KOMMENTAR7. Nov. 2014

Konvergenz statt „Mach Schluss mit deiner alten Bank!“

Joachim Jürschick IT Finanzmagazin
Joachim Jürschick
IT Finanzmagazin
Herausforderer müssen angreifen. Und gerade von jungen, dynamischen Startups dürfen wir Journalisten gerne ein etwas kernigeres Vorgehen erwarten. Aber mir scheint, dass das ein oder andere Startup nicht die Chancen erkennt, die etablierte Banken und Versicherer ihnen bieten und einfach nur auf den populistischen Angriff setzen. Heute fiel mir Number26 mit zwei Slogans auf: „Hilf uns gegen die alten Banken zu gewinnen“ oder „Mach Schluss mit deiner alten Bank!“. Wirklich kein Einzelfall.

FinTechs sind die ausgelagerten Entwicklungsabteilungen der Banken – nur wissen sie es nicht. Beide. Noch nicht.“

Beide Seiten sehen offenbar nicht die Chancen, die die jeweils andere ihnen bietet. Banken und Versicherer kämpfen mit Regularien, Stresstests, Compliance-Anforderungen und meistern das (mit enormen Krafteinsatz) ziemlich gut. Auf der anderen Seite haben Banken – trotz aller Unkenrufe und medialem Dauerfeuer – eine gute Reputation und genießen das Vertrauen der Kunden. Selbst Studien, die gerne beweisen würden, dass das etablierte Banksystem tot sei, geben zu, dass 60 bis 70 Prozent der Generation-Y den Banken vertraut und dort ein Konto hat/haben will.

Andererseits sind FinTechs innovativ, dynamisch, sympatisch. Kaum ein Tag an denen nicht ein neues FinTech aus einer Ecke hüpft und ruft: „Wir sind da und schaut was wir uns geniales ausgedacht haben“. Und tatsächlich: Es sind richtig gute Ideen und Umsetzungen dabei. Noch wichtiger ist jedoch, dass die meisten FinTechs sich äußerst geschickt um die Regulatorik herum manövrieren. Aber: Ihnen fehlt das Vertrauen der Kunden. Man kennt sie nicht. Sie starten bei NULL. Mit schicken Websites kann man zwar locken – aber selbst die Generation-Y möchte bei wichtigen Entscheidungen den persönlichen Kontakt zur Bank, zum Makler und zum Berater. Wäre es nicht schick, im Notfall die FinTech-App in der Bankfiliale erklärt zu bekommen? Brett King (Autor von „Breaking Banks“) zeichnet genau diese Zukunftsvision der Bank, die die Erlebniswelt der Generation-Y versteht und in die Filiale bringt.

Es gibt einzelne Banken (die Commerzbank zum Beispiel, die Sparkassen machen sich gerade auf den Weg) und einzelne FinTechs, die schon verstanden haben:
Vertauen: Bank
 Regulatorische Erfahrung: Bank
 Filialen & persönliche Ansprechparter: Bank
 Innovatoren: FinTech
 Umschiffen von Überregulierung: FinTech
 Verstehen der Generation-Y: FinTech
Das passt perfekt zusammen. Was daraus werden könnte, machen uns gerade türkische Banken mit innovativen Services und einem unerschütterlichen Selbstvertrauen vor. Megaplakate an Hochhäusern mit Banken-Werbung für Apps: mit Sprachsteuerung, Augmented-Banking-Realitiy, Living Services (Bankferne Dienstleistungen), … Und in Europa? PFM ist ja nett – aber auch cool? Nicht wirklich. Fragen Sie mal ihre Kinder.
„Hammer“ ist (wie meine Tochter sagen würde), wenn ich an der Supermarktkasse stehe, mein Konto leer wäre, die GriroCard (ehem. EC-Karte) versagt und plötzlich eine Nachricht auf dem Handy erscheint, in der mich meine Bank rettet und mir mit 50 Euro (gefühlt spontan) aus der Patsche hilft. Das geht. Heute schon in der Türkei – und in Deutschland, wenn FinTechs und Banken einander helfend anerkennen und Slogans wie „Mach Schluss mit deiner alten Bank!“ einfach mal sein lassen und kooperieren. Die Banker, Versicherer und FinTechs, die das verstehen und zum Telefon greifen, werden überleben und wachsen. Überlassen Sie die „schmerzhaften Veränderungsprozesse“ doch lieber den anderen.

Ihr
Joachim Jürschick
IT Finanzmagazin

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