MEINUNG14. April 2020

„Viele Robo-Advisor erfüllen Erwartungen der Kunden in der Krise nicht“

Robot hands and fingers point to laptop button advisor chatbot robotic artificial intelligence concept
kung_tom / Bigstock

Robo-Advisor sollen für viele Anleger der richtige Weg sein, wenn es darum geht, effizient und doch zielgerichtet und anlegerorientiert ein Mehr an Rendite zu erwirtschaften. Doch aufgrund ihres noch vergleichsweise kurzen Track-Records müssen die Robo Advisor Services nun erstmals unter Beweis stellen, dass sie auch in Bärenmärkten überdurchschnittlich performen. Und hier geht das Problem auch schon los… – Ein Kommentar von Björn Siegismund, Chief Investment Officer der Kapilendo, die als digitaler Bankingpartner für den Mittelstand agiert und Investoren eine ganzheitliche, digitale Vermögensverwaltung mit Depot sowie Mittelstands- und Immobilieninvestments anbiete.

Die Börsen sind angesichts der Corona-Pandemie im Panikmodus. Der „Shut-down“ der letzten Wochen trifft die gesamte Wirtschaft in einem Ausmaß, das zuvor wohl niemand so erwartet hatte. Das aktuelle Kursniveau sollten vorausschauend agierende Anleger unseres Erachtens für erste Käufe nutzen.

Für Investoren macht es in der aktuellen Situation durchaus Sinn, nicht nur den Index zu kaufen, sondern die unterschiedlichen Auswirkungen der Krise auf die Unternehmen zu berücksichtigen.“

Björn Siegismund, Chief Investment Officer, Kapilendo

Robo-Advisor erstmals im Abwärstrend

Wir setzen im Rahmen unserer Private-Banking-Mandate vor allem auf Aktien in Sondersituationen und Aktien von Unternehmen, die über eine außerordentlich gute Substanz, also beispielsweise eine geringe Verschuldung, einen starken Ankerinvestor oder hohe Cash-Bestände verfügen.
Hier kann der Anleger die Entwicklungen im Zuge von Corona vergleichsweise gelassen verfolgen, weil alle Voraussetzungen vorliegen, dass sich diese Titel mittelfristig wieder Richtung neuer Höchststände bewegen werden.

Kapilendo

Für eine Vielzahl von Unternehmen mit hoher Verschuldung bzw. strukturellen Problemen, die bereits vor der Krise angeschlagen waren, sind wir jedoch skeptisch, dass die alten Kursniveaus nach dem Ende der Corona-Krise wieder erreicht werden.“

Björn Siegismund, Chief Investment Officer, Kapilendo

Exemplarisch genannt seien hier die Automobilbranche inkl. der Zulieferer sowie der Einzelhandel. Hier wird die Krise unseres Erachtens als dramatischer Beschleuniger des bereits seit längerem existierenden Disruptionsprozesses wirken.

Großteil der Robo-Advisor überzeugt nicht

Es hat sich in der aktuellen Krise sehr deutlich herauskristallisiert, dass ein großer Teil der am deutschen Markt aktiven Robo-Advisor nicht über die entsprechenden Investmentstrategien verfügt, um die Verluste in den Portfolios erfolgreich zu begrenzen. Insbesondere der viel besprochene Value at Risk-Ansatz, der von einem prominenten Wettbewerber propagiert wird, hat in diesem dynamischen Abschwung einmal mehr seine Schwächen offenbart.

Denn dieser Value at Risk-Ansatz steht und fällt mit der Güte der angenommen Verteilungsfunktion.
Leider hat die Gauß’sche Normalverteilung ihren Triumphzug auch in der Finanzwelt fortgesetzt. Zugegebenermaßen sind zahlreiche natur- und gesellschaftswissenschaftliche Phänomene normalverteilt, Wertpapierrenditen gehören allerdings nicht dazu. Während sich in der Normalverteilungswelt alles im runden Bauch der Glockenkurve abspielt, kennen Wertpapiere vor allem minimale Preisänderungen und extreme Preissprünge in Zeiten von Marktunruhen, wie wir sie aktuell erleben.

Berechnet man also den Value at Risk auf Basis der Normalverteilung, unterschätzt man extreme Verlustrisiken systematisch. Gleichzeitig ist die Risikokennzahl so träge, dass es erst zu einer ausgeprägten Krise kommen muss, damit sich der Value at Risk anpasst.

Kapilendo propagiert „Allwetter-Ansatz“

Vor diesem Hintergrund haben wir uns mit dem „Allwetter-Ansatz“ ganz bewusst für einen anderen Weg entschieden. Dieser Allwetter-Ansatz stellt sich auf die unterschiedlichen Marktszenarien mit vier risikoseitig gleichgewichteten Teilportfolios ein. Das Ergebnis ist eine Anlagestrategie, die die Märkte nicht zu schlagen versucht, sondern die Volatilität und die damit einhergehenden Risiken soweit wie möglich senken und gleichzeitig eine hohe Rendite erzielen will. tw

 
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