STRATEGIE2. Dezember 2020

Open-Banking-Plattformen: Mehr als nur die Chance auf neue Ertragsquellen!

Expertew für Open-Banking-Plattformen: Hartmann Florian, Senior Consultant Banken bei PPI
Hartmann Florian, Senior Consultant Banken bei PPI PPI

Von Open Banking profitieren nicht nur FinTechs. Etablierten Finanzinstituten bietet dieses Modell – als zentraler Akteur in den entstehenden Ökosystemen – die Chance auf neue Ertragsquellen. Einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren ist dabei die Zusammenarbeit mit Drittanbietern. Das ermöglicht ein umfangreiches Angebot neuer Produkte und Services innerhalb einer kurzen Time-to-Market. Die technischen Voraussetzungen sind bereits jetzt vorhanden.

von Florian Hartmann und Georgios Volovotsis, PPI

Kundenmonopol war ges­tern, die Rea­li­tät von heu­te hei­ßt Open Ban­king!

Der Zu­gang von drit­ten Par­tei­en zu Kun­den- und Trans­ak­ti­ons­da­ten hat den Markt für Fi­nanz­dienst­leis­tun­gen grund­le­gend ver­än­dert. Es wä­re aber falsch, dies sei­tens der eta­blier­ten In­sti­tu­te aus­schlie­ß­lich als Be­dro­hung wahr­zu­neh­men.“

Denn rich­tig ge­hand­habt kann die von der PS­D2 ver­ord­ne­te neue Of­fen­heit ei­ne gro­ße Chan­ce sein. Näm­lich dann, wenn Ban­ken als zen­tra­ler Ak­teur in Öko­sys­te­men rund um Open-Ban­king-Platt­for­men mit bran­chen­über­grei­fen­den An­ge­bo­ten auftreten.

Expertew für Open-Banking-Plattformen: Volovotsis Georgios, Consultant Banken bei PPI
Volovotsis Georgios, Consultant Banken bei PPIPPI

PPI hat im Rah­men der Stu­die „Open-Ban­king-Platt­for­men“ sie­ben An­bie­ter im deutsch­spra­chi­gen Raum zu de­ren Markt­ein­schät­zung, tech­ni­schen As­pek­ten der Platt­for­men so­wie be­reits in den Platt­for­men in­te­grier­ten Mo­du­len be­zie­hungs­wei­se be­ste­hen­den Part­ner­schaf­ten zu Dritt­an­bie­tern be­fragt. Da­bei hat sich ge­zeigt: Was die Mo­dul­viel­falt be­trifft, steht Open Banking bis­her am An­fang, wes­halb sich die­se Stu­die auf klas­si­sche Ban­king-Mo­du­le be­schränkt. Für die schnel­le Wei­ter­ent­wick­lung des bank­ei­ge­nen Pro­dukt- und Ser­vice­an­ge­bots sind Dritt­an­bie­ter ele­men­tar. Ne­ben Ap­p­li­ca­ti­on Pro­gramming In­ter­faces (API) für Open Banking bie­ten die un­ter­such­ten Platt­for­men op­tio­nal be­reits vor­han­de­ne Mo­du­le be­zie­hungs­wei­se Part­ner­schaf­ten mit Drittanbietern.

Ein Ergebnis der Studie: 48 Prozent der abgefragten und schon in Plattformen eingebundenen Module stammen von Drittanbietern. Diese wären zudem in der Lage, 57 Prozent der noch nicht in die jeweilige Plattform integrierten Module kurzfristig anzubinden. Das verdeutlicht die entscheidende Rolle von Partnerschaften innerhalb einer Open-Banking-Strategie. Entsprechend breiten Raum in der Untersuchung des Hamburger Beratungs- und Softwarehauses bekommt die Anbindung mittels API.

