FINTECH12. Januar 2021

Payment-Trends: „FinTechs sollten leichtfüßig und innovativ bleiben“

Sumup

Das vergangene Jahr war für die FinTech-Branche, insbesondere aber für Payment-Unternehmen wie Sumup ein ereignisreiches – und trotz oder vielmehr wegen des Lockdowns im Handel ein erfolgreiches. Denn insbesondere in Deutschland setzte sich der Trend zum bargeldlosen und kontaktlosen Bezahlen weiter fort. Wir haben mit Alexander von Schirmeister, Executive Vice President bei Sumup, über die Trends in der FinTech-Szene und die Aussichten der Wirtschaft und hier speziell der Bankenwelt gesprochen.

Was erwartet uns in der FinTech-Branche im kommenden Jahr? Wie werden sich die Schlüsselmärkte entwickeln und welche Trends sehen Sie?

In diesem Jahr werden wir generell ein weiteres Wachstum der Branche erleben, da der Verbraucher immer bessere und innovativere Produkte verlangt. Die allgemeine Beschleunigung in Richtung Online, die besonders durch die Pandemie 2020 Fahrt aufgenommen hat, wird sich fortsetzen, und FinTechs werden automatisch Nutznießer dieses Trends sein. Der Druck in Richtung bargeldlose Zahlungen wird sich seitens der Regulierungsbehörden weiter erhöhen – mit Italien als Vorreiter. Wir sind sicher, dass sich die Schließung von Bankfilialen in kleinen Städten in ganz Europa fortsetzen wird; so reduziert sich der einfache Zugang zu Bargeld weiter.

Gleichzeitig werden wir wahrscheinlich eine größere Vielfalt an mobilen Zahlungslösungen sehen, zusätzlich zu neuen Möglichkeiten des Bezahlens, beispielsweise über QR-Codes. Innerhalb der FinTech-Branche erwarten wir allerdings eine gewisse Konsolidierung. Dies kann in Form von größeren Anbietern geschehen, die kleinere Anbieter aufkaufen, oder wenn sich nationale Champions zu größeren regionalen Anbietern zusammenschließen. Wir sind sicher, dass einige der größeren Altbanken in der FinTech-Szene auf Einkaufstour gehen werden, um weitere Innovationen in ihr Angebot aufzunehmen. Ein wichtiger Trend des „Rebundling“ wird unsere Branche auch 2021 weiter prägen. Bis vor Kurzem konzentrierten sich FinTechs auf enge Produktkategorien, in denen sie sich auszeichneten, z. B. bei Krediten, Girokonten, Zahlungen. Sie bezogen sich im Wesentlichen auf eine breitere Palette von Finanzdienstleistungen, die traditionell von Banken angeboten wurden.

Die Kunden werden sicherlich weiterhin nach Lösungen aus einer Hand mit transparenter Preisgestaltung suchen, sodass FinTechs, die eine gewisse Größe erreicht haben, dem umgekehrten Trend der Entbündelung folgen werden, indem sie sich in den Produktkategorien breiter aufstellen, um höhere Umsätze zu erzielen. Auch FinTechs sollten sich zweimal überlegen, ob sie sich auf eine bestimmte Marktnische konzentrieren oder stattdessen langfristig eine Diversifizierung ihrer Einnahmequellen in Erwägung ziehen, um nicht in eine zu große Abhängigkeit von bestimmten Marktsegmenten oder Produkten zu geraten.“

Welche Technologien sollten FinTechs Ihrer Meinung nach in den kommenden Monaten vorrangig einsetzen, um die Kundenerfahrung zu optimieren?

Sumup

Es bleibt die Frage, ob 2020 endlich das Jahr war, in dem der QR-Code in Europa zum Mainstream wurde und einige der Anwendungsfälle, die wir in Asien sehen, nachgeahmt werden. In jedem Fall hat die Pandemie 2020 der kontaktlosen Zahlungstechnologie einen ernsthaften Schub gegeben. Daher glaube ich, dass wir weitere NFC-fähige Zahlungstrends sehen werden, etwa tragbare Zahlungsgeräte wie Uhren oder auch Ringe. Des Weiteren ist „Request to Pay“ eine interessante, aber noch im Entstehen begriffene Technologie, die neue Bezahlmethoden, vor allem im E-Commerce-Bereich, vorantreiben könnte. Und schließlich werden die Identifizierung per Face ID sowie Apple Pay und Google Pay ihre rasche Verbreitung fortsetzen.

Welche Rolle werden Technologien wie Machine Learning und KI bei Finanzdienstleistungen im Jahr 2021 und darüber hinaus spielen?

