PRAXIS-TEST20. Oktober 2026

Neues aus dem deutschen, digitalen Neuland: Selbstversuch mit dem digitalen Führungszeugnis

. Seit dem ersten Oktober 2026 ist das Führungszeugnis für Privatpersonen wahlweise auch als digitale Variante erhältlich. Bis dahin gab es das Führungszeugnis ausschließlich gedruckt, auf grünem Spezialpapier. Nun wird es auch in digitaler Form ins Bürgerpostfach bei der BundID zugestellt. Der Selbstversuch: 21 Minuten bis zum Zeugnis, aber kassiert wird nicht per Wero. von Rudolf Linsenbarth.. Nachdem ich nun für eine neue, ehrenamtliche Tätigkeit ein behördliches Führungszeugnis benötigte, bot sich mir die perfekte Gelegenheit für einen persönlichen Praxistest: Wie kommt man nun an das digitale Führungszeugnis?. Ein Führungszeugnis konnte man in Deutschland bereits seit 2014 über das Online Portal des Bundesamts für Justiz beantragen (www.fuehrungszeugnis.bund.de). Dazu benötigt man einen gültigen Personalausweis mit Online Ausweisfunktion (eID) beziehungsweise einen elektronischen Aufenthaltstitel oder eine eID Karte (sog. Unionsbürgerkarte), allesamt natürlich mit aktivierter PIN. Die Gebühr beträgt sowohl für die gedruckte als auch für die digitale Variante 13,00 €. Die Zahlung erfolgt im Laufe des Antragsprozesses und ist ausschließlich über die kartenbasierten Zahlverfahren von Mastercard und VISA möglich. Also kein Wero, aber auch kein Paypahl und schon gar nicht eine Variante mit der digitalen girocard. Da ich von Natur aus neugierig bin, habe ich den Login Prozess ins BundID Konto mal in verschiedenen Varianten durchgespielt:. Am Smartphone Am PC mit dem Smartfon als Lesegerät Am PC mit einem NFC Kartenleser als Lesegerät. Wer mit der kleinen Anzeige am Smartfon klarkommt, ist mit der ersten Variante am schnellsten. Die anderen Verfahren haken zwar ein wenig, funktionieren dann aber auch. . Laut Aussage des Bundesamts für Justiz wird der Antrag direkt weiterbearbeitet und das digitale Führungszeugnis soll im Regelfall innerhalb von wenigen Stunden zugesandt werden. In meinem Fall hat es für ein einfaches Führungszeugnis genau 21 Minuten gebraucht.Finde ich ausreichend schnell, trotzdem würde mich mal interessieren, welche Prozesse hierbei im Hintergrund genau ablaufen.“Lädt man das digitale Führungszeugnis dann herunter, gibt es zwei auffällige Änderungen: Erstens ist der Hintergrund weiß und nicht grün und zweitens sieht man oben links einen QR Code zur Prüfung der Echtheit des Dokuments. Bei der analogen Variante befindet sich dort die Empfängeranschrift für den Postversand. Der QR Code kann ausschließlich mit der App ZeSI mobile der Bundesdruckerei ausgewertet werden. Diese App steht in den gängigen App Stores kostenlos zum Download bereit. Danach einfach App öffnen und den QR Code scannen. Das Prüfergebnis und die in dem QR Code enthaltenen Daten werden direkt in der App angezeigt. Diese Daten müssen den Daten der jeweiligen Seite des digitalen Führungszeugnisses entsprechen. Man muss sie also mit den Informationen auf der konkreten Seite des Dokuments abgleichen. Das Bundesamt für Justiz weist darauf hin, dass es bei der Nutzung der Verifizierungs App ZeSI mobile auf einigen Samsung Smartphones zu bekannten technischen Einschränkungen kommt. Explizit genannt werden die Galaxy A13 5G und Galaxy A36 5G von Samsung. Ich kann noch das A54 5G hinzufügen. Mit dem iPhone verlief die Verifizierung einwandfrei. Leider hatte ich kein anderes Android Gerät zur Hand, um zu bestätigen, dass eine Verifizierung mit dieser Plattform möglich ist. Etwas einfacher wird die Echtheitskontrolle, wenn man das digitale Führungszeugnis in dieser Form direkt weiterleitet. Das qualifizierte elektronische Siegel wird durch alle gängigen PDF Anzeigeprogramme automatisch