ANWENDUNG12. Oktober 2020

Blockchain gehört zur Zukunft der Förderbanken – der Praxisbericht ‚Blockchain-Schuldscheindarlehen‘

Überzeugt von Blockchain-Technologie: Michael Stölting, Mitglied des Vorstands der NRW.BANK
Michael Stölting, Mitglied des Vorstands der NRW.BANKNRW.BANK

Als erste Förderbank hat die NRW.BANK im September eine Eigenemission eines Schuldscheindarlehens (SSD) volldigital und rechtssicher über die Plattform finledger abgewickelt und hierbei einen eigenen Blockchain-Knoten in ihre IT integriert. Wir haben Michael Stölting gebeten, in einem Gastbeitrag zu erklären, warum Blockchain zur Strategie der Förderbank passt – und was die NRW.BANK mit ihrem finledger-Knoten vorhat.

von Michael Stölting, Mitglied des Vorstands der NRW.BANK

Die Transaktion eines Schuldscheindarlehens (SSD) dauert heute meist mehrere Wochen. Der Prozess ist aktuell sehr zeitaufwändig und umfasst viele manuelle Schritte – von der Darlehensaufnahme im Frontoffice über die Geschäftsbestätigung per Fax, das Erstellen der papierhaften Urkunde bis hin zum Versand per Bote oder Einschreiben. Wird ein SSD später abgetreten, muss diese Änderung ebenfalls in Papierform dokumentiert, verwahrt und versandt werden.

Vergleichsweise zeitsparend und effektiv lässt sich dagegen dieselbe Schuldscheindarlehens -Transaktion über Blockchain verarbeiten.“

Mitte September hat die NRW.BANK als erste Förderbank eine SSD-Eigenemission rechtssicher über die Blockchain-basierte Plattform finledger abgewickelt. Die taggleiche und papierlose Transaktion zeigt, welches Potenzial in der Technologie steckt:

Der bislang analoge Prozess wird radikal verschlankt, weil alle Stufen der Emissionsabwicklung – einschließlich Geschäftsbestätigung und Urkundenerstellung – nun digital dargestellt werden.“

Digitalisierung ist ein zentraler Baustein in der Strategie der NRW.BANK. Als Förderbank für Nordrhein-Westfalen unterstützen wir nicht nur die Digitalisierung von Wirtschaft und Kommunen, sondern wir digitalisieren und optimieren auch unsere eigenen Prozesse, sowohl im Förder- als auch im Kapitalanlagegeschäft. Dazu gehört sowohl der Ausbau von neuen Schnittstellen zu Hausbanken und anderen Partnern als auch die Nutzung digitaler Plattformen. An Blockchain ist für uns vor allem der Blick in die Tiefe der Technologie interessant. Nur wenn wir ihre Möglichkeiten und Risiken von Grund auf verstehen, können wir in Zukunft womöglich weitere Anwendungen auf Basis von Blockchain abwickeln. Deshalb haben wir uns entschieden, finledger nicht nur als Kunde über eine grafische Benutzeroberfläche (Web-GUI) zu nutzen, sondern einen eigenen Blockchain-Knoten in unsere eigene Bank-IT-Landschaft zu integrieren. Als Teil des finledger-Netzwerks lassen sich umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit der Technologie machen: Die IT’ler gewinnen einen detaillierten Einblick, und als Netzwerk-„Peer“ mit eigenem Internetzugang lassen sich über unseren eigenen Knoten Daten schreiben und auslesen.

Autor Michael Stölting, Mitglied des Vorstands NRW.BANK
Michael Stölting ist Mitglied des Vorstands der NRW.BANK. In der Förderbank für Nordrhein-Westfalen verantwortet er die Bereiche Förderberatung & Kundenbetreuung, Kapitalmärkte, Eigenkapitalfinanzierungen sowie Spezialfinanzierungen. www.nrwbank.de
Darüber hinaus nutzen wir die Implementierung des eigenen Knotens und die Integration in das finledger-Netzwerk auch dazu, uns mit angrenzenden Themen auseinanderzusetzen. Dazu gehört etwa der Aufbau einer modernen Web-Applikation mit externer Zugriffsmöglichkeit. Erstmals haben wir im Zuge des Projekts auch die qualifizierte elektronische Unterschrift (QES) zur Signatur von Schuldschein-Urkunden eingesetzt: Die Signatur selbst geschieht zwar unabhängig von finledger, aber die Hashwerte der signierten Urkunde werden in der Blockchain abgelegt.

