STRATEGIE25. Oktober 2019

Smartphones, Bitcoin, BigTechs – Herausforderung für Bankenwelt und Regulatoren

Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank und verantwortlich für den Themenbereich Zahlungsverkehr
Deutsche Bundesbank

Am 23. Oktober 2019 sprach Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, auf einer Veranstaltung des MCI Managament Center in Innsbruck über Herausforderungen für Banken und Regulatoren im Zusammenhang mit Smartphones, Bitcoin & Co. sowie den BigTechs, die in den Zahlungsverkehr drängen. Eine Zusammenfassung seiner Rede.

von Burkhard Balz, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank

Smartphones haben nicht nur unser Leben verändert, sondern nicht zuletzt auch die Art und Weise, wie wir Bankgeschäfte und unseren Zahlungsverkehr erledigen.

Neue Formen von Zahlungsmitteln verstehen sich als eine Art „Geld 2.0“ und sind nur mithilfe von Smartphones überhaupt zu nutzen. Es geht um Krypto-Token wie Bitcoin und Libra. Damit eng verwandt ist das Thema der BigTechs im Zahlungsverkehr.

Smartphones und mobiles Bezahlen

Österreich und Deutschland haben beim Bezahlen eins gemeinsam: Bürgerinnen und Bürger schätzen Bargeld als Zahlungsmittel. In Deutschland holen sie für immerhin drei von vier Bezahlvorgängen Münzen und Scheine aus dem Geldbeutel. Sehr ähnlich sieht es in Österreich aus.

Das heißt, dass es nur wenige Menschen in Österreich und Deutschland gibt, die das Haus ohne Portemonnaie verlassen. Aber ihr Smartphone haben sie sicherlich ebenfalls immer dabei. Sowohl in Deutschland als auch in Österreich sieht man immer öfter die Kunden an der Kasse das Smartphone anstatt des Bargelds oder der Karte zücken. In beiden Ländern gibt es neben den mobilen Bezahlverfahren der Banken und Sparkassen auch Google Pay und Apple Pay.

Ein Beispiel für mobiles Bezahlen „made in Österreich“ ist Bluecode mit bereits über 2000 Akzeptanzstellen in ganz Österreich. Ob sich nun diese mobile Lösung, eine andere oder mehrere am Markt durchsetzen werden, kann ich nicht vorhersagen. Sicher bin ich, dass das Bezahlen mit dem Smartphone deutlich zunehmen wird.

Bargeld wird zwar nicht verschwinden, aber das Smartphone wird wegen des geänderten Nutzerverhaltens und der Bequemlichkeit an Bedeutung gewinnen.“

Ob im Hintergrund am Ende eine Kartenzahlung oder z. B. eine Echtzeitüberweisung abläuft, wird die Zukunft zeigen. Nach meiner Einschätzung bieten Echtzeit-Zahlungen ein großes Potenzial, auch an der Handelskasse. Am Ende zählt, was der Kunde will: eine einfache, schnelle, sichere und kostengünstige Zahlungsabwicklung. Denn nur der Kauf ist „Genuss“, das Bezahlen eher „Schmerz“.

Im Zahlungsverkehr wird am Ende nur der Erfolg haben, der auch eine kritische Masse erreicht. Dieses ist eine zwingende Folge der Netzwerkökonomie. Das sollten alle Marktakteure in Europa bedenken.

Bitcoin, Libra & Co. – der Krypto-Hype

Konnte man vor vier Jahren einen Bitcoin für 252 Euro kaufen, hatte sich der Umtauschkurs zwei Jahre später bereits auf 5.000 Euro verzwanzigfacht. In der Spitze schoss der Kurs auf bis über 16.000 Euro hoch. Zuletzt hat er sich um die 7.000 Euro pro Bitcoin eingependelt.

Wir als Notenbank sprechen bei Bitcoin und Co. übrigens absichtlich nicht von Krypto-Währungen, sondern von Krypto-Token. Denn in Deutschland wie im Euroraum ist nur der Euro gesetzliche Währung. Außerdem sind die starken Wertschwankungen ein gewichtiger Grund dafür, dass sich Bitcoin nicht als alternatives Zahlungsmittel durchgesetzt hat.

Nach unserer Bewertung erfüllt Bitcoin nicht die klassischen Geldfunktionen – Recheneinheit, Zahlungsmittel und Wertaufbewahrung.“

Mittlerweile gibt es über 2.000 Krypto-Token. Sogenannte „Stablecoins“ sollen die Lösung für das Problem extremer Wertschwankungen sein und haben mittlerweile öffentliche Diskussionen entfacht. Ein Beispiel hierfür ist „Libra“, das von einem mächtigen Konsortiums angeführt von Facebook bereitgestellt werden soll. Stablecoins koppeln ihren Wert häufig an eine bestehende Währung oder einen Währungskorb.

