PRODUKTE6. Mai 2026

Capgemini-Studie: KI-Vorreiter in der Schaden- und Unfallversicherung mit deutlichem Umsatzplus

Fusion Versicherungs-IT Modernisierung
ChatGPT

Die Top 10 Prozent der Versicherer mit fortgeschrittenen KI-Fähigkeiten erzielen laut einer aktuellen Studie des Capgemini Research Institute ein um 21 Prozent höheres Umsatzwachstum als ihre Wettbewerber. Gleichzeitig profitieren sie von einer deutlich besseren Börsenentwicklung. Die übrige Branche hingegen verharrt vielfach noch in Pilotprojekten und Proof-of-Concept-Phasen. Das geht aus dem „World Property & Casualty Insurance Report 2026“ hervor, den Capgemini jetzt veröffentlicht hat. Demnach erfassen 42 Prozent der Versicherer bislang keine KI-Kennzahlen. Dadurch fehle vielen Unternehmen die Grundlage, um den Nutzen ihrer KI-Initiativen zu messen und erfolgreich zu skalieren. Rund 60 Prozent der Versicherer befinden sich laut Studie noch in der Erkundungs- oder Testphase.

Die Studie identifiziert eine kleine Gruppe sogenannter „intelligence trailblazers“, die KI nicht nur als technisches Werkzeug, sondern als zentrale operative Kompetenz verstehen. Diese Unternehmen verbinden strategische Ausrichtung, organisatorische Umsetzung, technologische Infrastruktur und Personalentwicklung. Über einen Zeitraum von drei Jahren erzielten diese Vorreiter laut Studie ein bis zu 21 Prozent höheres Umsatzwachstum sowie einen Anstieg des Aktienkurses um rund 51 Prozent.

Die Versicherungsbranche steht vor ihrem Moment der Wahrheit: Die Vorreiter liefern den Beweis dafür, dass sich KI zu einem echten Wettbewerbsvorteil entwickelt, der sich direkt auf das Geschäftsergebnis auswirkt. Voraussetzung dafür ist, dass Versicherer sie von Anfang an in ihre Geschäftsstrategie einbetten.“

Joachim Rawolle, Leiter Versicherungen Deutschland, Capgemini

Im Vergleich zum Branchendurchschnitt investieren die Vorreiter deutlich stärker in organisatorische Veränderungen und Qualifizierung. Sie setzen fast viermal häufiger auf umfassendes Change Management, verfügen deutlich häufiger über Strukturen für erklärbare KI und verankern KI-Kompetenzen stärker in Stellenprofilen und Verantwortlichkeiten.

Branche kämpft mit Skalierung

World Property & Casualty Insurance Report 2026
Capgemini

Demgegenüber kämpft die Branche laut Capgemini mit einem „Architektur-Mismatch“: Während 72 Prozent der KI-Budgets in Technologie und Infrastruktur fließen, werden lediglich 28 Prozent für Change Management und Mitarbeiterschulungen eingesetzt. Dies erschwere die unternehmensweite Skalierung von KI-Anwendungen. Auch der wirtschaftliche Nutzen bleibt vielfach unklar. Mehr als die Hälfte der befragten Versicherer sieht bislang keinen klaren Return on Investment für KI-Projekte. Ebenso viele Unternehmen geben an, dass Zuständigkeiten für KI-Initiativen nicht eindeutig geregelt seien. Zwei Drittel der Versicherer beklagen zudem fehlende KI-Kompetenzen bei den Mitarbeitenden. Fast die Hälfte der Beschäftigten mit Zugang zu KI-Tools berichtet laut Studie, dass sich ihr Arbeitsalltag trotz 18-monatiger Nutzung kaum verändert habe.

World Property & Casualty Insurance Report 2026
Capgemini

Gleichzeitig sieht Capgemini erheblichen Handlungsbedarf bei Datenmanagement und Zusammenarbeit. Nur zwölf Prozent der Versicherer attestieren sich einen sehr hohen Reifegrad bei der Datenbereitstellung. Zudem sorgen Unsicherheiten bei den Beschäftigten für eine wachsende Vertrauenslücke: 43 Prozent nennen Arbeitsplatzsicherheit als größte Sorge im Zusammenhang mit KI. Für die Zukunft zeichnet die Studie das Bild eines Versicherers, in dem Mensch und KI eng zusammenarbeiten. Führungskräfte definieren strategische Leitplanken, qualifizierte Mitarbeitende treffen komplexe Entscheidungen auf Basis von Echtzeitdaten und KI-Agenten automatisieren Routineaufgaben. Voraussetzung dafür seien belastbare Datengrundlagen, neue Governance-Strukturen und eine stärkere Integration von KI in tägliche Arbeits- und Entscheidungsprozesse.

Während viele Versicherer noch mit den üblichen technischen und kulturellen Hürden kämpfen, sind die Vorteile inzwischen glasklar. Durch die Stärkung der Datengrundlagen, klare Zuständigkeiten und Investitionen in Mitarbeiter und Governance können Versicherer über Pilotprojekte hinausgehen. Der Fokus liegt nun auf organisatorischer Disziplin, um die Wirkung von KI im gesamten Unternehmen nachhaltig sicherzustellen.“

Joachim Rawolle, Leiter Versicherungen Deutschland, Capgemini

Für den Report befragte Capgemini weltweit 344 Führungskräfte von Schaden- und Unfallversicherern, 809 Mitarbeitende aus den Bereichen Underwriting, Schadenbearbeitung, Vertrieb und Kundenservice sowie 1.113 Versicherungsnehmer in Amerika, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum. Die Studie kann hier kostenlos heruntergeladen werden.tw

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