Das volldigitalisierte Schuldscheindarlehen ist ein Anfang, aber die mit der Technologie verbundenen Hoffnungen in der Finanzbranche sind groß.

Blockchain setzt Maßstäbe nicht nur bei Geschwindigkeit und Datensicherheit, sondern auch bei Transparenz und Zuverlässigkeit.“

Durch Zeitverzögerungen entstehende Settlement-Risiken gibt es bei dieser Technologie nicht. Das macht sie so interessant für vielerlei Anwendungsgebiete. Der Bitcom-Blockchain-Studie 2019 zufolge setzen bereits sechs Prozent der Banken und Versicherungen Blockchain ein. Welche Bedeutung der Blockchain beigemessen wird, belegt auch ein gemeinsamer Referentenentwurf der Bundesministerien für Finanzen, Justiz und Verbraucherschutz aus dem August 2020 für ein Gesetz, das den Handel mit elektronischen Wertpapieren ermöglichen soll. Da die Refinanzierung über den Kapitalmarkt für die NRW.BANK von grundlegender Bedeutung ist, verfolgen wir neue Entwicklungen wie diese sehr aufmerksam, um sie – falls sinnvoll – auch in unsere Abläufe zu integrieren.

Bislang sind wir als Förderbank vor allem als Investor im Feld der Blockchain-Innovationen unterwegs. So ist die NRW.BANK über ihren Venture Fonds zum Beispiel am Start-up Ubirch beteiligt, das Blockchain mit dem Internet of Things verbindet, und finanziert mit Retraced ein junges Unternehmen, das Lieferketten in der Modeindustrie mit Hilfe von Blockchain transparent machen will. Um abschätzen zu können, bei welchen Themen sich die Technologie auch innerhalb der NRW.BANK sinnvoll nutzen lässt, setzen wir uns intensiv mit ihr auseinander – auf der Ebene der IT, nicht nur auf der des Bankings und der Förderung. Unser finledger-Knoten ist dabei ein wichtiger Meilenstein.

Ich bin davon überzeugt: Blockchain gehört zur Zukunft der Förderbanken mit dazu.“ Michael Stölting, NRW.BANK

Über Finledger: DekaBank, dwpbank, DZ BANK und Helaba
Finledger (Website) ist eine Blockchain-basierte Plattform für die Abwicklung von Schuldscheindarlehen (SSD). Hinter dem Projekt stehen die vier Finanzinstitute DekaBank, dwpbank, DZ BANK und Helaba und der IT-Dienstleister adesso. Die Plattform ermöglicht es, alle Stufen der Emissionsabwicklung einschließlich Geschäftsbestätigung und Urkundenerstellung in Sekundenschnelle digital durchzuführen. Dazu nutzt sie kryptographische Verfahren, Konsensalgorithmen und rückwärtsverlinkte Blöcke, um Transaktionen praktisch unveränderbar zu machen und eine automatische Echtheitsprüfung zu ermöglichen. Nachdem SSD-Transaktionen bereits innerhalb der Projektbanken erfolgreich verarbeitet wurden, kam im November 2019 die NRW.BANK als erster externer Projektpartner dazu. Im September 2020 emittierte die Förderbank erstmals selbst ein SSD an die DekaBank, die es wiederum vollständig digital an die DZ Bank abtrat – dieser Prozess wurde erstmals über Finledger verprobt.

Blockchain-Befürworter: Thomas Ullrich, Vorstandsmitglied der DZ BANK
DZ Bank

Finledger verschlankt den bisherigen mehrstufigen Abwicklungsprozess von Schuldscheindarlehen um mehr als die Hälfte der Prozessschritte und macht eine Blockchain-basierte Echtheitsprüfung der elektronisch signierten Urkunden jederzeit möglich. Die Plattform ist offen für neue Knotenbetreiber und Kunden.“

Thomas Ullrich, Vorstandsmitglied der DZ BANK

Sieht die Zukunft in Blockchain per finledger: Martin K. Müller, Vorstandsmitglied der DekaBank
Dekabank

Wir können jetzt über finledger alle Prozesse rund um das Banken-Schuldscheindarlehen volldigital in der Blockchain abbilden und produktiv nutzen. Das nächste Ziel ist nun, die Produkterweiterung um das Corporate Schuldscheindarlehen bis Anfang 2021 zur Verfügung stellen zu können.“

Martin K. Müller, Vorstandsmitglied der DekaBank

 
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