INTERVIEW SWK BANK12. Mai 2020

Prozesse: „Eine möglichst vollständige Automatisierung wird sich bei klassischen Ratenkrediten durchsetzen“

SWK Bank will schlanke und volldigitale Prozesse
SWK Bank, Bingen am RheinSKW Bank

Die SKW Bank ist immer für Überraschungen gut: vollständige Dunkelverarbeitung von Krediten, optisch schickes Kernbanksystem und die papierlose Bank. Zeit für ein Gespräch. Dazu haben wir die drei Geschäftsführer (Matthias Brandes, Ulf Meyer und Michael Moschner) befragt.

Herr Brandes, warum muss ein Kernbank-System eine schicke GUI haben?

Unsere Mitarbeiter im Bereich Einlagen- und Kreditservice arbeiten fast ausschließlich auf Oberflächen dieser Art. Auch sind sie aus ihrem privaten Umfeld gewohnt, dass digitale Oberflächen einfach und intuitiv zu bedienen sind.

Wir glauben daher, eine benutzerfreundliche GUI ist sowohl für die dauerhafte Mitarbeiterzufriedenheit als auch zur Gewährleistung einer schnellen Einarbeitung neuer Mitarbeiter essenziell.“

Zudem ermöglicht sie eine schnelle Bearbeitung von Kundenanfragen und Kreditauszahlungen.

Sind denn Ihre Mitarbeiter so jung?

Michael Moschner, SWK Bank<q>SWK Bank
Michael Moschner, SWK BankSWK Bank

Moschner: Unsere Mitarbeiter sind im Schnitt 32 Jahre jung. Aber auch die Älteren unter uns sind digital-affin und verfügen über ein entsprechendes Mindset. Durch diese Mischung von Digital Natives und erfahrenen Kolleginnen und Kollegen kommt es übrigens bei der SWK Bank zu einem wertvollen Erfahrungstransfer – so entstehen innovative Prozesse.

Sie bieten die Kreditvermittlung als White-Label-Lösung an. Aber ist die SWK dafür nicht ein wenig klein?

Meyer: Nein. Unsere Stärke liegt gerade in der überschaubaren Unternehmensgröße, die sich zurzeit auf rund 180 Mitarbeiter beläuft. Sie versetzt uns in die Lage, Projekte agil und schnell aufzusetzen und abzuwickeln. So haben wir heute bereits für mehr als ein Dutzend namhafter Banken und Finanzdienstleister das Kredit- und Einlagengeschäft mit einem Volumen von mehr als 25 Milliarden Euro abgewickelt.

Zurück zur Technik: Welche Rolle spielen Cloud- und Microservices in Ihrem Kreditvermittlungs-Prozess

Matthias Brandes, SWK Bank<q>SWK Bank
Matthias Brandes, SWK BankSWK Bank

Brandes: Eine große Zahl unserer Prozesse haben wir bereits als Baukasten-System aufgesetzt. Das macht uns flexibel und schnell. Darüber hinaus bedienen wir uns leistungsfähiger Dienstleister und stellen so stets die optimale Lösung bereit; auch Microservices werden zur Steigerung der User-Experience genutzt.

Meyer: Unsere neue Webseite, die im März live gegangen ist, basiert bei den Antragsstrecken auf einem selbst entwickelten technologischen Baukastensystem. Dieses ermöglicht es uns, schnell veränderte Antragsstrecken für neue eigene Produkte aber auch für unsere Partner zu erstellen.

Stichwort: Dunkelverarbeitung für Kredite? Wie geht das?

Moschner: Bereits seit Mitte der 2000er erfolgt die Vorprüfung bei uns automatisiert in Realtime, also bereits in Dunkelverarbeitung. Eine der Herausforderungen bei der Dunkelverarbeitung war bisher die Angabe falscher Daten durch den Endkunden, ob bewusst oder unbewusst. Mit der Möglichkeit des digitalen Kontoauszug-Checks gehört das der Vergangenheit an: Seit 2017 können wir bereits Kredite vollständig dunkel verarbeiten. Da nicht alle Kunden diesen vollständig digitalen Weg gehen wollen und es Ausnahmefälle gibt, bei denen dies nicht möglich ist, bieten wir daneben den klassischen Weg der Kreditvergabe an.