beim Öffnen des PDF Dokuments geprüft. Wie das Ergebnis der Prüfung konkret dargestellt wird, hängt vom jeweils verwendeten PDF Reader ab. Dazu muss aber zwingend eine Online Verbindung zur Abfrage der EU Trust List vorhanden sein. Beim Acrobat Reader beispielsweise wird das Ergebnis der Prüfung in einer Leiste oberhalb des digitalen Führungszeugnisses wiedergegeben. . Es gibt drei mögliche Statusanzeigen:. Ein grünes Häkchen mit dem Vermerk: „Unterschrieben und alle Unterschriften sind gültig“. Es ist davon auszugehen, dass das Führungszeugnis echt und unverändert ist. Ein orangefarbenes Zeichen mit dem Vermerk: „Es gibt bei mindestens einer Unterschrift Probleme“. Das verwendete Zertifikat zur Siegelerstellung ist nicht bekannt, sodass eine Siegelprüfung nicht durchgeführt werden konnte. Dies bedeutet nicht zwingend, dass das Digitale Führungszeugnis nicht echt ist oder verändert wurde. Es kann zum Beispiel bedeuten, dass der Reader nicht auf dem aktuellen Stand ist, da ein Update nicht installiert wurde. Man kann in diesem Fall versuchen, den Reader zu aktualisieren oder das Dokument auszudrucken und den QR Code per ZeSi App zu prüfen. Ein rotes Kreuz mit dem Vermerk: „Mindestens eine Signatur ist ungültig“. Das elektronische Siegel ist ungültig, weil eine Bearbeitung des Dokuments seit dem Zeitpunkt der Siegelung desPDF Dokumentsstattgefunden haben könnte. In diesem Fall wird empfohlen, das Bundesamt für Justiz unter digitales fuehrungszeugnis@bfj.bund.de zu kontaktieren. . Fazit!. . Durch die digitale Zustellung des digitalen Führungszeugnisses entfallen etwaige Postlaufzeiten. Bürgerinnen und Bürger erhalten das digitale Führungszeugnis grundsätzlich schneller als ein gedrucktes Führungszeugnis. Zudem ist es einfacher, das digitale Führungszeugnis mehrfach zu nutzen. Man kann es zum Beispiel zusammen mit der Bewerbung per E Mail an mehrere Arbeitgeber senden oder als Ausdruck des digitalen PDF Dokuments einer gedruckten Bewerbungsmappe beifügen. Das Verfahren funktioniert zuverlässig, sofern man über einen Personalausweis mit eID und aktivierter PIN verfügt. Leider war die Anmeldung im BundID‑Konto an manchen Tagen etwas hakelig (sobald ich den Fehler und die Lösung reproduzieren kann, melde ich mich dazu noch einmal gesondert).Wer wie ich jahrelang über die Evolution von Bezahlsystemen und die zähe Geburt digitaler Identitäten in Deutschland berichtet hat, entwickelt dabei zwangsläufig eine gesunde Skepsis.“Schließlich liest sich die Theorie vom schlanken Digitalstaat viel besser, als sich die bürokratische Realität anfühlt. An dieser Stelle wird es dann tatsächlich schwierig. Ich bin gespannt, wie die Akzeptanz der Behörden für dieses neue digitale Produkt ist. Ein Freund von mir ist für die Sicherheitsüberprüfung von Mitarbeitern in seinem Unternehmen zuständig. Dies dient dem vorbeugenden personellen Geheim- und Sabotageschutz. Er wusste noch nicht, dass es ein digitales Führungszeugnis gibt. Dabei sind die Durchlaufzeiten für seine Arbeit essenziell. Was mich jedoch fassungslos zurückgelassen hat, ist die Fokussierung einzig und allein auf die Kartenzahlung mittels US‑Schemes. Zahlungsdienstleister für dieses Produkt ist GiroCheckout von der S Public Services und die kommt, wie der Name vermuten lässt, aus der Sparkassengruppe. Warum man hier nicht die Zahlart Wero hinzugenommen hat, bleibt vorerst ein Geheimnis des Bundesamts für Justiz!. In diesem Sinne bin ich gespannt, wie sich die digitale Roadmap weiterentwickelt. Dazu gehören die EUDI Wallet jetzt auch unter der neuen Bezeichnung „d you“, sowie der digitale Euro. Vor allem bei Letzterem habe ich den Eindruck, dort biegt man gerade in die falsche Richtung ab.Sie hörten einen Beitrag von „Rudolf Linsenbarth“

