EVENTS & MESSEN29. Juli 2026

API Days, München: Ohne API- und Datenstrategie keine sinnvolle KI Nutzung

Im Rahmen der API Days in München wird das Thema Agentic AI intensiv diskutiert. Experten aus der API-Szene tauschen sich über das Model Context Protocol (MCP) und architektonische Ansätze aus, während sie sich zwischen den Messeständen bewegen.
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Im Smartvillage im Osten von München ist an diesen Tagen viel los. Zwischen den Messe­ständen drängen sich die Tech Experten aus der europäischen API-Szene. Die Gespräche drehen sich viel um Agentic AI, Model Context Protocol (MCP), Architekturen und praktische Erfahrungen. 

von Joris Hensen

Die API Days in München thematisieren die zentrale Rolle von APIs in der KI-Nutzung. Die Veranstaltung vereint Entscheidungsträger, um über die Integration von KI-Agenten in Geschäftsprozesse zu diskutieren und die Bedeutung einer soliden API- und Datenstrategie hervorzuheben.
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Das Fazit vorweg: KI-Agenten sollen zukünftig nicht mehr nur antworten, sondern handeln, Prozesse anstoßen und auf Geschäftsfunktionen zugreifen. Dabei drängt sich eine grundsätzliche Frage auf: Was nützt die beste KI-Anbindung, wenn Produkte, Daten und APIs in unterschiedlichen Systemen liegen, wenn Standards fehlen und das vermeintliche Chaos im Zweifel automatisiert wird?

Genau an dieser Stelle treffen auf den API-Days zwei Themenstränge aufeinander, die in vielen Unternehmen noch getrennt geführt werden. Auf der einen Seite steht die Entwicklung rund um KI-Agenten. Auf der anderen Seite, die oft als rein technisch wahrgenommenen Themen, rund um APIs, API-Management und Datenstrukturen. Doch die Veranstaltung zeigt, wie eng beide Stränge miteinander verknüpft sind.

MCP ist ein Werkzeug und nicht die fertige Lösung

Besonders präsent ist an diesem Tag das Thema MCP. Das Model Context Protocol ist eine Zugangsschicht, über die Agenten Daten und Werkzeuge nutzen können.“

Je länger man den technischen interessanten Vorträgen zuhört, desto klarer wird auch, MCP löst nicht das Grundproblem.

Ein MCP-Server kann eine vorhandene Funktion verfügbar machen. Dadurch entsteht aber keine Ordnung in einer gewachsenen Systemlandschaft. Es beseitigt weder widersprüchliche Produktinformationen, noch macht es aus einer schlecht beschriebenen API eine verlässliche Geschäftsfähigkeit.

Ein Experte bringt es auf den Punkt: Unternehmen sollten nicht nur MCP aufbauen. Sondern auch gute Fähigkeiten über APIs bereitstellen und diese anschließend auch über MCP zugänglich machen.

Matthias Biehl, API Evangelist bei IBM, präsentiert auf den API Days in München. Im Hintergrund sind Sponsorenlogos sichtbar. Biehl betont die Bedeutung von APIs und Datenstrategien für die effektive Nutzung von KI.
Matthias Biehl, API Evangelist, IBMJoris Hensen

Wir sollten gute Geschäftsfähigkeiten über APIs bereitstellen – und diese dann zusätzlich über MCP zugänglich machen.“

Matthias Biehl, API Evangelist, IBM

Das ist ein wichtiger Unterschied. Denn unabhängig von MCP, ist eine sauber definierte, dokumentierte und kontrollierte API auch für andere Anwendungen, Partner und Kanäle nutzbar.

Die etwas unbequeme Erkenntnis aus München lautet deshalb: Wer lediglich MCP vor seine bestehende Landschaft setzt, macht unter Umständen nur sein API-Chaos für Agenten zugänglich. „AI first“ ohne „API first“ funktioniert nicht.

„API Sprawl“ wird zum Vertriebsproblem

Die Präsentation thematisiert das Konzept der „API Sprawl“ und deren Auswirkungen auf Unternehmen. Der Text hebt hervor, dass die vorhandenen Daten gleichbedeutend mit den APIs sind, die in einer unkontrollierten Umgebung existieren.
Joris Hensen

Matthias Biehl von IBM erklärt in seinem Vortrag die Auswirkungen von „API Sprawl“: Eine unkontrolliert gewachsene API-Landschaft mit vielen verteilten, teils doppelten, veralteten oder unzureichend dokumentierten Schnittstellen.

Genau hier beginnt in vielen Organisationen das Problem. APIs sind über Jahre dezentral im Unternehmen entstanden. Unter Umständen gibt es sogar unterschiedliche Plattformen, Portale und Dokumentationen. Manche Funktionen existieren mehrfach, andere sind nur intern bekannt. Teilweise ist unklar, welche Version produktiv ist oder wer die Verantwortung trägt.

