SCHWERPUNKT30. Juni 2026

ZKP & Compliance: Daten­sicher­heit auf Public Blockchains – so schätzen es DSGV und LBBW ein

Schwerpunkt: Digitaler Euro & Krypto-Assets

Zero-Knowledge-Proofs (ZKPs) revolutionieren das Bankgeheimnis auf öffentlichen Blockchains durch mathematische Privatsphäre. Sie ermöglichen die kryptografische Validierung von Transaktionen, ohne sensible Daten wie Beträge oder Identitäten offenzulegen. Über spezielle Sichtschlüssel (Viewing Keys) bleibt die regulatorische Compliance gegenüber Behörden dennoch vollständig gewahrt. Einschätzungen der LBBW und des DSGV dazu.

von Dunja Koelwel

Das Bild illustriert eine digitale Darstellung von Blockchains, bestehend aus transparenten Blöcken, die durch Linien verbunden sind. Diese Visualisierung verdeutlicht die Struktur und Funktionsweise von ZKP in der Datensicherheit auf öffentlichen Blockchains.
IuriiMotov/bigstock.com

Zero-Knowledge Proofs (ZKPs) bieten eine technologische Lösung, um das traditionelle Bankgeheimnis auf transparenten Public Blockchains rechtssicher zu wahren, denn in klassischen Blockchain-Netzwerken sind sämtliche Transaktionsdaten, Beträge und Kontostände für jeden Nutzer öffentlich einsehbar.

Für den institutionellen Handel und regulierte Finanzinstitute ist diese mangelnde Privatsphäre ein absolutes K.-o.-Kriterium. ZK-Technologien verändern dies, indem sie Transaktionen mathematisch validieren, während die Inhalte unsichtbar bleiben. Öffentliche Beobachter sehen lediglich die Korrektheit der Transaktion, nicht aber die Parteien oder Summen.

Gleichzeitig ermöglichen sogenannte „Viewing Keys“ den Banken, ausgewählten Regulierungsbehörden vollen Einblick zu gewähren. Dadurch lässt sich die notwendige Compliance im Rahmen der Geldwäschebekämpfung (AML) lückenlos nachweisen. Neben dem Datenschutz spielen auch technische Upgrades im Ethereum-Ökosystem eine zentrale Rolle für die Rentabilität von Real World Assets (RWA). Neue Skalierungslösungen und Netzwerk-Optimierungen senken die Transaktionsgebühren für tokenisierte Vermögenswerte erheblich.

Für die Interaktion der Endkunden mit der Blockchain gewinnt zudem das Konzept der Account Abstraction (ERC-4337) an Bedeutung. Es ersetzt komplexe kryptografische Schlüssel durch benutzerfreundliche Kontenstrukturen mit gewohnten Logins. Funktionen wie das Sponsoring von Netzwerkgebühren (Gas-Sponsoring) und die Wiederherstellung von Konten über Vertrauenspersonen (Social Recovery) werden dadurch erst möglich. Für die finale Abwicklung dieser Geschäfte (Delivery-vs-Payment) stehen Finanzinstitute vor einer strategischen Wahl. Sie müssen sich zwischen eigenen digitalen Geschäftsbankeneinlagen (Deposit Tokens) und digitalem Zentralbankgeld (Wholesale CBDC) entscheiden.

Wie schätzen der DSGV und die LBBW Zero-Knowledge-Proofs ein?

Christian Schäfer, DSGV

Christian Schäfer, Leiter der Abteilung Payment im DSGV, präsentiert sich in einem professionellen Porträt. Im Kontext von ZKP und Compliance wird seine Expertise in der Datensicherheit auf Public Blockchains hervorgehoben.

Christian Schäfer leitet seit dem 1. Februar 2024 die neu gebildete Abteilung Payment im DSGV (Website). Schäfer kommt von der Europäischen Zentralbank, wo er im Direktorat Marktinfrastruktur und Payment als Vorsitzender der Digital Euro Scheme Rulebook Development Group für die Entwicklung eines Zahlungsschemas für den digitalen Euro verantwortlich war.

