STRATEGIE12. September 2018

Der technologische Wandel treibt das Banking auf eine neue Ebene – weit über ‚Digitalisierung‘ hinaus

Das neue Banking kommt
Sikov/bigstock.com

Der technologische Wandel, häufig verkürzt auf das Schlagwort Digitalisierung, bleibt, so Claudia M. Buch, Vizepräsidentin der Deutschen Bundesbank, in ihrer Rede Wettbewerb und Stabilität im Finanz­sektor in Zeiten technologischen Wandels, nicht ohne Auswirkungen auf das Banking und die Sta­bi­li­tät des Finanzsystems eines Landes.

von Ralf Keuper

Von großer Bedeutung sei die Frage, inwieweit die „BigTechs“ (Amazon, Google, Facebook, Apple) in der Lage sein werden, im Finanzsystem eine relevante Rolle zu spielen.
Hürden könnten das Wettbewerbs- und das Datenschutzrecht sein.

FinTech-Startups können zu einer höheren Effizienz und Innovationskraft beitragen sowie die Risikodiversifizierung stärken und die Wahlmöglichkeiten für die Verbraucher und Unternehmen erhöhen.“

Die Struktur bzw. die Kapazitäten des Bankenmarktes hätten sich trotz einer deutlich verringerten Anzahl von Banken kaum verändert. Die sinkende Zahl von Banken sei überwiegend auf Fusionen im Sparkassen- und Genossenschaftssektor zurückzuführen. Zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch unklar, ob FinTech-Startups und BigTechs in dem durch den Einsatz neuer Technologien veränderten Finanzsystem eine relevante Rolle spielen werden.

Lendstar

Dazu einige Anmerkungen:

Die Frage, ob die BigTechs in das Banking einsteigen und dort Fuß fassen werden, ist eigentlich schon beantwortet. Die Antwort lautet: Ja. Amazon bietet schon seit Jahren Bankdienstleistungen an (Vgl. dazu: Bank of Amazon #4). Gleiches gilt für Google und vor allem für Ant Financial/Alibaba und Tencent/WeChat aus China (Vgl. dazu: Ant Financials, oder: Der unersättliche Appetit der Ameisen). Die genannten Unternehmen sind bereits in Deutschland aktiv, wie Google mit Google Pay. Demnächst wird Apple mit Apple Pay folgen. Paypal ist in Deutschland im Bereich online-payments führend. Das bekommt Paydirekt, das Online-Bezahlverfahren der deutschen Banken, besonders stark zu spüren. Daneben bietet Paypal in Deutschland weitere Bankdienstleistungen an (Vgl. dazu: Paypal steigt bei Weltsparen.de ein). Amazon dominiert den E-Commerce. Tencent ist als Investor bei N26 mit im Boot, so wie der Alibaba-Großaktionär SoftBank bei der solarisBank. Das zeigt, dass die digitalen Ökosysteme dabei sind, das Banking zu integrieren – und zwar auf globaler Ebene.

Dafür müssen sie [die GAFAs] nicht den Status einer „echten“ Bank anstreben. Insofern liefert der Blick auf die Bankstatistik kein objektives Abbild der realen Marktverhältnisse mehr.“

Autor Ralf Keuper, Bankstil
Ralf Keuper ist Bank- und Di­plom­kauf­mann und seit rund 15 Jah­ren in ver­schie­de­nen Po­si­tio­nen be­ra­tend im Ban­ken­um­feld tä­tig. Er be­rät Ban­ken bei der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on so­wie Fin­Techs bei ih­rem Markt­ein­tritt. Ke­u­per hat un­ter an­de­rem als Se­ni­or Con­sul­tant Ban­king bei der COR&FJA AG und Se­ni­or Con­sul­tant Ban­king & Fi­nan­cing bei Ste­ria Mum­mert Con­sul­ting AG ge­ar­bei­tet. Er kom­men­tiert auf sei­nem Blog Identity Economy die Ent­wick­lun­gen in den Be­rei­chen In­dus­trie 4.0, In­ter­net of Things (IoT) und Di­gi­ta­le Iden­ti­tä­ten, die gro­ße Aus­wir­kun­gen auf das Ban­king ha­ben. Mehr noch: Ban­king wird Teil der Da­ten- und Platt­formöko­no­mie. In ver­schie­de­nen Beiträgen und Veranstaltungen hat er dazu Position bezogen. Alle Beiträge von Ralf Keuper finden Sie hier.
Der Strukturwandel in der Bankenbranche hat Ausmaße angenommen, die man durchaus als historisch bezeichnen kann. Zwar ist die sinkende Zahl der Banken in erster Linie auf Fusionen im Sparkassen- und Genossenschaftssektor zurückzuführen. Jedoch hat die Zahl der Filialen ebenso deutlich abgenommen, wie die der Mitarbeiter. Die Kapazitäten haben sich demnach spür-und messbar verringert.

Die FinTech-Startups bevorzugen in ihrer Mehrzahl die Kooperation mit den Banken. Auf diese Weise hoffen beide Seiten, voneinander zu profitieren.

Allerdings ist es fraglich, ob sich die gewünschten Synergieeffekte einstellen, da beide an dem klassischen Bild einer Bank festhalten – nur eben digitaler. Daran ändert auch nicht der Hinweis, Banken müssten sich in Plattformen wandeln. Dieser Zug ist bereits vor Jahren abgefahren.“

Ob FinTech-Startups tatsächlich zu einer besseren Risikodiversifzierung beitragen, darf mit Blick auf die jüngste Entwicklung in den USA und die Ereignisse um LendingClub vor einigen Jahren bezweifelt werden.

Die Zukunft im Banking hat bereits begonnen

Was die Einschätzung der aktuellen Entwicklung betrifft, ist die BaFin in ihrer Diagnose schon deutlich weiter als die Bundesbank (Vgl. dazu: Bankenaufsicht: Blickverschiebung von den Banken hin zu digitalen Plattformen und zur Blockchain). Die Bankenindustrie, wie wir sie kannten und noch kennen, ist dabei sich aufzulösen. An die Stelle der Bankkonzerne treten digitale Ökosysteme oder Integrierte Technologiekonzerne. Banking ist dabei nur ein Teil eines übergreifenden Geschäftsmodells.

Aus Sicht der Finanzmarktstabilität ergeben sich heraus neue Herausforderungen. Wie können digitale Ökosysteme reguliert werden? Was ist eine Bank heute überhaupt noch?“Ralf Keuper

 
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