STRATEGIE2. September 2018

Banking: Letztlich nur „spezielles Datenmanagement“?

Datenmanagement
agsandrew/bigstock.com

Das Kerngeschäft der Banken ist die Infor­mations­verarbeitung. Die Produkte der Banken sind nichts anderes als Information. Der Absatz der Produkte erfolgt immer seltener über Filialen oder durch Kundenberater. Mit dem Smartphone lassen sich die meisten Bankgeschäfte orts- und zeitunabhängig erledigen. Wenn es also im Prinzip nur um die Weiterverarbeitung von Daten in Informationen und um deren Bewertung und Darstellung geht – ist das Banking dann letztlich nichts anderes als „spezielles Datenmanagement“?

von Ralf Keuper

Banking, so der Wirtschaftsredakteur und Autor Dr. Norbert Häring, wandelt sich im­mer mehr in Rich­tung Da­ten­ma­nage­ment. Nur dort, wo per­sön­li­che Be­zie­hun­gen und Kennt­nis­se von Be­deu­tung sind, ist das Ban­king mehr als nur Da­ten- bzw. In­for­ma­ti­ons­ver­ar­bei­tung. (Vgl. da­zu: “Banking ist im Wesentlichen spezielles Datenmanagement” – Interview mit Dr. Norbert Häring).

Wenn es sich so verhält, dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Technologiekonzerne den Banking-Part in ihr Datenmanagement integrieren.

Im dem Buch Die Wirtschaftswelt der Zukunft wird der Gründer des FinTech-Startups Standard Treasury mit den Worten zitiert:

Was tun Banken? Sie speichern Wert, sie bewegen Wert, sie bepreisen Risiken. Das sind alles Funktionen eines Datenunternehmens. Wenn sie es wollten, könnten die Leute von Google diese drei Aufgaben besser als die meisten Banken erledigen.“

Zu einer ähnlichen Bewertung kommt Viktor Mayer-Schönberger. In einem Interview mit der ZEIT monierte er, dass die Banken es über die Jahrzehnte versäumt hätten, aus den riesigen Datenmengen einen Mehrwert für ihre Kunden zu erzeugen. Das machen nun andere.

In den 1980er Jahren forderte der damalige Deutsche Bank – Vorstand Eckart van Hooven die Banken dazu auf, sich in

gigantische Kommunikationsunternehmen zu wandeln, deren wesentliche Funktion es ist, zuverlässige Daten zu kommunizieren und damit Auskunft zu geben über alles, was den Umgang mit Geld betrifft (in: Gewerbe im Wechsel (manager magazin 9/1984)

Davon sind die Banken heute weit entfernt. Die Chance wurde vertan. Dennoch bleibt der Auftrag: Wenn Banken ihre Stellung auch nur ansatzweise behaupten wollen, dann müssen sie in der Lage sein, die Auskünfte zu geben, von denen van Hooven sprach, d.h. sie müssen nicht nur Daten über den Umgang mit Geld, sondern auch über den Umgang mit den personenbezogenen Daten der Kunden und deren Digitale Identitäten geben.

Autor Ralf Keuper, Bankstil
Ralf Keuper ist Bank- und Di­plom­kauf­mann und seit rund 15 Jah­ren in ver­schie­de­nen Po­si­tio­nen be­ra­tend im Ban­ken­um­feld tä­tig. Er be­rät Ban­ken bei der di­gi­ta­len Trans­for­ma­ti­on so­wie Fin­Techs bei ih­rem Markt­ein­tritt. Ke­u­per hat un­ter an­de­rem als Se­ni­or Con­sul­tant Ban­king bei der COR&FJA AG und Se­ni­or Con­sul­tant Ban­king & Fi­nan­cing bei Ste­ria Mum­mert Con­sul­ting AG ge­ar­bei­tet. Er kom­men­tiert auf sei­nem Blog Identity Economy die Ent­wick­lun­gen in den Be­rei­chen In­dus­trie 4.0, In­ter­net of Things (IoT) und Di­gi­ta­le Iden­ti­tä­ten, die gro­ße Aus­wir­kun­gen auf das Ban­king ha­ben. Mehr noch: Ban­king wird Teil der Da­ten- und Platt­formöko­no­mie. In ver­schie­de­nen Beiträgen und Veranstaltungen hat er dazu Position bezogen. Alle Beiträge von Ralf Keuper finden Sie hier.
Für die Unternehmenskunden kommt die Aufgabe hinzu, den Schutz der Maschinendaten und sicheren digitalen Identitäten zu gewährleisten und für den sicheren Datenaustausch zwischen Unternehmen zu sorgen. Ob das dann noch eine Bank in Form einer Institution, wie wir sie heute noch kennen, sein wird, ist fraglich. Es ist nicht einmal ausgemacht, dass es überhaupt noch großer Institutionen/Intermediäre bedarf.

Eher sieht es danach aus, als würde das Banking als weitere Funktion in die Industrie 4.0 und den Handel/E-Commerce integriert.“

Allerdings könnten die Regulierung und das Kartellrecht den Banken zu Hilfe kommen. Der Unmut gegenüber der Marktmacht von Google & Co. nimmt – nicht nur in Europa – spürbar zu. Der Bedarf nach vertrauenswürdigen, weitestgehend unabhängigen Instanzen/Institutionen, die als Vermittler/Datenmanager zwischen den Parteien auftreten, dürfte wachsen. Das wäre dann eine Chance für die bestehenden Banken aber mehr noch für neue bankähnliche Organisationen auf Blockchain-Basis. Eventuell erleben wir eine Renaissance des Genossenschaftswesens – so etwas wie eine Bank für Maschinendaten e.G. So abwegig ist das nicht (mehr). Damit kämen der regionale und persönliche Bezug zurück. Banking wäre dann mehr als nur „spezielles Datenmanagement“.Ralf Keuper

 
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