Schnittstellen out of the box

Eine kurze Time-to-Market ist einer der größten Vorteile von Open-Banking-Plattformen. Nichtsdestotrotz kann die Anbindung externer Module an die jeweilige Plattform einige Zeit in Anspruch nehmen. Dementsprechend sind die Anbieter bestrebt, diesen Prozess so schnell wie möglich zu gestalten. Es gibt daher vielfältige Hilfestellungen für die Entwicklung gegen die Schnittstellen und es werden – soweit machbar – etablierte Standards verwendet. So sind bei den für die Studie befragten Anbietern diverse Arten von Webservice-Schnittstellen out of the box integrierbar. Alle ermöglichen die Anbindung von REST-Schnittstellen (Representational State Transfer). Diese werden hauptsächlich für Machine-to-Machine-Kommunikation verwendet und ihr Datenaustausch basiert auf HTTP-Requests. Mehr Möglichkeiten zum API-Aufbau bei etwas größerem Aufwand bieten SOAP-Schnittstellen (Simple Object Access Protocol), die bei drei Anbietern nutzbar sind. Zwei Studienteilnehmer bieten auch die serienmäßige Anbindung einer WSDL-API (Web Services Description Language) zur Funktionsdefinition der Webservice-Schnittstelle.

Download-Tipp
Die detaillierten Studienergebnisse sowie weitere Informationen zu Marktchancen durch Open Banking gibt es in der Studie „Open-Banking-Plattformen“ des Hamburger Beratungs- und Softwarehauses PPI AG. Die Studie kann auf der Webseite der PPI AG kostenlos angefordert werden (Link). 

Umfangreiche Entwicklerportale

Um die Pro­gram­mie­rer wäh­rend der ge­sam­ten Ent­wick­lung zu be­glei­ten und ge­ge­be­nen­falls Hil­fe­stel­lun­gen leis­ten zu kön­nen, be­trei­ben al­le Platt­form­an­bie­ter ein Ent­wick­ler­por­tal. Dort exis­tie­ren How-to‘s mit tech­ni­schen An­wei­sun­gen zur An­bin­dung neu­er Mo­du­le an die vor­han­de­nen Schnitt­stel­len. Um­fang­rei­che Do­ku­men­ta­tio­nen mit De­tails zu Struk­tur und Auf­bau der je­wei­li­gen Schnitt­stel­le sind hier eben­falls ein­seh­bar. Die Mehr­heit der im Rah­men der Stu­die be­frag­ten Platt­form­an­bie­ter stellt auch Vi­de­os und Tu­to­ri­als zu den Platt­for­men zur Ver­fü­gung. Eben­falls häu­fig an­zu­tref­fen sind Wi­kis, mit de­nen die Ent­wick­ler ihr Wis­sen mit­ein­an­der tei­len kön­nen. Je nach An­bie­ter kom­men noch um­fang­rei­che FAQs, ein Test­sys­tem für die ge­ne­rier­ten APIs oder ein Com­mu­ni­ty Tab zur För­de­rung des Aus­tauschs un­ter den Ent­wick­lern hinzu.

Unterstützungsangebote in den Entwicklungsportalen
Unterstützungsangebote in den EntwicklungsportalenPPI

Zugangsregelung über Registrierungsprozess

Neben der oben beschriebenen Unterstützung dienen die Entwicklerportale auch dem Schutz der offenen Schnittstellen. Entwickler können erst auf die hier vorhandenen Tools und Informationen zugreifen, wenn sie einen Registrierungsprozess durchlaufen haben. Diese Limitierung kontrolliert den möglichen Zugang zum Ökosystem der Bank und garantiert die sichere Nutzung. Außerdem sehen alle Anbieter eine Rollenvergabe innerhalb des Portals vor, die die Lese- und Anpassungsrechte des Benutzers abhängig von Entwicklungsstand der API und vertraglichen Gegebenheiten beschränkt. Das vereinfacht und zentralisiert das Partnermanagement, garantiert die Einhaltung der Sicherheitsstandards und schützt die Kundendaten. Eine finale Prüfung der entwickelten Module durch den Plattformbetreiber ist obligatorisch.

Entwicklungsunterstützung

Autor Florian Hartmann, PPI
Florian Hartmann ist Senior Consultant Banken mit Schwerpunkt Digital Banking bei PPI (Webseite). Er ist seit mehr als zehn Jahren in der Finanzdienstleistungsbranche tätig. Seine Beratungsschwerpunkte liegen im Bereich der Prozessoptimierung und -digitalisierung sowie in den Themen Brokerage und Baufinanzierung.

Zur Prozessoptimierung und Unterstützung der Entwickler bieten die Plattformanbieter diverse Tools an. Unter anderem stellen sie Software Development Kits zur Verfügung. Dabei handelt es sich um Sammlungen hilfreicher Ressourcen, wie zum Beispiel Dokumentationen, Programmierwerkzeuge und Bibliotheken, welche die Entwicklung gegen die APIs vereinfachen sollen.

