Diebold Nixdorf - Vertriebseffizienzanalyse - Das Ende vom Prinzip Zufall
MOBILE PAYMENT STRATEGIE3. April 2017

Twint will in diesem Jahr deutlich mehr als 25.000 Akzeptanzstellen bieten – Michael Hügli im Interview

Michael Hügli, Head of Marketing & Sales, Member of the Executive Board Twint Twint

Die Twint AG wurde im Juli 2014 gegründet. Das Unternehmen hat ein digitales Portemonnaie für die Schweiz entwickelt, das auf allen Verkaufskanälen einfach genutzt werden kann. Im Frühling 2016 fusionierte das Unternehmen mit Paymit. Damit stehen die größten Schweizer Banken und SIX geschlossen hinter einem gemeinsamen Schweizer Standard im Mobile Payment. Michael Hügli (Head of Marketing & Sales, Member of the Executive Board TWINT) hat sich den Fragen von Rudolf Linsenbarth gestellt.

Herr Hügli, Twint ist ein neues Mobile-Payment-Verfahren und muss daher sowohl die Endkunden, als auch die Handelsseite von der Teilnahme überzeugen. Wie weit sind Sie hierbei auf der Handelsseite? Welche großen Detailhändler haben bereits fest zugesagt?

Mit Coop arbeiten wir schon lange und sehr gut zusammen. Von anderen Detailhändlern haben wir die Zusage über eine Zusammenarbeit erhalten und sind in guten und zum Teil intensiven Gesprächen. Bereits heute kann an 25.000 Akzeptanzstellen mit Twint bezahlt werden. Diese Zahl wird sich im Verlaufe des Jahres stark vergrößern.

Können Sie bitte kurz erklären, wie Twint beim Checkout am POS funktioniert? Wird es an allen Kassen einen einheitlichen Prozess geben oder muss der Kunde abhängig vom Detailhändler unterschiedliche Verfahren verwenden?

Der Händler hat – seinen Bedürfnissen entsprechend – mehrere Möglichkeiten, wie er Twint anbietet. Diese Möglichkeiten basieren auf zwei verschiedenen Technologien: Einerseits das Abscannen eines QR-Codes, was sich besonders für Verkaufsstellen eignet, wo es keine bestehende Infrastruktur gibt – zum Beispiel unterwegs an einem Marktstand und natürlich im E-Commerce – oder wo bereits ein Zahlterminal mit Display vorhanden ist – …

… oder das Bezahlen per Bluetooth-Beacon, das auch ohne Mobilfunkempfang funktioniert.“

Wieviel kostet der Twint Beacon den einzelnen Detailhändler?

Der Twint Beacon kostet CHF 95. –. Es gibt aber auch Möglichkeiten, Twint ohne Initialkosten anzubieten. Zum Beispiel mit der Twint Händler-App oder ab Juni mit dem QR-Code auf den bestehenden Zahlterminals.

Autor Rudolf Linsenbarth
Linsenbarth-Rudolf-516Rudolf Linsenbarth ist Seni­or Consultant für den Be­reich Mobile Payment und NFC bei COCUS Con­sul­ting. Zuvor war er elf Jah­re im Bank­bereich als Seni­or Technical Specia­list bei der TARGO IT Consulting (Crédit Mutuel Banken­gruppe). Linsenbarth ist ei­ner der pro­fi­lier­tes­ten Blog­ger der Fi­nanz­szene und kommentiert bei Twit­ter un­ter @holimuk die aktuellen Entwicklungen. Alle Beiträge schreibt Rudolf Linsenbarth im eigenen Namen.

Sind die Transaktionsgebühren bei Twint gegenüber der Kreditkarte niedriger?

Die Kosten sind abhängig vom Acquirer, mit dem der Händler den Akzeptanzvertrag hat. Hier spielt also der Markt.

Wenn dem so ist, wer verzichtet hier auf einen Teil der Marge oder spart der Handel nur die Scheme-Gebühren von Mastercard und VISA?

Twint ist ein eigenes Zahlungssystem und damit ein eigenes Scheme mit Preisstrukturen, die zwischen Scheme, Acquirer, Issuer und Handel jeweils bilateral definiert werden.“

Das Aufladen per Guthaben-Karte ist einer der teuersten Vertriebswege überhaupt. Kaum vorstellbar, dass eine 100 Franken Guthabenkarte für 35 Rappen Ver­kaufs­pro­vision über die Ladentheke geht. Ist Twint da kostendeckend?

Wir verkaufen Guthabencodes nur über wenige ausgewählte Händler. Das Aufladen via Guthabencode ist ein Nischenprodukt und wird das auch bleiben. Aktive User verbinden Twint mit ihrem Bankkonto. Neu kann dieses bei jeder Zahlung direkt belastet werden. Ergänzend zum Konto kann auch eine Kreditkarte hinterlegt werden.

Welche Rolle übernimmt die Swisscom bei Twint ?

Swisscom entwickelt und betreibt die Whitelabel-Variante der Twint App für Banken. So muss nicht jede Bank eine eigene App entwickeln, um am Twint System teilnehmen zu können.“

Twint

Twint ist ja nur in der Schweiz nutzbar. Glauben Sie, dass die Kunden, welche durch ihre Reisen ins Ausland andere Zahlverfahren wie Apple Pay oder SwissWallet nutzen, sich noch für ein weiteres Mobile-Payment-Verfahren registrieren werden?

Twint ist nicht das erste nationale Payment Scheme. PostFinance ist seit Jahren erfolgreich am Markt mit einer eigenen Debitkarte. Und wenn Sie die Mobile-Payment-Welt beobachten, dann stellen Sie fest, dass es nationale Lösungen sind, die besonders erfolgreich sind. So zum Beispiel Mobile Pay in Dänemark oder die Lösungen aus China, die erst in einem zweiten Schritt auch ein internationales Akzeptanzstellennetz aufbauen. Auch wenn die Menschen heute immer mehr reisen: Der überwiegende Teil der Trans­ak­tionen der Bewohner der Schweiz findet in der Schweiz statt.

Zudem bietet Twint mit der Peer-to-Peer-Funktion sowie den Mehrwerten (Kundenkarten, Stempelkarten, Coupons) Möglichkeiten, die internationale Lösungen nicht abdecken.“

PostFinance, UBS, Zürcher Kantonalbank, SIX, Swisscom sowie eine Reihe weitere Banken ist ein sehr heterogenes Konsortium. Halten Sie die dort vorhandenen Fliehkräfte für beherrschbar, falls sich bei Twint kein schneller Erfolg einstellt?

Unsere Eigner setzen auf Twint, da sie von der Lösung überzeugt sind. Keine andere Lösung erlaubt das bargeldlose Zahlen für fast alle Nutzer in fast allen Situationen (sogar zwischen Privatpersonen) und bietet obendrauf integrierte Mehrwerte – und das alles kostenlos für den Nutzer.

Herr Hügli, vielen herzlichen Dank für das Gespräch.Rudolf Linsenbarth

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