Zahlungsseite des Bundesamts für Justiz mit 13 Euro Gebühr und Feldern für Kreditkartendaten; der Selbstversuch zum digitalen Führungszeugnis kostet nicht per Wero.
Rudolf Linsenbarth

Seit dem 1. Oktober 2026 ist das Führungs­zeugnis für Privatpersonen wahlweise auch als digitale Variante erhältlich. Bis dahin gab es das Führungszeugnis ausschließlich gedruckt, auf grünem Spezialpapier. Nun wird es auch in digitaler Form ins Bürgerpostfach bei der BundID zugestellt. Der Selbstversuch: 21 Minuten bis zum Zeugnis, aber kassiert wird nicht per Wero.

von Rudolf Linsenbarth

Nachdem ich nun für eine neue, ehrenamtliche Tätigkeit ein behördliches Führungszeugnis benötigte, bot sich mir die perfekte Gelegenheit für einen persönlichen Praxistest: Wie kommt man nun an das digitale Führungszeugnis?

Ein Führungszeugnis konnte man in Deutschland bereits seit 2014 über das Online-Portal des Bundesamts für Justiz beantragen (www.fuehrungszeugnis.bund.de). Dazu benötigt man einen gültigen Personalausweis mit Online-Ausweisfunktion (eID) bzw. einen elektronischen Aufenthaltstitel oder eine eID-Karte (sog. Unionsbürgerkarte), allesamt natürlich mit aktivierter PIN.

Die Gebühr beträgt sowohl für die gedruckte als auch für die digitale Variante 13,00 €. Die Zahlung erfolgt im Laufe des Antragsprozesses und ist ausschließlich über die kartenbasierten Zahlverfahren von Mastercard und VISA möglich. Also kein Wero, aber auch kein PayPal und schon gar nicht eine Variante mit der digitalen girocard.

Da ich von Natur aus neugierig bin, habe ich den Login-Prozess ins BundID-Konto mal in verschiedenen Varianten durchgespielt:

  • Am Smartphone
  • Am PC mit dem Smartphone als Lesegerät
  • Am PC mit einem NFC-Kartenleser als Lesegerät

Wer mit der kleinen Anzeige am Smartphone klarkommt, ist mit der ersten Variante am schnellsten. Die anderen Verfahren haken zwar ein wenig, funktionieren dann aber auch.

Autor: Rudolf Linsenbarth
Rudolf Linsenbarth lächelt in schwarzem Kapuzenpullover vor grauem Hintergrund; er schildert seinen Selbstversuch mit dem digitalen Führungszeugnis.Rudolf Linsenbarth hat sich 30 Jahre in den Bereichen Banken, Consulting, IT und Handel bewegt. Seine besonderen Schwerpunkte sind hierbei Payment und digitale Identitäten. Mittlerweile ist er im Unruhestand, aber als profilierter Fachautor und Praktiker kommentiert er das Geschehen weiterhin gerne von der Seitenlinie. Alle Beiträge schreibt Linsenbarth im eigenen Namen.

Laut Aussage des Bundesamts für Justiz wird der Antrag direkt weiterbearbeitet und das digitale Führungszeugnis soll im Regelfall innerhalb von wenigen Stunden zugesandt werden. In meinem Fall hat es für ein einfaches Führungszeugnis genau 21 Minuten gebraucht.

Finde ich ausreichend schnell, trotzdem würde mich mal interessieren, welche Prozesse hierbei im Hintergrund genau ablaufen.“

Lädt man das digitale Führungszeugnis dann herunter, gibt es zwei auffällige Änderungen: Erstens ist der Hintergrund weiß und nicht grün und zweitens sieht man oben links einen QR-Code zur Prüfung der Echtheit des Dokuments. Bei der analogen Variante befindet sich dort die Empfängeranschrift für den Postversand.

Der QR-Code kann ausschließlich mit der App ZeSI mobile der Bundesdruckerei ausgewertet werden. Diese App steht in den gängigen App-Stores kostenlos zum Download bereit. Danach einfach App öffnen und den QR-Code scannen.

Das Prüfergebnis und die in dem QR-Code enthaltenen Daten werden direkt in der App angezeigt. Diese Daten müssen den Daten der jeweiligen Seite des digitalen Führungszeugnisses entsprechen. Man muss sie also mit den Informationen auf der konkreten Seite des Dokuments abgleichen.

Das Bundesamt für Justiz weist darauf hin, dass es bei der Nutzung der Verifizierungs-App ZeSI mobile auf einigen Samsung-Smartphones zu bekannten technischen Einschränkungen kommt. Explizit genannt werden die Galaxy A13 5G und Galaxy A36 5G von Samsung. Ich kann noch das A54 5G hinzufügen. Mit dem iPhone verlief die Verifizierung einwandfrei. Leider hatte ich kein anderes Android-Gerät zur Hand, um zu bestätigen, dass eine Verifizierung mit dieser Plattform möglich ist.

Etwas einfacher wird die Echtheitskontrolle, wenn man das digitale Führungszeugnis in dieser Form direkt weiterleitet.

