SB & FILIALE30. Juni 2026

Verbraucher vertrauen KI bei Finanzfragen – Experten warnen vor riskanter Selbstberatung

Tokenisierung Banking Mood
ChatGPT

Immer mehr Verbraucher setzen bei Finanzfragen auf generative KI. Laut einer Umfrage des Online-Broker-Vergleichsportals BrokerChooser hat bereits knapp ein Drittel der Befragten (29 Prozent) KI-Tools wie ChatGPT oder Copilot genutzt, um sich zu Themen wie Sparen, Investieren oder Schulden beraten zu lassen. Weitere 31 Prozent könnten sich dies künftig vorstellen. Damit würden insgesamt rund sechs von zehn Befragten KI zumindest grundsätzlich für Finanzfragen heranziehen.

Für die Studie wurden 2.000 Personen zu ihrem Nutzungsverhalten rund um KI-gestützte Finanzberatung befragt. Besonders stark verbreitet ist die Nutzung bei jüngeren Generationen: Mehr als die Hälfte der Millennials zwischen 25 und 34 Jahren (54 Prozent) sowie 47 Prozent der Generation Z haben bereits KI für Finanzfragen eingesetzt. Bei den über 55-Jährigen liegt der Anteil dagegen bei unter zehn Prozent. Die Untersuchung zeigt zudem, dass KI für zahlreiche Nutzer längst zum festen Bestandteil ihrer Finanzplanung geworden ist. Unter denjenigen, die bereits KI für Finanzfragen nutzen, greifen 17 Prozent täglich auf entsprechende Tools zurück. Weitere 25 Prozent konsultieren KI vier bis sechs Tage pro Woche.

Besonders intensiv ist die Nutzung in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen: Hier nutzt mehr als jeder Fünfte KI täglich für finanzielle Entscheidungen. Im Durchschnitt wird KI laut Studie an 3,1 Tagen pro Woche für finanzbezogene Fragestellungen eingesetzt.

Während viele Anwender KI vor allem für vergleichsweise risikoarme Aufgaben wie die Suche nach besseren Sparzinsen (43 Prozent), Budgetplanung (38 Prozent) oder das Erreichen von Sparzielen (33 Prozent) nutzen, weitet sich der Einsatz zunehmend auf sensible Anlageentscheidungen aus. So verwenden bereits 30 Prozent der Befragten KI, um Investments auszuwählen oder zu vergleichen. 22 Prozent nutzen die Systeme sogar für Börsenprognosen.

KI wird zunehmend in der Finanzberatung eingesetzt, da sie sofortige und leicht zugängliche Antworten auf nahezu jede Frage liefert. Wenn es jedoch um echtes Geld geht, sollte KI stets zur Information und nicht zur Entscheidungsfindung eingesetzt werden, und Verbraucher sollten sich bei Finanzfragen immer auf vertrauenswürdige, regulierte Quellen verlassen.“

Adam Nasli, leitender Brokeranalyst bei BrokerChooser

Aus Sicht von BrokerChooser birgt diese Entwicklung erhebliche Risiken. Generative KI arbeite auf Basis historischer Daten und Muster und könne individuelle Faktoren wie persönliche Risikobereitschaft, finanzielle Ziele oder kurzfristige geopolitische Entwicklungen nur eingeschränkt berücksichtigen. Zudem unterliegen KI-Anwendungen keiner Regulierung durch Aufsichtsbehörden wie die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie auf Finanztipps eines KI-Tools reagieren würden?
BrokerChooser

Mehr als die Hälfte würde KI-Empfehlungen folgen

Besonders bemerkenswert: Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) gab an, zumindest wahrscheinlich auf Finanztipps von KI-Systemen reagieren zu wollen. Knapp drei Prozent erklärten sogar, den Empfehlungen von KI grundsätzlich zu folgen. Vor allem Millennials zeigen ein hohes Vertrauen: In den Altersgruppen zwischen 25 und 44 Jahren würden mehr als 70 Prozent KI-Empfehlungen berücksichtigen. Auch Gutverdiener mit Jahreseinkommen von mehr als 85.000 Euro zeigen eine überdurchschnittlich hohe Bereitschaft, KI-Ratschläge umzusetzen.

Trotz der wachsenden Akzeptanz genießt die klassische Finanzberatung weiterhin einen Vertrauensvorsprung. Wenn die Kosten keine Rolle spielen würden, bevorzugen 44 Prozent der Befragten weiterhin einen menschlichen Finanzberater. Rund ein Drittel vertraut menschlichen Beratern und KI-Systemen gleichermaßen, während lediglich 15 Prozent ausschließlich auf KI setzen würden. Besonders ältere Verbraucher halten an der persönlichen Beratung fest. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass generative KI zunehmend in den Alltag von Anlegern und Sparern vordringt. Für Banken, Vermögensverwalter und FinTechs dürfte sich damit die Frage verschärfen, wie sich KI-gestützte Services regulatorisch absichern und mit menschlicher Beratung kombinieren lassen.tw

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