ALLGEMEIN11. November 2019

Alipay und Wechat-Pay: Jetzt auch für deutsche Kreditkartenkunden verfügbar

Mercigod / BigStock

Wechat und Alipay öffnen sich in Zukunft ausländischen Kunden. So können europäische China-Touristen in Zukunft die dort vorherrschenden Zahlungsdienstleister mit ihren gewohnten Kreditkarten von Visa bis Mastercard nutzen – ein echter Vorteil für Geschäftsreisende und Touristen, die das Reich der Mitte bereisen. Doch die Nachricht ist auch für deutsche Banken und Finanzdienstleister relevant. Denn die Neuverteilung des Payment-Marktes tritt damit in eine neue Phase ein, wie auch Ralf Gladis, Gründer und Managing Director von Computop, ausführt.

Geschäftsreisende und Touristen in China hatten in der Vergangenheit das Problem, das sie die im Reich der Mitte populären Payment-Lösungen Alipay und Wechat Pay nicht nutzen konnten – und so im schlimmsten Fall bei bestimmten Händlern nicht oder nur mit Mühe Waren und Dienstleistungen bezahlen konnten. Denn ausländische Kreditkarten waren bei chinesischen Händlern nicht gerne gesehen und auch die Versorgung mit Bargeld ist inzwischen in vielen Situationen außerhalb der Metropolen ein Problem.

Das ändert sich nun, wie Medienberichte (etwa von CNBC) zeigen: Gängige Kreditkarten wie Visa und Mastercard sollen in Zukunft auch mit den QR-Code basierten Payment-Lösungen kompatibel sein. Realisiert werden soll dies über eine spezielle internationale Version der jeweiligen Android- und iOS-Apps, die die Einbindung ausländischer Kreditkarten über die Mobilfunknummer ermöglichen. Nachdem Alibaba eine entsprechende Ankündigung in der vergangenen Woche machte, zog Wechat kurze Zeit später nach und erklärte, auch American Express-Karten würden hier unterstützt.

Der Markt ist groß – laut aktuellen Statistiken besuchten im vergangenen Jahr 141 Millionen ausländische Touristen China. Bisher war die Öffnung der Payment-Lösungen aber eher umgekehrt verlaufen – immer wieder gab es in den letzten Monaten Meldungen über Warenhäuser und Ketten in Deutschland, die Alipay- und Tencent-fähig sind. Denn deutsche Waren und Marken gelten in China als sehr hochwertig und langlebig und stehen daher als Mitbringsel von der Europareise hoch im Kurs.

Alipay und Wechat bringen westliche Digitalkonzerne in Bedrängnis

Die zunehmende Annäherung der chinesischen Payment-Anbieter dürfte auch im europäischen (E-Commerce- und Banken-) Markt einiges verändern. Denn profitierten beide populären Bezahlverfahren in den Anfangsjahren vornehmlich von einer Art Mashup-Strategie aus diversen bekannten Bezahlverfahren der westlichen Welt, sind es mittlerweile oftmals eigene Ideen und Innovationen, aus denen sie einen Mehrwert schaffen. Das weiß auch Ralf Gladis, Gründer und Managing Director des Payment Service Providers Computop:

Ralf Gladis, CEO Computop
Computop

Die chinesischen Payment-Anbieter sind auch in Europa als Zahlungsdienstleister registriert, und die Fähigkeiten ihrer Apps gehen weit über das in Europa und Amerika übliche Maß hinaus. Zum Beispiel nutzen in China viele Händler, Restaurants und Reisebüros die Möglichkeit, ihre Produkte in Mini-Shops innerhalb der Wechat App anzubieten. Und Alipay ermöglicht seinen Benutzern viele Zusatzleistungen, zum Beispiel zinsstarke Kredite und Steuererstattung für Einkäufe im Ausland.“

Ralf Gladis, Managing Director des PSP Computop

All das sind Features, die in dieser Kombination weder in Europa noch in den USA verfügbar sind. Doch bisher haben sich Alipay und Wechat darauf konzentriert, den Handel in Europa und Amerika zur Annahme von QR-Code-Zahlungen chinesischer Kunden zu befähigen und die Bezahlfunktion eng mit ihrem Messenger verknüpft.

Wenn jetzt aber der umgekehrte Schritt erfolgt und europäische (und andere westliche) Nutzer dank ihrer hinterlegten Kreditkarte die Annehmlichkeiten der chinesischen Payment-Dienstleister erleben, dann wird das zum einen die westlichen Mitbewerber in Zugzwang bringen, zum anderen aber auch Alipay und Wechat den Markt in die westlichen Länder bereiten. Das betrifft einerseits die westlichen Banken und Finanzdienstleister, noch vielmehr aber die Digitalkonzerne wie Google, Apple, Paypal und Amazon.

Alipay und WeChat haben das berüchtigte Henne-Ei-Problem gelöst: Sie sind im Handel etabliert, und jetzt kommen die Konsumenten in Europa und Amerika dazu. Nicht nur die hiesigen Banken, sondern auch die mächtigen Westküsten-Größen wie Apple, Google und Paypal müssen sich in den nächsten Jahren auf harte Konkurrenz aus China einstellen, die im Bereich E-Commerce und Payment innovativ die Nase vorn haben und genauso viel Erfahrung mitbringen. Der Kampf um die Konsumenten in Europa startet genau jetzt.“

Ralf Gladis, Gründer und Managing Director des Payment Service Providers Computop

tw

 
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