Christian Schäfer, DSGV: „Diese Themen betreffen zentrale Infrastrukturfragen digitaler Kapitalmärkte. Wir beobachten technische Entwicklungen wie Ethereum-Upgrades, Zero-Knowledge Proofs, Account Abstraction und neue Settlement-Modelle sehr aufmerksam. Für Banken ist aber nie ein einzelner technischer Standard ausschlaggebend, sondern ein belastbares Gesamtmodell aus Regulierung, Datenschutz, Bankgeheimnis, Verwahrung, Liquidität und finaler Abwicklung. Delivery-vs.-Payment-Anwendungsfälle sind ein zentraler Mehrwert der Blockchain und der Erhalt des zweigliedrigen Finanzsystems ist dabei keine Einschränkung, sondern eine Voraussetzung für flexible Liquiditäts­bereitstellung. Im Interbankenmarkt könnte Wholesale-CBDC ein geeignetes Settlement-Instrument sein; im B2B- und Retail-Zahlungsverkehr der Giralgeldtoken, ergänzt um Stablecoins wie Qivalis dort, wo regulatorische und technische Rahmenbedingungen das erlauben. Zu einzelnen Architektur­entscheidungen oder möglichen künftigen Produktentwicklungen äußern wir uns nicht.“

Guido Zimmermann, LBBW
Guido Zimmermann, Analyst für Digitalisierungsthemen bei LBBW Research, thematisiert die Bedeutung von ZKP (Zero-Knowledge Proofs) für die Datensicherheit auf Public Blockchains im Kontext von Compliance und Datenschutz.Guido Zimmermann ist Analyst für Digitalisierungsthemen bei der LBBW Research (Website).

Guido Zimmermann, LBBW Research: „Datenschutz ist aus unserer Sicht ein essenzieller Pfeiler, wenn Blockchain-Technologie im traditionellen Finanzsektor breite Anwendung finden soll – neben der Interoperabilität verschiedener Blockchains sowie der technischen und rechtlichen Finalität von Transaktionen. Ethereum arbeitet bereits seit längerer Zeit an sogenannten Zero-Knowledge-Proofs, um Datenschutz und Skalierbarkeit zu verbessern. Die Herausforderungen an die Sicherheit für Blockchains wie Ethereum nehmen angesichts der rasanten Fortschritte im Quantencomputing zu. Unabhängig davon ist erkennbar, dass die Nachfrage nach Datenschutz auch im Krypto-Sektor zunimmt – ein Beispiel dafür ist das Interesse an privacy-orientierten Kryptowährungen wie Zcash. Mit Blick auf die Tokenisierung von Real-World Assets, kurz RWA, d. h. traditionellen Finanzaktiva, sehen wir derzeit jedoch keinen wesentlichen Einfluss der Ethereum-Upgrades auf die grundsätzliche Rentabilitätsrechnung solcher Anwendungsfälle.“

Friederike Burckhardt, LBBW
Friederike Burckhardt, Gruppenleiterin Digital Assets bei der LBBW, spricht über die Bedeutung von ZKP für die Zug-um-Zug-Abwicklung tokenisierter Assets. Ihre Expertise unterstreicht die Relevanz von Datensicherheit auf Public Blockchains.Friederike Burckhardt ist Gruppenleiterin Digital Assets im Kapitalmarktgeschäft der LBBW (Website).

Friederike Burckhardt, LBBW: „Für die Zug-um-Zug-Abwicklung tokenisierter Assets ist entscheidend, dass die Geldseite technisch verlässlich, regulatorisch anschlussfähig und rechtlich final abgewickelt werden kann. Hierfür kommt im Wholesale-Kontext digitales Zentralbankgeld in Betracht, sobald entsprechende Lösungen verfügbar sind. Stablecoins verfügen in einzelnen Märkten über einen First-Mover-Vorteil und bereits vorhandene Liquidität, bringen aber je nach Ausgestaltung regulatorische, bilanzielle und Abhängigkeitsfragen mit sich. Tokenisierte Geschäftsbankeneinlagen bzw. Deposit Tokens können mittelfristig eine sinnvolle Giralgeldlösung darstellen, insbesondere weil sie an regulierte Bankeinlagen anknüpfen und gleichzeitig programmierbare Prozesse ermöglichen. Für eine breite Nutzung sind insbesondere Interoperabilität, Marktliquidität und ein belastbarer Zentralbankgeld-Anker für die finale Interbankenabwicklung entscheidend.“ dk

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