STRATEGIE11. Dezember 2019

Nikolai Stankau, Red Hat: „Automatisierung ist der Schlüssel für die operative Effizienzverbesserung“

Nikolai Stankau, Director Business Development, EMEA FSI bei Red HatRed Hat

Steigender Wettbewerbsdruck zwingt fast jedes Unternehmen, seine operative Effizienz zu erhöhen. Auch der Ban­ken­sek­tor bil­det da­bei kei­ne Aus­nah­me. Ein ent­schei­den­der He­bel ist die Automatisierung so­wohl im IT- als auch im Busi­ness-Umfeld.

von Nikolai Stankau, Director Business Development, EMEA FSI bei Red Hat

Nach wie vor stehen Finanzinstitute vor der Herausforderung, drei teilweise divergierende Ziele unter einen Hut zu bringen: das Vorantreiben von Innovationen, die Kostenkontrolle und die Einhaltung regulatorischer Anforderungen. Zwingend erforderlich ist dafür in aller Regel eine Anpassung und Verbesserung der operativen Effizienz. Und der entscheidende Hebel dafür ist die Automatisierung.

Die operative Effizienz in Finanzinstituten wird bisher durch eine Reihe unterschiedlicher Faktoren beeinträchtigt. Dazu zählen die hohe Anzahl von Transaktionen, neue oder sich permanent ändernde Vorschriften, umständliche manuelle Prozesse oder uneinheitliche Fraud-Detection-Systeme. Mit Automatisierung kann ein Institut diese Herausforderungen bewältigen. Sie unterstützt zum Beispiel eine schnelle und konsistente Abwicklung von Transaktionen anhand festgelegter Geschäfts- oder Regulierungsrichtlinien, die Beseitigung manueller Tätigkeiten oder die beschleunigte Entscheidungsfindung bei potenziell verdächtigen Aktivitäten.

Red Hat Ansible Automation
Automatisierung Eine um­fas­sen­de En­t­er­pri­se-Gra­de-Lö­sung für den Auf­bau und Be­trieb von Au­to­ma­ti­sie­rung bie­te Red Hat mit Red Hat An­si­ble Au­to­ma­ti­on (Website). Kern­kom­po­nen­te des Au­to­ma­ti­sie­rungs­pro­zes­ses sei Red Hat An­si­ble Tower. Mit­tels REST­ful APIs und ei­nem Self-Ser­vice-Por­tal sei die Lö­sung in vor­han­de­ne Tools und Pro­zes­se zu in­te­grie­ren und da­mit für den über­grei­fen­den Ein­satz im Un­ter­neh­men ge­eig­net. Red Hat An­si­ble Tower bie­te ne­ben der Au­to­ma­ti­sie­rung kom­ple­xer Work­flow-Sze­na­ri­en un­ter an­de­rem ei­ne zen­tra­le Ver­wal­tung von In­ven­to­ry, Play­books und Creden­ti­als, ei­ne rol­len­ba­sier­te Zu­griffs­kon­trol­le und ei­nen kom­plet­ten Au­dit-Trail.

Zentrales Lö­sungs­merk­mal ist der Mo­dul-Auf­ruf über Play­books, die in der leicht ver­ständ­li­chen Spra­che YAML ge­schrie­ben wä­re. Ein Play­book be­steht aus ei­ner Lis­te von Tasks, wel­che die An­si­ble En­gi­ne in­ter­pre­tiert und aus­führt. Je­der Task ruft ein Mo­dul auf, das ge­kap­selt die ei­gent­li­che Pro­gramm­lo­gik ent­hält – ent­wi­ckelt in Py­thon, PowerS­hell oder ei­ner an­de­ren hö­he­ren Pro­gram­mier­spra­che. Die Aus­füh­rungs-En­gi­ne ent­hält Hun­der­te von Mo­du­len, mit de­nen Ent­wick­ler, In­ge­nieu­re oder Play­book-Pro­gram­mie­rer Rou­ti­ne­auf­ga­ben ein­fach und schnell au­to­ma­ti­sie­ren können.

Gerade auch im Risikomanagement kann mittels Automatisierung die betriebliche Effizienz signifikant verbessert werden. Ständig wechselnde Marktbedingungen und regulatorische Anforderungen beeinträchtigen bisher die Fähigkeit von Instituten, schnell zu handeln. Zudem sind die von riesigen Datenmengen abhängigen Preis- und Risikokalkulationen zeitaufwändig; sie verlangsamen damit auch Geschäftsprozesse. Eine prozessorientierte, automatisierte Steuerung des Risikomanagements schafft hier einen entscheidenden Effizienzgewinn.

Nicht zuletzt profitieren Risikoanalysten von der Automatisierung. Sie können damit Geschäftsregeln schnell und effektiv ändern, auf Daten aus verschiedenen Quellen zugreifen und komplexe, rechenintensive Berechnungen mit großen Datenmengen durchführen.

