STRATEGIE15. September 2026

Quantencomputer als Sicherheitsrisiko – wie gut ist die Finanzbranche vorbereitet?

Andreas Gerhardt, Experte für digitale Transformation und CEO GlobalConnect in Deutschland
Andreas Gerhardt, CEO GlobalConnect in DeutschlandGlobalConnect

Banken und Versicherungen treiben Digitalisierung, KI und Cloud-Anwendungen voran. Gleichzeitig stellen künftige Quantencomputer neue Anforderungen an den Schutz sensibler Daten. Quantensicherheit wird damit schon heute zum strategischen Thema und leistungsfähige Glasfasernetze zu einem wichtigen Teil der Sicherheitsinfrastruktur.

von Andreas Gerhardt, CEO GlobalConnect Deutschland

Die Digitalisierung des Finanzsektors schreitet mit hoher Geschwindigkeit voran. Banken und Versicherungen verlagern Anwendungen in die Cloud, setzen zunehmend künstliche Intelligenz ein und entwickeln digitale Services, die rund um die Uhr verfügbar sein müssen. Echtzeitzahlungen, Open Banking und automatisierte Prozesse sorgen dafür, dass immer größere Datenmengen immer schneller verarbeitet und übertragen werden.

Damit steigen jedoch nicht nur die Anforderungen an Rechenleistung und Konnektivität. Auch Cybersecurity, Ausfallsicherheit und regulatorische Anforderungen rücken stärker in den Mittelpunkt. Vorgaben wie DORA und NIS2 zeigen, welchen Stellenwert die Resilienz digitaler Infrastrukturen inzwischen hat.

Das bedeutet: Cybersecurity darf nicht erst bei Anwendungen und Software beginnen. Sie muss bereits bei der zugrunde liegenden digitalen Infrastruktur mitgedacht werden.“

Daten müssen auch in vielen Jahren noch sicher sein

Kaum eine Branche verarbeitet so viele sensible und langfristig relevante Informationen wie die Finanz- und Versicherungswirtschaft. Kontodaten, Vermögensinformationen, Transaktionen, Vertrags- und Kundendaten müssen zuverlässig geschützt werden – teilweise über Jahrzehnte hinweg.

Mit der zunehmenden Digitalisierung wächst zugleich die potenzielle Angriffsfläche. Das betrifft nicht nur aktuelle Cyberangriffe. Unternehmen müssen sich heute auch mit einer technologischen Entwicklung beschäftigen, deren volle Wirkung möglicherweise erst in einigen Jahren spürbar wird: dem Quantencomputing.

Leistungsfähige Quantencomputer versprechen enorme Fortschritte bei komplexen Berechnungen. Gleichzeitig könnten sie langfristig einige der heute verbreiteten asymmetrischen Verschlüsselungs­verfahren gefährden.

Für die Finanzbranche entsteht daraus eine besondere Herausforderung: Wie lassen sich Daten schützen, die auch dann noch vertraulich sein müssen, wenn Quantencomputer deutlich leistungsfähiger sein werden als all das, was wir bisher kennen?“

„Harvest Now, Decrypt Later“: Das Risiko beginnt vor dem Quantencomputer

Relevant ist dabei das sogenannte „Harvest Now, Decrypt Later“-Szenario.

Angreifer können bereits heute verschlüsselte Daten abfangen und speichern, obwohl sie diese mit heutigen technischen Mitteln nicht entschlüsseln können.“

Die Hoffnung dahinter: Künftige Quantencomputer könnten es ermöglichen, einen Teil dieser Informationen nachträglich zu entschlüsseln.

Das bedeutet: Entscheidend ist nicht allein die Frage, wann ein ausreichend leistungsfähiger Quantencomputer verfügbar sein wird. Entscheidend ist auch, wie lange die heute übertragenen Informationen vertraulich bleiben müssen.

Gerade für Banken, Versicherungen und andere Unternehmen mit besonders sensiblen und langlebigen Daten wird Quantensicherheit deshalb bereits heute zu einem strategischen Thema. Wer erst reagiert, wenn leistungsfähige Quantencomputer verfügbar sind, könnte zu spät kommen.

Zwei Wege in Richtung Quantensicherheit

Autor Andreas Gerhardt, CEO GlobalConnect Deutschland
Andreas Gerhardt steht im Porträt vor einer grauen Wand neben einem hellen Fenster. Er trägt Brille, dunkelblaues Sakko und hellblaues Hemd und blickt freundlich in die Kamera.Andreas Gerhardt ist Experte für die digitale Transformation und CEO von GlobalConnect in Deutschland. GlobalConnect ist Anbieter von digitaler Infrastruktur und Datenkommunikation in Dänemark, Norwegen, Schweden, Deutschland und Finnland und betreibt ein umfangreichex Glasfasernetz.

