PRODUKTE2. August 2021

Paypal stellt „Sammelbüchse“ Moneypool ein – das sind die Alternativen

bigtunaonline/bigstock.com

Paypal stellt Moneypool, den beliebten Dienst zum Geld­ein­sammeln, im Herbst ein. Ab Ende September lassen sich keine neuen Moneypools mehr anlegen, spätestens 30 Tage später sollen die bereits bestehenden digitalen Sammelbüchsen auslaufen. Das teilte des Unternehmen heute seinen Mitgliedern mit. Über die Gründe für den Schritt schweigt das Unternehmen sich aus, es gibt aber Vermutungen.

Moneypool war eine einfache aber effektive Möglichkeit, beispielsweise für ein gemeinsames Geschenk oder einen gemeinsamen Ausflug Geld einzusammeln. Die Administration war einfach: Der Initiator richtete den Pool ein und jede Person, die Geld beisteuern wollte, konnte das über die App oder Website tun und vom eigenen Paypal-Konto Geld zuschießen.

Jetzt macht Paypal Schluss mit dem erst 2017 gestarteten Feature – und zwar nicht nur in Deutschland oder der EU, sondern weltweit. Neue Moneypools sollen sich noch bis zum 30. September einrichten lassen, danach ist es nur noch möglich, die bestehenden weiter zu nutzen – das dann aber auch nur für 30 Tage. Schon ab sofort sollen neu eingerichtete Moneypools nur noch für 30 Tage möglich sein. Spätestens am 30. Oktober sollen die letzten Pools geschlossen werden, zum 8. November wird der Dienst dann komplett deaktiviert, wie das Unternehmen erklärt.

Geld, das bis dahin nicht eigenständig durch den Nutzer auf dessen Paypal-Konto verschoben werde, überträgt Paypal offenbar automatisch dorthin, es verfällt also nicht. Was aber oftmals mindestens ebenso wichtig ist: Kunden können dann zu einem ehemaligen Moneypool nicht mehr sehen, wer was beigetragen hat.

Paypal will sich auf andere Dienste zum Geldsammeln fokussieren

Paypal sagt zu den Hintergründen nicht viel – lediglich, dass man sich auf andere Services und Workflows beim Geld einsammeln konzentrieren wolle. Am einfachsten dürfte es also in Zukunft für Kunden sein, Geld über den Paypal.me-Service anzufordern und seitens des Zahlenden dorthin zu transferieren. Das ist allerdings stets mit einer direkten Zahlung auf das Konto des Empfangenden verbunden, nicht in dieser Sonderkasse möglich. Man muss hier also zusätzliche Vorkehrungen treffen, um entsprechende gesonderte Pools zu führen.

Paypal

Dennoch lässt sich zu den Gründen aber einiges vermuten. Demnach galten Beträge, die man per Moneypool erhielt, schon in der Vergangenheit als persönliche Zuwendung, eine Art „Treuhandkonto“ war somit nicht möglich. Man konnte aber auch wählen, dass die Contributor-Angaben anonym blieben – allerdings nur als Initiator eines Moneypools. Und das Geld blieb dennoch in einer Art Extrakasse, auch wenn es faktisch jederzeit dem Initiator oder Empfänger zuzurechnen war. Und diese Art Extrakasse könnte, so formuliert es ein Rechtsexperte auf Nachfrage von IT-Finanzmagazin, in Hinblick auf das Geldwäschegesetz schon schwierig sein. Dennoch sind in diesem Fall ja sämtliche Beteiligten durch ihre Registrierung und ihr Paypal-Konto bekannt. Hinzu kommt: Auch wenn die juristische Situation einigermaßen klar ist, bleibt im Streitfall Konfliktpotenzial – und das dürfte Paypal scheuen.

In der Vergangenheit Konten wegen Spenden eingefroren

Im Internet finden sich reichlich Fälle, in denen die Moneypool-Funktion für das Einsammeln von Spenden genutzt worden war, was ausdrücklich nicht vorgesehen ist. Ähnlich wie bei zahlreichen anderen Betrugsfällen, bei denen Paypal-Nutzer überredet werden, Geld für Transaktionen mit Fremden (etwa Käufen über Kleinanzeigenportale im Netz) als Transfer unter „Freunden und Bekannten“ laufen zu lassen, war der Moneypool-Dienst ohnehin immer nur für Transaktionen ohne Käuferschutz vorgesehen.

Doch viele Kunden glauben offenbar noch immer, per Paypal gezahltes Geld ohne Weiteres zurückbekommen zu können. Es sind etliche Fälle bekannt, in denen Paypal Geld aus Spendenaktionen eingefroren und Konten vorläufig oder dauerhaft gesperrt hat. Wahrscheinlich war der damit verbundene Fraud-Anteil dem Unternehmen auf die Dauer doch zu arbeits- und kostenaufwändig.

Insbesondere bei kleineren Beträgen könnten die Transaktionen, verbunden mit der hohen Reklamationsquote und den rechtlichen Risiken zum Problem geworden sein. Denn Spenden zu sammeln, erfordert in unterschiedlichen Ländern eine Lizenz oder Erlaubnis und ist auch in Deutschland aus gutem Grund reglementiert.

Alternative außerhalb der Paypal-Welt kaum zu finden

Die Leidtragenden sind dagegen diejenigen, die im Freundes- oder Kollegenkreis die beliebte Funktion genutzt haben und beispielsweise gerade in der Corona-Zeit so auf einfache Weise, ohne sich persönlich zu treffen, Geld für Kollegengeschenke zu Geburtstag, Hochzeit oder Geburt organisieren konnten. Infolge dessen finden sich auch etliche Stimmen im Internet, die den heute bekanntgewordenen Schritt Paypals bedauern und teilweise sogar erklären, deswegen ihr Konto schließen zu wollen. Unklar ist, welche alternativen Dienste Paypal hier im Sinn hat, die das eingestellte Feature ersetzen können; der Paypal.me-Dienst ist hier jedenfalls in der aktuellen Ausprägung kein adäquater Ersatz.

Alternativen zu Moneypool gibt es zwar in Form von Leetchi, gemeinsamen Vereinskassen in den Spaces bei N26 oder Vivid Money, aber eben jeweils nur unter der Voraussetzung, dass alle Beteiligten dort ein Konto haben. Letzten Endes ist daher aufgrund der weiten Verbreitung von knapp 30 Millionen Paypal-Konten in Deutschland kaum eine Alternative für das gemeinsame Einsammeln denkbar. Hier könnte die DK mit der gemeinsamen Dachmarke Giropay sicher noch einen passenden Dienst beisteuern, der über die bisherigen dort vorhandenen Lösungen hinausgeht.tw

 
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