Java als Pro­gram­mier­spra­che ist hier die Re­gel, zu­sätz­lich wird zu­meist Ja­va­Script oder Py­thon un­ter­stützt. Durch mo­der­ne, auf gra­fi­schen Be­nut­zer­ober­flä­chen (eng­lisch: Gra­phi­cal User In­ter­faces, GU­Is) auf­set­zen­de Pro­gram­mier­tools, kann die Ent­wick­lung ei­ner An­wen­dung auch oh­ne die Nut­zung her­kömm­li­cher Pro­gram­mier­spra­chen rea­li­siert wer­den.“

Mit ei­ner Aus­nah­me exis­tie­ren ent­spre­chen­de Mög­lich­kei­ten bei al­len un­ter­such­ten Open-Banking-Portal-An­bie­tern. No-Code-De­ve­lop­ment setzt kom­plett auf GU­Is und ver­wen­det über­haupt kei­ne her­kömm­li­chen, text­ba­sier­ten Pro­gram­mier­spra­chen. Bei Low-Code-De­ve­lop­ment hin­ge­gen wird nicht ganz dar­auf ver­zich­tet. Da­bei wird durch Ein­satz gra­fi­scher Me­tho­den der Ent­wick­lungs­auf­wand ver­rin­gert, oh­ne je­doch voll­stän­dig auf text­ba­sier­te Pro­gram­mier­spra­chen zu ver­zich­ten. Die Kom­bi­na­ti­on aus GUI und her­kömm­li­chen Ent­wick­lungs­we­gen er­höht den er­reich­ba­ren De­tail­lie­rungs­grad ei­ner An­wen­dung. Ne­ben No-Code/Low-Code ste­hen, je nach An­bie­ter, auch wei­te­re Tools wie Frame­works und API-De­si­gner zur Verfügung.

Sandboxen ermöglichen Tests unter produktionsnahen Bedingungen

Autor Georgios Volovotsis, PPI
Expertew für Open-Banking-Plattformen: Volovotsis Georgios, Consultant Banken bei PPIGeorgios Volovotsis ist Consultant Banken mit Schwerpunkt Digital Banking bei PPI (Webseite). Er ist seit fünf Jahren in der Finanzdienstleistungsbranche tätig. Seine Beratungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Electronic Business und Sales & Customer Management.

Zur Op­ti­mie­rung des In­te­gra­ti­ons- und Test­pro­zes­ses kön­nen den Ent­wick­lern auch De­ve­l­oper Sand­bo­xes zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den. Die­se sind ein iso­lier­ter Be­reich, in dem pro­duk­ti­ons­ähn­li­che Ge­ge­ben­hei­ten nach­ge­stellt sind. Hier­durch kön­nen Soft­ware­tests un­ter Re­al­be­din­gun­gen lau­fen. Es han­delt sich hier­bei um ei­ne ge­schlos­se­ne Testumgebung.

Fazit

In der Ge­samt­schau wird klar, dass die An­bie­ter al­les da­für tun, die Ent­wick­lung ge­gen die Schnitt­stel­len ih­rer Platt­form so ein­fach wie mög­lich zu hal­ten. Dies ent­spricht ganz der Markt­ent­wick­lung, denn da­mit wird auch die Ent­wick­lung bran­chen­frem­der Mo­du­le für Dritt­an­bie­ter im Rah­men ei­ner Bey­ond Ban­king Stra­te­gie deut­lich ein­fa­cher und at­trak­ti­ver. Denn auch wenn die be­reits auf den Platt­for­men ver­füg­ba­ren Mo­du­le vor­wie­gend aus dem Be­reich der klas­si­schen Bank­pro­duk­te kom­men, sind doch ers­te Ten­den­zen dar­über hin­aus er­kenn­bar. So exis­tie­ren ers­te di­gi­ta­le Steu­er­be­ra­ter ge­nau­so wie Ver­si­che­rungs-, Ver­trags- und Gut­schein­ma­na­ger. Da die tech­ni­schen Vor­aus­set­zun­gen vor­han­den sind, dürf­te die An­zahl der ver­füg­ba­ren Mo­du­le von Dritt­an­bie­tern in den kom­men­den Jah­ren deut­lich stei­gen und dem Er­folg von Open Ban­king in die­ser Hin­sicht nichts im Weg stehen.Florian Hartmann und Georgios Volovotsis, PPI

 
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