Die größte Rolle, die sie spielen werden, wird nicht auf der Verbraucherseite liegen, sondern intern in Bezug auf Risikobewertung, Kreditwürdigkeitsprüfung usw. Wir werden einen signifikanten Einzug von Technologie, Daten und KI erleben, aber das meiste davon wird in der Unterstützung und Verbesserung von FinTech-Lösungen liegen und nichts sein, was der Endverbraucher selbst erlebt.

Wie geht es mit der PSD2 weiter?

Acquirer und Issuer müssen jeweils noch mehr daran arbeiten, die Abwicklung und damit das Kundenerlebnis bei der starken Kundenauthentifizierung reibungsloser zu gestalten, um einen echten Mehrwert zu erzielen, wodurch am Ende für den Händler die Vorteile durch weniger Betrug gegenüber entgangenen Einnahmen überwiegen. Eine reibungslose Nutzererfahrung ist besonders jetzt wichtig, wo viele Menschen aufgrund der aktuellen Corona-Einschränkungen vermehrt auf Online-Zahlungen umsteigen.

Durch Open-Banking-APIs und den Zugriff auf Kunden- und Finanzdaten ermöglicht es Sumup zudem, einen konformeren und effizienteren Onboarding-Prozess der Händler sicherzustellen. Für uns als Unternehmen bringt PSD2 daher eine Reihe von vorteilhaften, strategischen Veränderungen.“

Wie werden sich diese und andere digitale Trends auf die menschliche Arbeit bzw. Fähigkeiten und/oder die Zahlungslandschaft im Allgemeinen auswirken?

Es wird interessant sein zu sehen, wie sich die Kombination neuer digitaler Trends in der Zeit nach der Pandemie auswirkt. Man könnte denken, dass die Gig-Economy weiter explodieren wird, da mehr Menschen keine stabil bezahlten Jobs mehr haben und nach Möglichkeiten suchen, innovativ zu sein. Lieferung, Fulfillment, Logistik sind interessante Sektoren, denn die Menschen verlassen sich zunehmend auf E-Commerce, um sich alles liefern zu lassen. Hoffentlich profitieren davon nicht nur die sehr großen globalen E-Commerce-Player, sondern auch die lokalen Geschäfte und Einzelhändler, die lernen werden, sich auf diese neue Art des Lebens einzustellen.

Alexander von Schirmeister, Executive Vice President Sumup

Alexander von Schirmeister ist Executive Vice President bei Sumup (Europe), einem FinTech-Unternehmen, das vor allem für Klein- und Kleinsthändler und Gewerbetreibende einfache und schnelle digitale Zahlungsmöglichkeiten im Laden und online anbietet. Von Schirmeister hatte zuletzt die Position des Chief Digital, Technology and Innovation Officer (CDTIO) beim Elektronikdistributor RS Components inne, wo er die Transformation vorantrieb. Davor war er VP, EMEA Expansion & Cross-Border Trade bei eBay und Mitglied des UK Client Advisory Board bei Facebook.

Haben Sie ein Lieblings-FinTech-Startup, auf das man Ihrer Meinung nach achten sollte?

Ja, da fallen mir gleich mehrere Unternehmen ein, von denen wir meiner Auffassung nach im neuen Jahr noch einiges hören werden, weil sie bemerkenswerte Ideen in den Markt tragen: Fraugster (https://www.fraugster.com) ist eine KI-gesteuerte Zahlungsrisiko-Engine, die Betrug eliminiert und den Umsatz für E-Commerce-Unternehmen maximiert. Bei Oura Ring (https://ouraring.com) handelt es sich um einen intelligenten/smarten Ring, der verschiedene Körpersignale misst und verfolgt, um eine Schlaf- und Gesundheitsüberwachung zu ermöglichen. Und nicht zuletzt K Ring (https://mykring.com/en/), ein sehr einfacher kontaktloser Bezahlring, ohne den man, wenn man ihn einmal besitzt, nie mehr das Haus verlässt.

Was ist die wichtigste Erkenntnis für FinTechs aus den vergangenen Monaten während der Pandemie? Was davon wird uns bleiben?

Die Geschwindigkeit, mit der sich das Kunden- und Verbraucherverhalten – wahrscheinlich dauerhaft – verändert und angepasst hat, ist schlicht und ergreifend unglaublich. Nur die agilsten Unternehmen waren und werden in der Lage sein, sich entsprechend schnell anzupassen und umzustellen. Was auch immer man also in Zukunft tut, man muss dabei auf jeden Fall leichtfüßig und innovativ bleiben, und schnell reagieren (können).

Auch FinTechs sollten sich zweimal überlegen, ob sie sich auf eine bestimmte Marktnische konzentrieren oder stattdessen langfristig eine Diversifizierung ihrer Einnahmequellen in Erwägung ziehen, um nicht in eine zu große Abhängigkeit von bestimmten Marktsegmenten oder Produkten zu geraten.“

Herr von Schirmeister, vielen Dank für das Gespräch. tw

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