Das qualifizierte elektronische Siegel wird durch alle gängigen PDF-Anzeigeprogramme automatisch beim Öffnen des PDF-Dokuments geprüft. Wie das Ergebnis der Prüfung konkret dargestellt wird, hängt vom jeweils verwendeten PDF-Reader ab. Dazu muss aber zwingend eine Online-Verbindung zur Abfrage der EU-Trust-List vorhanden sein.

Beim Acrobat Reader beispielsweise wird das Ergebnis der Prüfung in einer Leiste oberhalb des digitalen Führungszeugnisses wiedergegeben.

Antragsseite des Bundesamts für Justiz mit ausgewähltem digitalen Führungszeugnis und Hinweisen zur digitalen Beantragung; im Selbstversuch folgt die Prüfung per QR-Code.
ITFM

Es gibt drei mögliche Statusanzeigen:

  • Ein grünes Häkchen mit dem Vermerk: „Unterschrieben und alle Unterschriften sind gültig“.
  • Es ist davon auszugehen, dass das Führungszeugnis echt und unverändert ist.
  • Ein orangefarbenes Zeichen mit dem Vermerk: „Es gibt bei mindestens einer Unterschrift Probleme“.
  • Das verwendete Zertifikat zur Siegelerstellung ist nicht bekannt, sodass eine Siegelprüfung nicht durchgeführt werden konnte. Dies bedeutet nicht zwingend, dass das Digitale Führungszeugnis nicht echt ist oder verändert wurde. Es kann z. B. bedeuten, dass der Reader nicht auf dem aktuellen Stand ist, da ein Update nicht installiert wurde. Man kann in diesem Fall versuchen, den Reader zu aktualisieren oder das Dokument auszudrucken und den QR-Code per ZeSi-App zu prüfen.
  • Ein rotes Kreuz mit dem Vermerk: „Mindestens eine Signatur ist ungültig“.
  • Das elektronische Siegel ist ungültig, weil eine Bearbeitung des Dokuments seit dem Zeitpunkt der Siegelung des PDF-Dokuments stattgefunden haben könnte.
  • In diesem Fall wird empfohlen, das Bundesamt für Justiz unter digitales-fuehrungszeugnis@bfj.bund.de zu kontaktieren.

Fazit

Durch die digitale Zustellung des digitalen Führungszeugnisses entfallen etwaige Postlaufzeiten. Bürgerinnen und Bürger erhalten das digitale Führungszeugnis grundsätzlich schneller als ein gedrucktes Führungszeugnis.

Zudem ist es einfacher, das digitale Führungszeugnis mehrfach zu nutzen. Man kann es z. B. zusammen mit der Bewerbung per E-Mail an mehrere Arbeitgeber senden oder als Ausdruck des digitalen PDF-Dokuments einer gedruckten Bewerbungsmappe beifügen.

Das Verfahren funktioniert zuverlässig, sofern man über einen Personalausweis mit eID und aktivierter PIN verfügt. Leider war die Anmeldung im BundID‑Konto an manchen Tagen etwas hakelig (sobald ich den Fehler und die Lösung reproduzieren kann, melde ich mich dazu noch einmal gesondert).

Wer wie ich jahrelang über die Evolution von Bezahlsystemen und die zähe Geburt digitaler Identitäten in Deutschland berichtet hat, entwickelt dabei zwangsläufig eine gesunde Skepsis.“

Schließlich liest sich die Theorie vom schlanken Digitalstaat viel besser, als sich die bürokratische Realität anfühlt.

An dieser Stelle wird es dann tatsächlich schwierig. Ich bin gespannt, wie die Akzeptanz der Behörden für dieses neue digitale Produkt ist. Ein Freund von mir ist für die Sicherheitsüberprüfung von Mitarbeitern in seinem Unternehmen zuständig. Dies dient dem vorbeugenden personellen Geheim- und Sabotageschutz. Er wusste noch nicht, dass es ein digitales Führungszeugnis gibt. Dabei sind die Durchlaufzeiten für seine Arbeit essenziell.

Was mich jedoch fassungslos zurückgelassen hat, ist die Fokussierung einzig und allein auf die Kartenzahlung mittels US‑Schemes. Zahlungsdienstleister für dieses Produkt ist GiroCheckout von der S-Public Services und die kommt, wie der Name vermuten lässt, aus der Sparkassengruppe. Warum man hier nicht die Zahlart Wero hinzugenommen hat, bleibt vorerst ein Geheimnis des Bundesamts für Justiz!

In diesem Sinne bin ich gespannt, wie sich die digitale Roadmap weiterentwickelt. Dazu gehören die EUDI-Wallet jetzt auch unter der neuen Bezeichnung „d-you“, sowie der digitale Euro. Vor allem bei Letzterem habe ich den Eindruck, dort biegt man gerade in die falsche Richtung ab.Rudolf Linsenbarth

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