Brandes: Für die Zukunft sehen wir jedoch einen starken Zuwachs bis hin zur vollständigen Ablösung manueller Prüf- und Verwaltungsprozesse.

Eine möglichst vollständige Automatisierung ist in anderen Wirtschaftsbereichen und -Prozessen bereits Standard und wird sich auch im Bereich der klassischen Ratenkredite durchsetzen.“

Das klingt alles sehr nach RPA. Wie komplex ist Ihre Fallentscheidung?

Brandes: RPA bezeichnet die automatisierte Abarbeitung händischer Prozesse und wird vornehmlich genutzt, um veraltete IT-Systeme doch noch zu automatisieren. Wir als SWK Bank haben den Vorteil, dass unsere IT-Landschaft deutlich jünger ist als die der klassischen Banken. Zudem schauen wir bei neuen Produkten immer aus der Kundensicht und vermeiden es, Altprozesse zu verbiegen. So stützen sich unsere digitalen Prozesse in der Regel auf leistungsfähigere Schnittstellen als RPA-Scripte.

Ulf Meyer, SWK Bank<q>SWK Bank
Ulf Meyer, SWK BankSWK Bank

Meyer: Um ein sehr einfaches und verständliches Beispiel aufzuführen: In der Vergangenheit haben wir unsere Kunden gefragt, ob sie Kinder haben und Kindergeld erhalten, heutzutage können wir in unseren digitalen Prozessen heraus diese Informationen einfach aus den Umsatzdaten lesen.

Moschner: Durch umfassende Datenanalyse unserer abertausenden Kreditauszahlungen sind wir heute zudem in der Lage, schon im Vorfeld Muster zu erkennen, die auf niedrige beziehungsweise hohe Betrugswahrscheinlichkeit bzw. auf Bonitätsschwächen hindeuten. Das gestattet uns, ganz gezielt auswählen zu können, welche Kredite doch noch händisch geprüft werden sollten.

Schaut dann gar kein Mensch mehr über die Ablehnungen?

Moschner:

Doch. Wir schauen uns automatisierte Ablehnungen sogar gezielt an und analysieren sie sorgfältig. Dies wird auch zukünftig notwendig sein, um unsere Maschinen zu trainieren und die Risikoprozesse zu verbessern und keinen Umsatz zu verlieren.“

Und das ist alles völlig papierlos?

Moschner: Zum Glück. Gerade die Coronakrise zeigt, wie praktisch Digitalisierung ist: Unsere Kunden sind gerade jetzt besonders dankbar, dass wir konsequent auf digitale Prozesse setzen.

Meyer: Unsere Festgeldkonto-Eröffnung findet generell zu 100 Prozent digital und ohne jegliches Papier und ohne Unterschrift statt. Dank der Videolegitimation brauchen unsere Neukunden ihr Haus nicht zu verlassen. Im Kreditbereich ist aus regulatorischen Gründen jedoch eine Unterschrift erforderlich. Aber auch hier bieten wir mit einer Videolegitimation in Kombination mit einer elektronischen Signatur bereits seit mehreren Jahren eine vollständig digitale Lösung an. Die notwendigen Nachweisunterlagen können ebenfalls sicher elektronisch übermittelt werden.

Sie sind nun seit zwei Jahren mit der Goodfinance im Schweizer Markt aktiv. Wie bewerten Sie das Geschäft dort?

Meyer: Unser Einstieg in den Schweizer Markt war nach anfänglichen Kinderkrankheiten ein voller Erfolg. Würde es sich um ein klassisches Startup handeln, wären jetzt die nächsten Finanzierungsrunden gesichert und eine Bewertung im mittleren zweistelligen Millionenbereich realistisch. Wir können den Ausbau aber mit eigenen Mitteln und Aktivitäten gut stemmen.

Werfen wir kurz einen Blick auf andere Unternehmen, für die Sie tätig sind, beispielsweise auxmoney. Wie hat sich das Geschäft mit Drittbanken insgesamt die letzten Jahre entwickelt?

