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MEINUNG25. Juli 2017

PSD2/Screen Scraping: Thomas Widmann (CEO Widas­Concepts) schlägt Über­gangs­zeit von 6-9 Monaten vor

Thomas Widmann, Gründer und CEO der WidasConceptsWidasConcepts

Um die PSD2 – genauer das Verbot von Screen Scraping, selbst wenn die Bank keine API anbietet – entbrennt ein wilder Expertenstreit. Nun meldet sich Thomas Widmann (CEO WidasConcepts) zu Wort und findet: Die neue Richtlinie biete Chancen für Drittanbieter und Banken.

Screen Scraping ist seit einigen Jahren eine etablierte Technologie, mit der FinTechs und andere Drittanbieter – so genannte Third Parties – auf die Kontodaten ihrer Kunden zugreifen. Das Verfahren birgt jedoch Sicherheitsrisiken, meint Thomas Widmann, denn der Kunde lege sicherheitsrelevante Daten bei dem Anbieter ab, der Screen Scraping durchführt. Sie gingen damit, seiner Meinung nach, ein großes Risiko ein.

Gesicherte Schnittstellen sind eine Investition in die Zukunft

Zwar seien die Befürchtungen und Beanstandungen der Third Parties auf den ersten Blick nachvollziehbar, insbesondere was Investitionsschutz angeht. Gleichermaßen ist anzuerkennen, dass die EBA mit PSD2 und weiteren Maßnahmen die Grundlagen schafft, durch die über gesicherte Schnittstellen mit expliziter Einwilligung der Kunden und sicheren Zugängen ein deutlich verbessertes Konzept umsetzbar wird.

Die nach der neuen Richtlinie gestalteten Schnittstellen sind wesentlich stabiler, als Screen Scraping je sein kann. Das Thema Investitionsschutz ist damit auch differenziert zu betrachten: Die Software-Wartungskosten sind bei einer dauerhaften Schnittstelle auch für FinTechs niedriger als beim Screen Scraping. Hier müssen immer wieder Anpassungen gemacht werden, um die Kontodaten der Nutzer auszulesen – etwa dann, wenn Banken ihre Websites neu gestalten und diese dann ganz anders aufgebaut sind.

Sicherer ist besser: FinTechs sollten Standards mitgestalten

Autor Thomas Widmann, WidasConcepts
Thomas Widmann, Gründer und CEO der WidasConcepts, absolvierte sein Studium in Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft. Nach seinem Abschluss arbeitete er mehrere Jahre als Projektmanager und IT-Architekt bei namhaften Unternehmen im Finanzwesen. Widmann ist Autor zahlreicher Fachbeiträge sowie Sprecher auf IT-Konferenzen.
Die Erfahrung aus modernen Customer-Identity-Management-Lösungen zeigen, dass diese zum Schutz der Kundeninformationen eine fortschrittlichere, weil sichere Alternative darstellen. Hier können langzeitgespeicherte Kundennummern und PINs nicht mithalten. Der vermeintliche Investitionsschutz der Third Parties steht an dieser Stelle den Themen Security und PSD2 gegenüber. Hier wird schnell deutlich: Das Bessere ist des Guten Feind. Customer-Identity-Management-Lösungen wie cidaas bieten als technische Standardverfahren zur Autorisierung OAuth2 und OpenID: Einheitliche Standards, die von allen Banken genutzt werden sollten. Bank-APIs sollten zudem konvergent für alle Banken sein. Bisher hat die EBA diesbezüglich noch keinen Standard benannt, De-facto-Standards können an dieser Stelle etabliert werden. Eine wahrhaftige Chance für Drittanbieter und FinTechs: Sie haben das Know-how und die Möglichkeiten, diesen De-facto-Standard mitzuprägen. Denn Third Parties werden künftig ein starkes Gewicht haben, wenn es um Kundenzufriedenheit und Customer Experience geht.

Übergangszeit könnte Sinn machen

Mit einer Übergangszeit von 6 bis 9 Monaten im Fall des Verbots von Screen Scraping gelänge es sicher allen Beteiligten, sich auf die neuen Richtlinien und Standards einzustellen und Profit daraus zu ziehen.

 
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https://www.it-finanzmagazin.de/?p=54190
 
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