API-Sprawl beschreibt dabei das unkontrollierte Wachstum zu vieler, oft schlecht dokumentierter API-Schnittstellen, wodurch KI-Agenten Daten und Funktionen nur schwer zuverlässig nutzen können. Damit wird es von einem IT-Problem zum Vertriebsproblem.“

Wenn ein KI-Agent nicht erkennen kann, welche API für eine bestimmte Aufgabe geeignet ist, wird er sie nicht nutzen. Wenn Produktinformationen widersprüchlich sind, kann er das Angebot nicht zuverlässig vergleichen. Wenn eine Fähigkeit in einem internen Portal verborgen bleibt, existiert sie für das System praktisch nicht. Ein Unternehmen kann also über ein gutes Produkt verfügen und im maschinell vermittelten Entscheidungsprozess dennoch unsichtbar bleiben.

Produktfähigkeiten statt nur Features

Eine weitere Debatte auf den API Days dreht sich um Developer Portale und Dokumentationen. Auf den ersten Blick klingt das nach einem rein technischen Thema. Tatsächlich geht es um etwas grundsätzliches.

Dokumentation wurden bislang für Menschen geschrieben. Gute Dokumentation sollte übersichtlich sein, schnell zum Ziel führen und den Leser nicht mit unnötigem Kontext belasten. Dieses Prinzip kommt an die Grenzen, sobald Maschinen die Inhalte nutzen.

Menschen ergänzen fehlende Informationen durch Erfahrung. Sie erkennen Konventionen, verstehen Andeutungen und fragen bei Unklarheiten nach. In Unternehmen nutzen sie zudem informelles Wissen: Wer kennt das System? Wo liegt die aktuelle Spezifikation? Welche API sollte tatsächlich verwendet werden?

Ein Agent hingegen braucht diese Zusammenhänge explizit. Er muss wissen, wofür eine API gedacht ist, welche Voraussetzungen gelten, welche Aktionen erlaubt sind, welche Daten benötigt werde und wie Fehler behandelt werden. Erst dann wird aus einer technischen Schnittstelle eine verlässlich nutzbare Geschäftsfunktion.

Kristof van Tomme, CEO Pronovix, präsentiert auf den API Days in München. Er thematisiert die Bedeutung einer API- und Datenstrategie für die effektive Nutzung von KI. Im Hintergrund sind Sponsorenlogos und das Event-Logo sichtbar.
Kristof van Tomme, CEO PronovixJoris Hensen

Was für die KI nicht auffindbar und verständlich ist, existiert für sie schlicht nicht.“

Kristof van Tomme, CEO Pronovix

Auf die Produktseite übertragen heißt das: Ein Agent sucht nicht zwingend nach einem konkreten Produktnamen. Er sucht nach einer Lösung für ein Problem. Unternehmen müssen deshalb nicht nur kommunizieren, was sie anbieten, sondern auch formulieren, wofür das Angebot geeignet ist. Der Begriff, der auf den API-Days häufig fällt, lautet „Affordance“. Gemeint ist nicht nur, was ein Produkt besitzt, sondern was sich damit tun lässt.

Was Unternehmen jetzt tun können

Nach den Vorträgen in München entsteht ein recht klares Bild:

  1. Unternehmen sollten zunächst erfassen, welche Geschäftsfähigkeiten sie tatsächlich besitzen und über welche APIs diese erreichbar sind oder sein müssten. Es geht darum, Strukturen aufzubauen und doppelte, veraltete oder unklare Schnittstellen zu identifizieren und Zuständigkeiten festlegen.
  2. Es braucht einen Fokus auf die API-Qualität. Technische Verfügbarkeit allein reicht nicht. Entscheidend sind auch Verständlichkeit, semantische Klarheit, Dokumentation und sichere Nutzbarkeit durch Agenten.
  3. Produkte sollten zudem stärker entlang von Zielen und Handlungsmöglichkeiten beschrieben werden. Nicht nur: Welche Features besitzt das Produkt? Sondern auch: Was kann ein Kunde damit erreichen?
  4. Und schließlich müssen Bereiche zusammenarbeiten, die bislang vielleicht eher punktuell vernetzt sind: Marketing, Produktmanagement, API-Teams, Architektur und Security. Die maschinenlesbare Darstellung eines Produkts ist eine strategische Aufgabe für alle Bereiche.

Wer die eigenen Unternehmensdaten besser nutzbar macht und Agenten besser zusammenspielen lässt, wird in dieser neuen Welt einen deutlichen Wettbewerbsvorteil haben.“

Matthias Biehl, IBM

Die neue Sichtbarkeit entsteht im Backend

Am Ende des Konferenztages bleibt deshalb weniger die Frage hängen, welcher MCP-Server Architektur die beste ist oder welche Agentenplattform sich durchsetzt. Entscheidender ist etwas Grundsätzlicheres. Unternehmen müssen ihre Produkte, Daten und Fähigkeiten so strukturieren, dass sie nicht nur für Menschen sichtbar, sondern auch für Maschinen verständlich und sicher nutzbar sind.

Die neue Produktsichtbarkeit beginnt nicht bei der Kampagne. Sie beginnt tief in der Architektur. Sie beginnt mit APIs. Ohne API- und Datenstrategie bleibt auch die klügste KI-Anbindung begrenzt.Joris Hensen

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