FINTECH14. September 2020

‚Sparen‘ ist eine umgangssprachliche Einordnung – CTO Ben Jones von Bitwala im Interview

Ben Jones, CTO von Bitwala
Ben Jones, CTO von BitwalaBitwala

Sparen bei Bitwala – einem Krypto-Anbieter? Vorige Woche sagte CTO Ben Jones im Handelsblatt: „Wir arbeiten unter Hochdruck an diesem Produkt“ (Handelsblatt). Doch ’sparen“ sei nicht das richtige Wort – gemeint sei ‚Ertrag‘ – wie ITFM schon am 15. Mai (mehr) be­rich­tete. Dennoch sei es sicherer als übliche Krypto-Anlagen.

Herr Jones, wie zu lesen war, bietet Bitwala (Website) jetzt Zinsen und Sparkonten an. Ist das nicht etwas altmodisch für so ein Blockchain-orientiertes Unternehmen?

Tatsächlich ist das eine umgangssprachliche Einordnung, welche aus formaler Sicht so nicht richtig ist.“

Ein Sparkonto mit Zinsen auf Kryptowährungen, so wie Kunden es mit Euro-Sparkonten bei konventionellen Finanzdienstleistern kennen, gibt es aktuell weder bei Bitwala noch einem anderen Anbieter. Grund dafür ist, dass bei Krypto­währungen der Totalverlust droht, was grundsätzlich ein Ausschlusskriterium für den Begriff “Sparen” ist. Wir sprechen bei den aktuell gesuchten Decentralized Finance (DeFi) Produkten daher von Ertragskonten.

Was planen Sie stattdessen?

Bitwala arbeitet an der Entwicklung neuer Finanzprodukte, die es allen Menschen – nicht nur Experten – erleichtert, mit Kryptowährungen in innovative Blockchain-basierte Produkte zu investieren, um passives Einkommen zu verdienen.

Am einfachsten wäre es natürlich, wenn die Kunden gar nicht mehr selbst den Tausch von Euro in Kryptowährungen vornehmen müssten. Sie müssen nur alle Informationen kennen und dann selbst auswählen, wie viel Geld angelegt werden soll. Wir übernehmen dann alles Weitere im Hintergrund. Tatsächlich ist das ein aktueller Gedanke, den wir verfolgen, wie ich bestätigen kann.“

Im Mai brachten Sie als erstes Unternehmen ein Decentralized Finance (Defi) Produkt auf den Markt, das Bitcoin Ertragskonto. Wie funktioniert das genau?

Richtig. Das neue Bitwala Ertragskonto bietet die Chance auf ein passives Einkommen. Es eignet sich übrigens heute schon für Krypto-Anfänger und Experten.
Die Bitcoin werden vom Wallet des Nutzers bei Bitwala an unseren Partner Celsius Network in den Krypto-Kreditmärkten für eine Zeit eingesetzt. Das Tolle an dieser Technologie ist, dass sie es Nutzern erlaubt, innerhalb kürzester Zeit rein und wieder raus zu gehen. Während die Bitcoin eingesetzt sind, können sie natürlich nicht anderweitig ausgegeben werden, sondern erwirtschaften Erträge. Die Erträge werden auch dann ausgezahlt, wenn die Nutzer nur eine Stunde Bitcoin eingesetzt haben.

Wie haben Sie das umgesetzt?

Wir arbeiten dafür mit einem Business-Partner zusammen, welcher als Lending Provider die Bitcoin an institutionelle Kunden verleiht, um die Erträge zu erwirtschaften, die an den Kunden weitergegeben werden können. Da es dabei ein Kreditrisiko gibt, kann man auch hier nicht vom klassischen “Sparen” sprechen.

Wir haben uns für Celsius Network als Partner entschieden, der bereits einen für die Branche langen Track Record vorweisen kann. Auch an Tagen, an denen der Bitcoin heftig fiel, wie zuletzt im März 2020 geschehen, blieb Celsius Network stabil, da es zunächst Sicherheiten der Kreditnehmer verwertet, was die eventuellen Verluste begrenzt und absichert.

Celsius Network schüttet dann rund 80 Prozent seiner Erträge an seine Kunden aus. Dabei variieren die wöchentlich ausbezahlten Ertragsraten – sie liegen aber deutlich über dem aktuellen Zinsniveau.

Die C-Levels von BitwalaBitwala/ Foto: Peter Akselson

Seit Jahresbeginn haben Sie laut Ihrer Aussage rund 100.000 Kunden dazu gewonnen. Sind Sie als junges Startup überhaupt für dieses hohe Wachstum ausgerüstet?

In der Tat sind wir kontinuierlich dabei, unser Team noch besser aufzustellen und auch unser Team wächst schnell. Dass Bitwala im Jahr 2020 bereits so viele neue Kunden überzeugen konnte, zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und wir mit unseren hybriden Finanzprodukten, die eine Brücke zwischen dem traditionellen Bankensystem und der wachsenden Blockchain-Wirtschaft darstellen, den Zahn der Zeit treffen. Natürlich stellt uns das schnelle Kundenwachstum auch vor Herausforderungen, wie etwa im Onboarding der Kunden, wo strenge KYC- und Geldwäsche-Auflagen eingehalten werden müssen.
Trotzdem sind wir sehr gut aufgestellt und auch die Auswirkungen der COVID-19 Pandemie treffen uns als voll digitalisiertes FinTech Startup mit äußerst fähigen und selbstorganisierten Mitarbeitern vermeintlich weniger hart als andere Unternehmen.

Und was meinen Sie, was könnten andere FinTechs und Banken von Bitwala lernen?

Bitwala arbeitet geradlinig an der Entwicklung neuer Finanzprodukte, die einen deutlichen Mehrwert für Einsteiger in den Handel mit Kryptowährungen bieten. So können auch Otto-Normalverbraucher an der wachsenden und äußerst attraktiven Blockchain-Wirtschaft teilhaben. Es reicht nicht, einfach “irgendwas mit Blockchain” anzubieten – stattdessen müssen wir mit dieser Technologie auch klaren Fokus auf den Kundennutzen legen.

An dieser Nutzerfreundlichkeit bei gleichzeitig höchster Innovativität können sich andere orientieren.“

Herr Jones, vielen Dank für das Interview.aj

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/111265 
 
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von maximal 5)
Loading...

 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Die girocard und das Becherpfand

Wer im Stadion künftig seinen Getränkebecher zurückbringt und das Pfandgeld auf die girocard im Smartphone zurückbuchen lassen möchte, muss sich noch ein wenig gedulden. Die...

Schließen