me­mo­ry Da­ten­spei­cher mit ge­rin­ger La­tenz­zeit er­mög­lich­te es dem Zah­lungs­dienst­leis­ter, Kon­to­in­for­ma­tio­nen ab­zu­glei­chen, den ver­füg­ba­ren Sal­do zu prü­fen, die Be­trugs­­er­ken­nung durch­zu­füh­ren und na­he­zu in Echt­zeit ei­ne Ent­schei­dung zu treffen.

Beschleunigter Datenzugriff für bessere Geschäftsentscheidungen

Eine weitere Top-Priorität der IT-Entscheider in der Finanzdienstleistungsbranche ist der schnellere Zugriff auf Daten, um damit bessere Geschäftsentscheidungen zu treffen. Allerdings verfolgt etwa ein Viertel der befragten Finanzinstitute die aufgrund von Latenzzeiten entstandenen Kosten gar nicht. Durch neue Ansätze in der Wertschöpfungskette der Datenverarbeitung können Unternehmen jedoch in Echtzeit Einblicke in betriebliche Abläufe erhalten und dadurch intelligentere Entscheidungen treffen. Dies wiederum kann zu verbesserten Produkten und Dienstleistungen führen.

Die Verarbeitung neuer Daten in der nahezu gleichen Geschwindigkeit, in der sie erzeugt werden, wird zur neuen Normalität werden, wenn Unternehmen in einem völlig neuen Zeitrahmen operieren. Da frisch produzierte Datensätze immer größer und vielfältiger werden, kann die Minimierung der Latenzzeit in allen Schichten des Softwaregefüges Unternehmen bei der Erfüllung neuer Anforderungen unterstützen – insbesondere jener, die innovative Anwendungen stellen. Unternehmen müssen sich jeden Prozess und jedes System ansehen, um zu bestimmen, wie die schädlichen Latenzzeiten am besten beseitigt werden können.

Fazit

Führungskräfte tun gut daran zu verstehen, dass der Kampf zur Reduzierung der Latenzzeiten nie ganz gewonnen werden kann.“

Unternehmen sollten bei der Überprüfung ihrer Architekturen für die Datenverarbeitung stets wachsam bleiben und die Vorteile leistungsstarker neuer und bewährter Technologien bzw. Ansätze nutzen, um sich so den Herausforderungen rund um die Latenzzeiten entgegenzustemmen. Dabei können schon einige wenige Mikrosekunden Millionen wert sein.Kelly Hernell, Hazelcast

 
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