FINTECH28. Oktober 2020

Billfront: Wechsel von der SolarisBank zur Raisin.Bank – die Hintergründe im Interview mit CEO Greg Dimitriou

BillFront will mit innovativen Finanzierungslösungen die „Digital Economy“ unterstützen, vom E-Commerce-Shop bis hin zum Software- und Medienunternehmen. Mitte September 2020 hat BillFront seinen Bankdienstleister gewechselt: Weg von der SolarisBank, hin zur Raisin.Bank. Wir wollen wissen warum? Greg Dimitriou, Billfront-Gründer und -CEO, hat unsere Fragen beantwortet.

Greg Dimitriou ist Billfront-Gründer und CEO
Billfront

Herr Dimitriou, warum wechselte Billfront von der SolarisBank zur Raisin.Bank?

Da wir in Deutschland selbst keine Vollbanklizenz besitzen (sondern nur die eines Kreditvermittlers), bezogen wir bei der solarisBank und nun bei der Raisin Bank, die Dienstleistung des “Kredit-Fronting”, was im Wesentlichen die aufsichtsrechtlich konforme Kreditvergabe ermöglicht und sicherstellt. Dabei geht es unter anderem um die Durchführung der KYC-Checks, die Kreditentscheidung und die Kreditvergabe, wofür es eine Vollbanklizenz nach dem KWG braucht.

Den Großteil der Wertschöpfung, inklusive der Kundenansprache und -betreuung, Risikoanalyse auf Basis der mit der Bank und dem Refinanzierungspartner abgestimmten Rahmenparameter, Refinanzierung über die NIBC-Bank etc. p.p. machen wir.

Wir waren mit der Zusammenarbeit mit solarisBank zufrieden, aber Kredit-Fronting ist u.a. das Kerngeschäft der Raisin Bank, während sich die solarisBank eher auf Payments (siehe kürzliches Samsung Pay-Announcement) und Massengeschäft fokussiert.“

Da wir erwarten, weiterhin in Deutschland stark zu wachsen, sind wir also zum Spezialanbieter gewechselt.

Greg Dimitriou, Billfront-Gründer/CEO
Greg Dimitriou ist Billfront-Gründer und -CEOGreg Dimitriou ist Gründer und CEO der BillFront-Gruppe (Website), die er zu­sam­men mit fin­leap 2015 ge­grün­det hat. Bill­Front hat sich zur Auf­ga­be ge­stellt, mit in­no­va­ti­ven Fi­nan­zie­rungs­lö­sun­gen die „Di­gi­tal Eco­no­my“ zu un­ter­stüt­zen. Ak­tu­ell ver­mit­telt bzw. ver­gibt die Bill­Front Grup­pe welt­weit Dar­le­hen im Wert von mehr als €100 Mio. pro Jahr. Haupt­sitz von Bill­Front ist Ber­lin mit Nie­der­las­sun­gen in Lon­don und New York.

Vor der Grün­dung Bill­Fronts war Greg zwölf Jah­re in füh­ren­den Po­si­tio­nen in den TMT In­vest­ment Ban­king und M&A-Ab­tei­lun­gen bei JP ­Mor­gan in New York und Lon­don tä­tig. Da­bei war er zu­letzt als Exe­cu­ti­ve Di­rec­tor zu­stän­dig für die Be­treu­ung von Un­ter­neh­men aus den Tech­no­lo­gie-, Me­di­en- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons-Bran­chen bei Ka­pi­tal­markt und M&A-Trans­ak­tio­nen in Eu­ro­pa und Nordamerika.

Welche Vorteile bringt das?

Wir können nun unseren Kunden einen schnelleren und reibungsloseren Kreditprüfungs- und Vergabeprozess anbieten, sowie mehr Flexibilität, um gezielter auf deren Bedürfnisse eingehen zu können.

Konnten Sie damit Ihr Angebot erweitern? Wenn ja – um welche Leistungen?

Ja. Über die Kredit-Fronting-Partnerschaft mit der Raisin Bank können wir auch weitere Finanzierungslösungen anbieten. Eine Erweiterung unseres Angebots ist bereits in Planung, dazu gehören unter anderem das Launchen von umsatzbasierten Finanzierungen für Unternehmen aus den Bereichen E-Commerce und SaaS.

 Wie lange dauerte die Umstellung?

 Das gesamte Projekt dauerte 5-6 Monate (Corona-bedingt kam es zu einigen Verzögerungen).“

 War die Anpassung der API bei BillFront schwierig?

Nein, das verlief reibungslos, da alle Beteiligten digital aufgestellt sind. Wir haben eigene Schnittstellen und “dashboards”, an die sich die solarisBank verknüpfte, und jetzt eben die Raisin Bank.

 Was war das größte Problem?

Große Probleme gab es kaum, da Raisin Bank mit dem Kredit-Fronting bestens vertraut ist. Die technische Anbindung und Überleitung unserer deutschen Bestandskunden waren unproblematisch.“

Zeitintensiver waren aber die Vertragsgestaltung des Wechsels aller unserer Kunden in Deutschland von einer Bank zur anderen sowie die Anpassung unserer Refinanzierungsverträge.

Wie geht es nun weiter – was sind Ihre Pläne für BillFront?

Unsere kurz- bis mittelfristigen Pläne sind:

  1. Ausbau unserer Palette an Finanzierungslösungen für die Digital Economy. Wir haben 2017 in Deutschland mit forderungsbesicherten Darlehen begonnen, wollen aber nächstes Jahr auch umsatzbasierte Finanzierungen vermitteln (“revenue-based lending”)
  2. Aus- und Aufbau von automatisierten Vertriebsstrukturen (“embedded finance”) für noch mehr Skalierbarkeit:
    1. Neue Distributionspartner: Wir sind vor kurzem z.B. mit einer Buchhaltungssoftware (Name noch vertraulich) in Großbritannien eine Kooperation eingegangen. Dabei wird unsere Finanzierungslösung, mit voll-digitaler Antragsstrecke, direkt in deren app store angeboten. Weitere solcher Partnerschaften sind in Planung.
    2. Supply-Chain Financing: Wir arbeiten aktiv mit bereits existierenden Großkunden daran, deren Lieferanten schnellere Zahlungsziele vermitteln zu können (“reverse factoring”)
  3. Finanzierungsrunde: Um unsere Marktposition in Deutschland und im Ausland (vor allem in Großbritannien und den USA) weiter auszubauen, planen wir für das erste Quartal 2021 eine neue Finanzierungsrunde. Wir bereiten gerade die Investorenansprache hierfür vor.

Herr Dimitriou, vielen herzlichen Dank für das Interview.aj

 
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