EVENTS & MESSEN19. Dezember 2017

Blockchain in der Finanzwirtschaft: Zwischen Hype und Umsetzung

Andreas Fletcher, Business Analyst, Deutsche Börse / Daniel Grassinger, Mitgründer, nexussquared / Alexander Borodich, Gründer und CEO, Universa / Farzad Pezeshkpour, Distinguished Engineer, Royal Bank of Scotland v.l.n.r. nahmen an der Podiumsdiskussion teil. Lisa Pavlova

Die Blockchain ist im Moment in aller Munde. Doch sie taugt nicht nur als Grundlage für Bitcoin und andere Digitalwährungen, sondern kann auch Grundlage für vielfältige Unternehmensprozesse in der Finanzwirtschaft sein, bei denen es auf Vertrauen und Fälschungssicherheit ankommt. Anlässlich eines Events in München wurden nun praxisgerechte Blockchain-Lösungen präsentiert, die sich für die Kooperation auf Augenhöhe unterschiedlicher Partner eignet. Ein gemeinsam von den Beratungsunternehmen zeb und DataArt ausgerichtetes Blockchain-Event zeigt drei Schlüsselfaktoren für die erfolgreiche Implementierung praxisgerechter Blockchain-Lösungen auf: radikal veränderte Einstellung Innovationen gegenüber, Vertrauen in partnerschaftliche Modelle und angstfreies Experimentieren mit der neuen Technologie.

Am 22. November 2017 richteten das global tätige Technologieberatungsunternehmen DataArt und Europas führende Strategie- und Managementberatung für die Finanzindustrie zeb gemeinsam das Blockchain-Event „Vom Hype zur Produktion“ aus. Namhafte-Blockchain Experten gewährten Einblicke in die Implementierung von Blockchain-Lösungen im Finanzbereich und verglichen den aktuellen Stand Deutschlands mit dem Rest der Welt. Über siebzig Gäste folgten der Diskussion im Münchner Werk 1.

Deutschland in Sachen Blockchain noch nicht vorne dabei

Prof. Dr. Philipp Sandner, Gründer des Blockchain Centers der Frankfurt School of Finance and Management moderierte die Veranstaltung. Er stellte zum Auftakt Lösungen vor, die er am Blockchain Center betreute, und machte deutlich, dass in Deutschland Industrieunternehmen die Blockchain bisher nur adaptieren, während sie auf dem internationalen Spielfeld auf viel größere Akzeptanz stößt – besonders in Großbritannien, Singapur, in den USA und teilweise auch in arabischen Ländern. DataArts-Chefberater Denis Baranov beschrieb einige Blockchain-Projekte von DataArt für große Akteure der Finanzdienstleistungsbranche. „Beim Umsetzen dieser Blockchain-Projekte haben wir gelernt, wie wichtig ein klarer Geschäftsfokus ist.“

Mit der richtigen Strategie und dem passenden Szenario kann die Blockchain die Spielregeln des Businesses grundlegend verändern. Bei willkürlicher Nutzung ist sie dagegen Zeitverschwendung. Hinter der Blockchain steckt mehr als nur eine Technologie.“

Dr. Florian Forst, Partner von zeb

Deutschland müsse sich auf die Enterprise-Blockchain zubewegen. Erfolgsrelevante Faktoren seien dabei wirkliche Zusammenarbeit der beteiligten Partner, veränderte Geschäftsmentalität und Experimentierfreude ohne Angst vorm Scheitern. Farzad Pezeshkpour, Distinguished Engineer der Royal Bank of Scotland, versetzte das Publikum in Erstaunen, als er erzählte, wie eng sein Unternehmen mit Marktbegleitern und Aufsichtsbehörden zusammenarbeitete, um eine skalierbare Blockchain-Anwendung zu entwickeln. Die Blockchain funktioniere nur bei wirklich partnerschaftlichem Engagement aller Beteiligten. Dem stimmt Alexander Borodich, Gründer und CEO von Universa, zu und betont die neuen Spielregeln des Geschäfts: „In einer dezentralisierten Welt gibt es keine Wettbewerber, sondern nur Kooperativen. Das ist das neue Denken, das wir uns in den
kommenden Jahren aneignen müssen.“

Neue Spielregeln: Ohne Kooperation auf Augenhöhe geht es nicht

Ein weiteres Erfolgskriterium für effiziente Blockchain-Nutzung bildet eine andere unternehmerische Einstellung gegenüber Innovationen. Daniel Grassinger, Co-Founder von nexussquared, plädierte hier für eine umfassende Bereitschaft zur Veränderung. Oft stecke hinter Innovation der Versuch,mit einer neuen Technologie alte, bereits lange existierende Prozesse zu modernisieren.

Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, die Unternehmenslandschaft unzuwälzen. Sie kann im besten Fall bewirken, dass große Firmen ihre Geschäftsprozesse und Prozessabläufe ganz neu überdenken.“

Andreas Fletcher, Business Analyst der Deutsche Börse AG

Weiter Weg bis zum globalen Standard für Finanztransaktionen

Die Blockchain avanciert zum integralen Bestandteil operativer Infrastrukturen für Finanzdienstleistungen, manche Finanzgrößen sind über den Prototypen-Status schon hinaus und arbeiten an blockchainbasierten Dienstleistungen. In nur wenigen Jahren wird sie zur Mainstream-Technologie reifen, voraussichtlich den globalen Standard für Finanztransaktionen darstellen und fast alle Unternehmen des Finanzsektors beeinflussen. Die Blockchain sei noch in der Entwicklung und brauche noch ein paar Jahre zum totalen Durchbruch, so etwas hören die Speaker immer wieder. Aber: Die Skills, die Geschäftsprozesse und die Infrastruktur auf einen funktionierenden Einsatz der Blockchain vorzubereiten, die Adaption mit Partnern zu synchronisieren – auch das benötigt Zeit!

Alle Experten stimmten überein, dass sich deutsche Firmen der Blockchain zu vorsichtig annäherten – dieses zögerliche Verhalten könne auf Kosten der Wettbewerbsfähigkeit gehen. Deutsche Unternehmen, so der Rat, sollten das Feld der schieren Prototypen verlassen und sich endlich realen Projekten widmen, sonst schließt die neue Realität sie aus. tw

 
Sie finden diesen Artikel im Internet auf der Website:
https://itfm.link/62621
 
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (7 Stimmen, Durchschnitt: 2,43 von maximal 5)
Loading...

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Financial Innovation Award für Digitalisierungsprojekt von GFT und Deutsche Bank

Rund 2.000 Einzelapplikationen mit Hilfe einer Plattform zu ersetzen, das war der Jury der Financial Innovation Awards eine Auszeichnung wert. So schafften GFT Technologies...

Schließen