Zudem ist der Wert durch entsprechende Sicherheiten gedeckt. Im Falle von Libra soll das Geld der Kunden offensichtlich in Bankeinlagen und kurzlaufenden Staatspapieren aus den USA, dem Euroraum, Japan, Großbritannien und Singapur angelegt werden. Der Wert der Libra ist an den Wert des so aufgebauten Reservefonds gekoppelt.

Bisher stehen weder die Technik, noch das Geschäftsmodell oder die genauen Rechte und Pflichten der Mitglieder und Nutzer fest. Der avisierte Starttermin wurde bereits auf das zweite Halbjahr 2020 geschoben. Weiterhin gibt es offene Fragen im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Geldwäsche.

Als Herausgeber von Libra ist eine Vereinigung von Facebook und 27 weiteren Unternehmen vorgesehen. Zurzeit sind dabei zwar Abwanderungstendenzen zu beobachten.

Angesichts der Finanzkraft der verbleibenden Akteure und der großen Reichweite ihrer bestehenden Netzwerke tun sowohl die Politik als auch Zentralbanken und Aufseher gut daran, diese Pläne sehr ernst zu nehmen.“

Aus Zentralbanksicht kann ich versichern, dass wir die volle Bandbreite der bestehenden Regeln anwenden werden. Sollte die Ausgestaltung von Libra letztlich derart sein, dass bestimmte Regeln nicht angewandt werden können, so werden wir uns dafür einsetzen, den Regulierungsrahmen gegebenenfalls anzupassen. Hier wäre dann die Politik gefordert. Denn es sollte weiterhin der Grundsatz gelten, dass gleiche Geschäfte und gleiche Risiken in gleicher Weise beaufsichtigt werden.

BigTechs im Zahlungsverkehr

Treiber der Entwicklung sind oftmals die Internet-Riesen oder auch BigTechs, die großen internationalen Technologiekonzerne und Plattformen wie Apple, Amazon, Google und Facebook aus den USA sowie Alibaba und Tencent aus China.

Die BigTechs drängen mit ihrer großen Kundenbasis, technologischen Expertise und großer finanziellen Ressourcen in den Finanzsektor und insbesondere in den Zahlungsverkehr. Dabei profitieren sie vor allem von den Plattformen-typischen Netzwerkeffekten.

Außerdem können Plattformen rasch Marktanteile in immer neuen, angrenzenden Geschäftsfeldern gewinnen. So können sie Skalen- und Verbundeffekte realisieren. Zusammengenommen begünstigt das die Herausbildung von Monopolen. Oft verschwinden dann Alternativen aus dem Blickfeld. In diesen Märkten gilt das Motto: „the winner takes it all“.

Häufig ist zu hören, die BigTechs stünden vor der Tür zum europäischen Finanzmarkt. Das ist aus meiner Sicht nicht ganz richtig: Denn sie sind schon da.“

Sie sind im Finanzbereich noch nicht so präsent wie unsere Banken und Sparkassen. Aber sehr deutlich ist bereits die Herausforderung, vor der die etablierten Marktteilnehmer stehen.

Ausblick / Europäische Lösung

Während BigTechs global denken und handeln, sind die Akteure in Europa zu oft auf ihre Heimatmärkte fokussiert. Aber der Bedarf an universell einsetzbaren Zahlungsmitteln nimmt zu. Inzwischen werden mehr als 8% der Kartenzahlungen grenzüberschreitend getätigt.

Es wäre an der Zeit, eine unabhängige europäische Lösung zu schaffen. Das würde den Wettbewerb beleben sowie europäische Akteure stärken.

Ein Schritt in diese Richtung ist mit einer Allianz aus großen, europäischen Anbietern, der European Mobile Payment Systems Association (EMPSA), getan. Zusammen wollen sie einen Standard für das Bezahlen mit dem Smartphone entwerfen, sodass Kunden von nationalen Bank-Apps damit in ganz Europa bezahlen können.

Ich appelliere an die Banken in Europa, miteinander zu kooperieren und eine europäische Marke im Zahlungsverkehr zu schaffen. Eine solche gemeinsame Marke dürfte genug Reichweite haben, um weltweit in Koexistenz mit den globalen Playern dauerhaft eine Rolle spielen zu können.

Wir sollten nicht in die Situation kommen, dass die europäischen Verbraucherinnen und Verbraucher nur noch zwischen den Zahlungsdiensten amerikanischer und chinesischer BigTechs wählen können.“

Die vollständige Rede können Sie hier nachlesen.pp

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/96451 
 
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