Meyer: Wir sind kontinuierlich gewachsen und haben weitere Kooperationen hinzugewonnen. Auch unsere Partner konnten kräftig hinzugewinnen.

Die SWK Bank ist auf Online-Kredite (wie z. B. der Couchkredit) spezialisiert. Sehen Sie, dass ihre Umsetzung von anderen Banken kopiert werden oder kaufen Banken die Lösungen bei Ihnen lieber ein? Wenn ja, welche?

Brandes: Sowohl als auch. Sicherlich gibt es kreative Ideen, die einen hohen Mehrwert für die Endkunden darstellen und vermeintlich gleichzeitig leicht zu kopieren sind. Betrachtet man allerdings das gesamte Umfeld, sind unsere Lösungen allerdings deutlich komplexer und sind nicht mehr einfach zu kopieren. Deswegen kaufen Banken im Regelfall den kompletten Antrags- und Bewertungsprozess ein – oft auch Leistungen im Bereich des Kundenservice.

Nun stecken Sie ja bereits seit Jahrzehnten in der Digitalisierung. Gibt es da noch Neues? Erwarten Sie jetzt noch Entwicklungssprünge? Oder war es das im Wesentlichen?

Brandes: Die Digitalisierung hat bereits die Bearbeitung vieler Prozesse stark beschleunigt und vereinfacht. So können etwa unsere Kunden ihren Kreditantrag fallabschließend in der Mittagspause erledigen, indem Sie unsere volldigitalen Prozesse nutzen.

Wir sind ebenfalls in der Lage, diese Anträge taggleich zu bearbeiten, so dass unsere Kunden im Regelfall bereits innerhalb von 48 Stunden über ihren Kreditbetrag verfügen können. Sicherlich wird sich dieser Zeitraum mit Hilfe von Instant Payment noch auf wenige Sekunden verkürzen lassen.“

Der Mehrwert hiervon erscheint im ersten Moment gering, im Vergleich zum Vorteil, den ein Zeitfenster von 2-3 Tagen gegenüber den damals üblichen 4-6 Wochen Bearbeitungszeit bei so mancher stationären Bank hatte.

Spannend wird es jedoch, wenn man sich konkrete Einsatzbereiche anschaut, wie zum Beispiel den Autokauf. So wird es zukünftig möglich sein, den Kredit gewissermaßen just-in-time aufzunehmen: Man sucht sich beim privaten Autokauf vor Ort sein Wunschauto aus und erst wenn man sich entschieden hat, nimmt man den Kredit auf. Der Kreditbetrag respektive der Kaufpreis wird im selben Moment an den Verkäufer transferiert. Wir erwarten also noch viele Neuerungen dieser Art, wenn auch die meisten davon für uns heute vermutlich noch wenig vorstellbar sind.

Kann man künftig über digitale Prozesse noch einen signifikanten Wettbewerbsvorteil erlangen? Was könnte das zum Beispiel sein?

Brandes: Ich denke Ja. Das Digitalisierung wichtig und erfolgsentscheidend ist, ist bereits vor einem Jahrzehnt in vielen Vorstandsetagen angekommen.

Viele Unternehmen – insbesondere Banken – tun sich aber sehr schwer, diese Erkenntnis in Projekte und Maßnahmen umzusetzen. Dadurch werden Produkte und Services häufig nicht „digitalisiert“, sondern bekommen zum Endkunden lediglich eine „digitale Oberfläche“.“

Hier wurde in den letzten Jahren viel Geld versenkt, ohne wirklich digitaler zu werden. Beispiele hierfür sind für mich die zahlreichen Online-Services, hinter denen aber in der Folge eine ganz normale, manuelle Bearbeitung steckt,

Meyer: Auch im Kreditbereich ist eine solche Entwicklung denkbar, vorausgesetzt die digitalen Prozesse und Produkte sind nicht nur digital um ihrer selbst willen, sondern bieten einfache Lösungen für ein zentrales Kundenproblem.

Vielen Dank für das Interview – und weiterhin viel Erfolg.aj

 
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