Business-Automation ist der erste Hebel

Doch was muss eine Lösung für die Automatisierung von Geschäftsprozessen und -entscheidungen konkret bieten? Zunächst sollte sie Technologien für Business Process Management (BPM), Business Rules Management (BRM) und Complex Event Processing (CEP) enthalten. Auch eine Konformität mit Standards für das Prozess- und Entscheidungsmanagement wie Decision Model and Notation (DMN) sollte gegeben sein. Mit der Automatisierungslösung müssen Anwender Geschäftsrichtlinien und -verfahren erfassen und Anwendungen erstellen können, die den Geschäftsbetrieb automatisieren. Idealerweise sind auch benutzerfreundliche grafische Tools enthalten, die die Zusammenarbeit zwischen IT- und Geschäftsanwendern fördern und einen detaillierten Überblick über die Regeln und Verfahren für Geschäftsanwendungen bieten. Wichtig sind auch Application Programming Interfaces (APIs), die eine einfache Integration mit anderen IT-Anwendungen unterstützen.

Eine umfassende Zusammenstellung einfach zu bedienender Hilfsmittel für das Prozess- und Entscheidungsmanagement sollte den gesamten Prozesslebenszyklus abdecken – von der Modellierung, Simulation und Tests bis hin zur Bereitstellung, Überwachung und Optimierung. Von Vorteil ist, wenn Prozess- und Entscheidungslogik gemeinsam modelliert und automatisiert werden können, ohne dass mehrere Tools erlernt oder kundenspezifische Integrationen zwischen unterschiedlichen Umgebungen konzipiert werden müssen. Prinzipiell sollte eine Automatisierungslösung leistungsstarke Prozess- und Regelmodule, anwenderfreundliche Tools und ein standardbasiertes Repository für Definitionen von Geschäftslogik umfassen.

Nikolai Stankau, Red Hat
Nikolai Stankau ist bei Red Hat für das Financial Services Business Development in EMEA verantwortlich und unterstützt die Einführung von Open-Source-Technologien auf dem Finanzdienstleistungsmarkt, insbesondere in Bezug auf Open Banking, Operational Efficiency und Hybrid-Cloud-Lösungen. Einer seiner Schwerpunkte ist die Unterstützung globaler Systemintegratoren bei der Nutzung von Red-Hat-Technologien zum Aufbau von Finanzdienstleistungen und -lösungen.

Eine moderne Automatisierungslösung zeichnet sich darüber hinaus durch eine KI-Funktionalität aus, die bei der automatisierten Entscheidungsfindung unterstützt. Die „Predictive Analytics“-Nutzung in der Business-Automation schafft eine wichtige Basis, um schneller auf Marktveränderungen reagieren zu können.

IT-Automatisierung ist der zweite Hebel

Abgesehen von der Business-Automatisierung ist auch die IT-Automatisierung für die Verbesserung der operativen Effizienz von Bedeutung. Sie reduziert manuelle Tätigkeiten an IT-Systemen und automatisiert sich wiederholende Prozesse, beispielsweise kann die Provisionierung neuer Systeme oder virtueller Maschinen automatisiert werden.

Bei der Lösungsauswahl sollte darauf geachtet werden, dass eine integrierte Plattform für die Automatisierung von IT-Prozessen gewählt wird. Das heißt, sie muss Prozesse über IT-Infrastrukturkomponenten hinweg automatisieren. Eine Komponenten-übergreifende Automatisierungsplattform spannt den Bogen über Server, Storage-Geräte, Netzwerk-Devices, Services, Container und Clouds. Dadurch lassen sich erhebliche Kosten im Workflow-Management einsparen. Außerdem sinken der Zeitbedarf und die Fehleranfälligkeit. Insellösungen, wie sie in Unternehmen im Einsatz sind, bieten diese Vorteile nicht. Status quo ist aber vielfach immer noch, dass Admins automatisieren, indem sie ihre „Lieblingsinsellösungen“ nutzen: Shell Scripts, Interpreter-Sprachen oder ein automatisches Konfigurationsmanagement. Eine durchgängige Automatisierung ist mit solch einem Ansatz nicht zu realisieren.

Nicht zuletzt sollte ein Finanzinstitut bei der Entscheidung für eine Automatisierungssoftware auch die weitere IT-Entwicklung im Auge behalten: vor allem auch die verstärkte Private- und Public-Cloud-Nutzung im Hinblick auf die verschiedenen digitalen Plattformen innerhalb der Bank. Im Trend liegt dabei zum Beispiel das Serverless Computing, das auch direkte Auswirkungen auf die Wahl der Automatisierungslösung hat. Sie sollte also auch in einer Umgebung einsetzbar sein, in der keine Schnittstellen existieren oder erst aufwändig erstellt werden müssen. Hierfür bieten sich Lösungen an, die auf die Automatisierung ganzer Geschäftsprozesse und nicht einzelner Server abzielen, etwa Enterprise-Frameworks zur Automatisierung von IT-Prozessen, die nicht um Nodes, sondern um Jobs herum aufgebaut sind.

Finanzdienstleistungsunternehmen haben eine Vielzahl von Problemen und Herausforderungen, mit denen sie tagtäglich konfrontiert sind, darunter die IT-Modernisierung und die schnelle Reaktion auf veränderte Markt- und Kundenanforderungen – und alles unter der Prämisse, die Kosten niedrig zu halten. Ein unverzichtbarer Hebel dafür ist die Erhöhung der betrieblichen Effizienz. Und dafür wiederum sind IT-Automation und Business-Automation unverzichtbar.Nikolai Stankau, Red Hat

 
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