Grundsätzlich zeichnen sich derzeit zwei wichtige technologische Ansätze ab, um Kommunikation auf das Quantenzeitalter vorzubereiten.

Post-Quantum Cryptography (PQC) setzt auf neue kryptografische Verfahren, die auch Angriffen durch Quantencomputer standhalten sollen. Ein wesentlicher Vorteil: PQC lässt sich grundsätzlich auf bestehender Kommunikations­infrastruktur einsetzen. Für Unternehmen geht es deshalb zunehmend darum, ihre kryptografischen Systeme zu analysieren, Abhängigkeiten zu identifizieren und eine schrittweise Migration vorzubereiten.

Ein anderer Ansatz ist die Quantum Key Distribution (QKD). Hier werden kryptografische Schlüssel mithilfe quantenphysikalischer Prinzipien ausgetauscht. Abhörversuche auf dem Quantenkanal können dabei aufgrund der physikalischen Eigenschaften erkannt werden. Für solche Anwendungen spielt Glasfaser eine zentrale Rolle, da Quantensignale über entsprechende Glasfaserverbindungen übertragen werden können.

PQC und QKD sind dabei nicht zwingend als konkurrierende Technologien zu verstehen. Je nach Schutzbedarf und Anwendungsfall können sie unterschiedliche Rollen in einer zukünftigen Sicherheitsarchitektur übernehmen.

Glasfaser wird zur Sicherheitsinfrastruktur

Damit verändert sich auch die Bedeutung von Glasfaser. Lange wurde der Glasfaserausbau vor allem mit Bandbreite und Geschwindigkeit verbunden. Für Banken und Versicherungen greift diese Perspektive inzwischen zu kurz.

Leistungsfähige Glasfasernetze bilden die Basis für Cloud Computing, KI-Anwendungen, hochverfügbare Rechenzentren und die Verarbeitung großer Datenmengen in Echtzeit. Zugleich können sie künftig eine wichtige Grundlage für quantensichere Kommunikationsnetze bilden.

Glasfaser entwickelt sich damit von der schnellen Datenleitung zur strategischen digitalen Infrastruktur – und zunehmend auch zur Sicherheitsinfrastruktur.

Doch auch wenn leistungsfähige Quantencomputer noch nicht verfügbar sind, sollte die Branche frühzeitig Kompetenzen aufbauen und ihre Infrastruktur überprüfen. Denn die Umstellung komplexer IT- und Sicherheitsarchitekturen braucht Zeit. Entscheidend ist, bereits heute zu verstehen, welche Daten und Kommunikationswege besonders kritisch sind und welche Anforderungen neue Sicherheitsverfahren an Netze, Rechenzentren und IT-Architekturen stellen.

Was Banken und Versicherungen jetzt tun sollten

Es geht nicht darum, bestehende Sicherheitsarchitekturen kurzfristig vollständig umzubauen. Vielmehr sollte Quantensicherheit bereits heute Teil der langfristigen IT- und Infrastrukturstrategie werden.

Ein erster Schritt ist eine Bestandsaufnahme: Welche Daten müssen besonders lange geschützt werden? Wo werden sie gespeichert und über welche Netze übertragen? Welche Verschlüsselungs­verfahren kommen zum Einsatz? Und welche Systeme wären von einer künftigen Migration auf Post-Quantum-Verfahren betroffen?

Parallel sollten Unternehmen ihre Crypto-Agility erhöhen – also die Fähigkeit, kryptografische Verfahren bei Bedarf austauschen oder ergänzen zu können.

Ebenso wichtig ist der Blick auf die physische Infrastruktur. Wer heute Cloud-, Rechenzentrums- und Netzstrategien für die kommenden Jahre plant, sollte die Anforderungen von KI, wachsenden Datenmengen und neuen Sicherheitsverfahren mitdenken. Leistungsfähige und resiliente Glasfasernetze, redundante Verbindungen und sichere Rechenzentrums­anbindungen werden damit zu einem wichtigen Bestandteil langfristiger Cybersecurity-Strategien.

Infrastruktur wird zum strategischen Wettbewerbsvorteil

Wann Quantencomputer heutige Verschlüsselungs­verfahren tatsächlich gefährden können, lässt sich nicht exakt vorhersagen. Für den Finanzsektor ist das jedoch kein Grund abzuwarten. KI, Cloud Computing und digitale Geschäftsmodelle erhöhen bereits heute die Anforderungen an Netze, Rechenzentren und Cybersecurity.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Wann kommt der Quantencomputer? Sondern: Ist unsere digitale Infrastruktur darauf vorbereitet?

Wer heute in leistungsfähige Glasfasernetze, resiliente Infrastrukturen und moderne Sicherheitskonzepte investiert, schafft die Grundlage für Digitalisierung, KI und sichere Kommunikation im Quantenzeitalter.Andreas Gerhardt, GlobalConnect/aj

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