STRATEGIE14. Oktober 2020

Sechs Erfolgsfaktoren für den Weg in die Cloud

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Chris Ham, Principal Consultant microfinmicrofin

Die Cloud macht Banken mobiler, agiler, innovativer. Aber bis sie diese Versprechen einlösen kann, müssen Finanzdienstleister den steinigen Weg der Transition meistern. Viele teure und zeitraubende Fehler lassen sich dabei vermeiden. Sechs „Lessons Learned“ aus der Praxis.

Chris Ham, Principal Consultant bei der microfin Unternehmensberatung

Faktor 1: Applikationsteams bei der Transitionsplanung frühzeitig einbinden

Eine Großbank plant eine Cloud-Transition. Zuständig sind allein die IT-Infrastrukturteams. Ohne die Unterstützung des Applikationsteams im Vorfeld konnte die Mannschaft aber viele der potenziellen technischen Probleme nicht erkennen. Im Ergebnis hat die Bank so die Komplexität der Cloud-Transition massiv unterschätzt. Das führt zum Beispiel dazu, dass ganze Applikationen aufgrund von Schwierigkeiten mit Legacy-Software und nicht-cloud-unterstützten Versionen von Drittanbieter-Software, nicht-cloud-fähigen Komponenten und Schnittstellen blockiert werden. Hinzu kommen unerwartete regulatorische Hindernisse und Sicherheitsprobleme.

Die Applikationsteams müssen die Transitionsplanung unterstützen – und zwar schon, bevor der Cloud-Vertrag unterzeichnet wird. Geschieht das zu spät, entstehen erhebliche Risiken für die Migration.“

Das Applikationsteam sollte sich auch mit der vorgeschlagenen Transitionsstrategie befassen und frühzeitig bewerten, ob Applikationen wie geplant in die Cloud übertragen werden können. Das gilt nicht nur aus technischer Sicht, sondern auch im Hinblick auf Datenschutz, Informationssicherheit, Recht, Governance, Risk & Compliance, Einkauf, Provider Management sowie Mitarbeiterbelange.
Applikationseigentümer und Entwicklungsteams müssen die Bewertung ihrer Applikationen mindestens auf einer 80:20-Basis frühzeitig überprüfen. Infrastrukturteams können diese Bewertungen nicht allein durchführen.

Faktor 2: Klare Preisdifferenz zwischen CMO und FMO einbauen und bei den Applikationseignern damit werben

Eine Bank schließt einen Infrastruktur-Vertrag für die Private Cloud ab. Die Applikationseigentümer sehen bei der internen Verrechnung jedoch keinen Vorteil gegenüber dem bisherigen Betriebsmodell. Mangels Anreiz verzögert sich der Transitionsplan massiv.

Wer Applikationen migrieren soll, braucht dafür einen Anreiz („schneller, einfacher und günstiger”). Deshalb müssen die Applikationseigentümer insbesondere die geplanten Einsparungen erkennen und verstehen. Wenn das nicht gegeben ist, schwinden die Bemühungen und die Priorisierung sinkt bis zu einem Punkt, der die Transitionspläne wertlos macht.

Faktor 3: Bei der Migration von On-Prem zur Private oder Public Cloud oder zwischen Clouds immer neue Anbieter in Betracht ziehen

Autor Chris Ham, microfin
Chris Ham ist Principal Consultant bei microfin (Website) und ein sehr erfahrener IT-Direktor und Unternehmensberater mit über 30 Jahren Erfahrung bis auf Vorstandsebene in den Bereichen Bankwesen, Finanzen und Beratung. Er wird geschätzt für seine Fähigkeit, Fachwissen in Betriebsmodellen und -prozessen mit dem Wissen über Best Practices in der IT-Technologie zu kombinieren.
Eine Bank nutzt für ihre SAP-nahen Plattformen einen Bestandsprovider, der zugleich auch der Betreiber der Public Cloud ist, in die migriert werden soll. Die Motivation des Providers, die Migration aus dem traditionellen Managed Service in die Cloud zu forcieren, fehlt damit komplett.

Bei einem Wechsel der Plattform, zum Beispiel von On-Prem zur Private Cloud oder von Private zur Public Cloud, besteht immer die Versuchung, beim bestehenden Anbieter zu bleiben, wenn dieser auch entsprechende Cloud-Ressourcen anbietet.“

Doch in den meisten Fällen führt dies neben Projektaufwänden auch zu verminderten Einnahmen auf Anbieterseite. Deshalb fehlt die Motivation, das Projekt effizient durchzuführen.

Faktor 4: Ein dediziertes Projektteam ohne andere Aufgaben ist zwingend erforderlich

Die Transitionsplanung einer Großbank berücksichtigt nicht, ob wichtige Projektmitarbeiter in anderen Aufgaben gebunden und damit nicht frei verfügbar sind. Das führt dazu, dass wichtige Termine nicht oder nur mit Mühe gehalten werden können.

Eine Cloud-Migration ist eine umfassende Aufgabe mit in der Regel weitreichenden Auswirkungen. Für ein erfolgreiches Projekt ist es unabdingbar, Experten in Vollzeit für die Arbeit an der Migration freizustellen. Wenn sich das Projekt auf Personen stützt, die auch noch an anderen Aufgaben arbeiten, ist der Projekterfolg massiv gefährdet.

Faktor 5: Das Cloud-Design des Anbieters akzeptieren

Eine Bank hat eine ganze Reihe von Private-Cloud-Standards entwickelt. Beim Umzug in die Public Cloud erweist sich das als echtes Hindernis, weil bestehende Anwendungen nicht dem Standard entsprechen, den die Provider voraussetzen.
Die Effizienz der Cloud liegt ganz wesentlich in der weitgehenden Standardisierung über alle Kunden-Accounts hinweg begründet. Maßgeschneiderte Optionen führen in aller Regel zu Service- oder Kostenproblemen. Wenn es keinen zwingenden Grund für Customizing gibt: vermeiden!

Faktor 6: Verträge mit Dritten frühzeitig auf kritische Punkte prüfen

Bei einer Großbank wird eine große Tranche von Anwendungen in letzter Minute aus dem Vertrag genommen. Es hatte sich herausgestellt, dass sie auf Verträgen mit Drittanbietern beruhen, die eine Auslagerung in den geplanten Volumina verhindern.

Verträge mit Dritten (zum Beispiel Lizenzverträge), die von der Cloud-Transition betroffen sein werden, sind ein kritischer Punkt.“

Sie können Klauseln enthalten, die eine Migration verhindern – sowohl für Infrastruktur- als auch für Applikationskomponenten – oder aber zu deutlichen Mehrkosten führen. Eine frühzeitige Prüfung beugt unangenehmen Überraschungen vor.Chris Ham, microfin

 
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