STRATEGIE8. Mai 2020

Durch Corona ändern sich Spielregeln: Jetzt die Chance zur wertschätzenden Zusammenarbeit nutzen!

Corona ändert die Spielregeln: Jetzt die Chance zur wertschätzenden Zusammenarbeit nutzen
Michael Mayer, DilligentiaDilligentia

Viele Verhaltensweisen in Banken und bei Versicherern frustrieren, demotivieren und sorgen aufgrund von vermeidbaren Ineffizienzen für Milliardenverluste in Unternehmen. Dieser Artikel ist an all jene gerichtet, die bisher unzufrieden mit der Zusammenarbeit im Team oder mit anderen Abteilungen waren bzw. sind – denn mit der Corona-Krise ändern sich die Spielregeln.

von Michael Mayer, Dilligentia

Viele Verhaltensweisen in Teams oder in Organisationen haben sich über Jahre hinweg eingeschliffen, sind automatisiert und aus dem Blickwinkel der Beteiligten deshalb nur schwer zu ändern:

Eine nicht wertschätzende Kommunikation, keine klaren Zuständigkeiten, mangelndes Verantwortungsbewusstsein, Unklarheit über Ziele und Prioritäten, unnötiger Aktionismus, Machtspielchen, ellenlange Sitzungen, unverhältnismäßige Kontrolle, Statusbewusstsein und viele andere Dinge mehr gehören in einem überproportionalen Ausmaß zum Alltag vieler Unternehmen.“

Durch die Corona-Krise haben sich schlagartig die normalen Rahmenbedingen der (Zusammen-) Arbeit geändert. Kurzarbeit, Kontaktbeschränkungen, Homeoffice, Videokonferenzen, Schadensbegrenzung oder arbeiten unter Extrembedingungen wie z.B. in Teilen des Gesundheitswesen dominieren die aktuelle Tätigkeit. Man kann es kurz zusammenfassen: Nichts funktioniert mehr normal. Bisher gewohnte Verhaltensmuster funktionieren in diesem Umfeld nur eingeschränkt und es bedarf einer vorübergehenden Neuausrichtung unseres Verhaltens. Viele wünschen sich deshalb so schnell wie möglich die verlorengegangene Normalität zurück.

Die Frage, die sich für Sie stellt, ist: Wollen Sie nach der Krise genauso wie bisher weitermachen?“

Der Rückfall in alte Verhaltensmuster ist dabei der leichteste Weg, da diese sich über Jahre hinweg eingespielt haben. Damit vergeben Sie jedoch die Chance, bei dem bevorstehenden „Neuanfang“ Missstände aus der Vergangenheit nachhaltig abzustellen. Die Konsequenz daraus ist, dass diese Missstände in der Zukunft bei ähnlichen Gelegenheiten immer wieder auftauchen und die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Solche Teams, Abteilungen und Unternehmen beschäftigen sich zu stark mit sich selbst, mit immer wiederkehrenden, eigenen, hausgemachten Problemen. Ihr Blick ist nach innen und nicht produktiv nach außen gerichtet.

Dinge, die durch die Krise in Bewegung geraten sind, lassen sich leichter ändern und neu ausrichten.“

Nutzen Sie die Chance deshalb zu einem „Neuanfang“ in der Zusammenarbeit. Gehen Sie deshalb, um z.B. die Teamarbeit zu verbessern, folgendermaßen vor:

1. Formulieren Sie Ihren Wunsch nach einer besseren Zusammenarbeit. Gerne dürfen Sie den Wunsch mit Beispielen aus der Praxis untermauern (! Immer sachbezogen und wertschätzend bleiben – Vorwürfe oder Schuldzuweisungen machen dieses Vorhaben schnell zunichte)
2. Machen Sie nicht den Fehler der Vergangenheit – Nehmen Sie sich genügend Zeit im Team, um eine gemeinsame Vision für die zukünftige Zusammenarbeit zu entwickeln.
3. Versuchen sie im Team die Sinnfrage zu klären (Warum stehen wir morgens auf und gehen zur Arbeit?). Bitte denken Sie daran, Geld verdienen an sich macht keinen Sinn, sondern ist nur Mittel zum Zweck.
4. Entwickeln Sie gemeinsame Ziele, die sinnkonform sind.
5. Verständigen Sie sich auf wenige gemeinsame Werte, die Ihnen helfen, Sinn und Ziele zu erreichen.
6. Leiten Sie aus den gemeinsamen Werten kurze, konkrete Verhaltensregeln ab, die von allen akzeptiert und als Grundlage der Zusammenarbeit von allen anerkannt sind.
7. Nehmen Sie sich alle zwei Wochen einen Vormittag Zeit zu Reflexion, Lernen und Weiterentwicklung.

Autor Michael Mayer, Dilligentia
Michael Mayer war meh­re­re Jah­re Vor­stand ei­ner Re­gio­nal­bank und stu­dier­te Un­ter­neh­mens­füh­rung an der Uni­ver­si­tät in Augs­burg (MBA). Seit 2017 ist er In­ha­ber von Dilligentia. Dil­li­gen­tia lie­fert die Struk­tur, in­ner­halb de­rer Un­ter­neh­men und Men­schen ih­re Selbst­steue­rungs- und Or­ga­ni­sa­ti­ons­kräf­te – aus sich her­aus – wei­ter­ent­wi­ckeln.
Beantworten Sie hierzu folgende Fragen:

a. Entsprach unser Verhalten in den letzten zwei Wochen unserem Sinn, den Zielen, Werten und Verhaltensregeln unseres Teams?
b. Was ist gut gelaufen?
c. Wo besteht noch Verbesserungspotenzial?
d. Was behindert uns dabei?
e. Wo brauchen wir Unterstützung?
f. Was können wir daraus lernen?

Zu Beginn dieses Prozesses empfehle ich Ihnen eine externe Begleitung, die in der Lage ist, gegenseitige Schuldvorwürfe konsequent zu unterbinden und die dafür sorgt, dass sich der Fokus nicht auf die Probleme der Vergangenheit, sondern auf die Vision für die zukünftige Zusammenarbeit richtet.

Die Corona-Krise und der damit verbundene Shutdown ist für viele Unternehmen existenzbedrohend

– und führt, sobald die Beschränkungen wieder gelockert werden, zu einem gnadenlosen Verdrängungswettbewerb. Verschwenden Sie deshalb keine Energie mehr mit einer schlechten bzw. verbesserungswürdigen Zusammenarbeit auf Team, Abteilungs- oder Unternehmensebene.

Für diejenigen unter Ihnen, die es interessiert, anbei noch ein paar Hintergründe aus dem neurologischen Blickwinkel:

Häufig sind wir getriebene unserer Arbeit. Ein Meeting jagt das nächste. Die Mailbox quillt über und die To-Do-Liste wird immer unüberschaubarer. In solchen Situationen schalten wir gern in den Automatik-Modus. D.h. wir schalten unser Gehirn aus und funktionieren nur noch routinemäßig.

Das macht durchaus Sinn, denn unser Gehirn ist das Organ, welches mit Abstand am meisten Energie verbraucht. Da es aber keine eigene Batterie, keinen eigenen Energiespeicher hat, versucht es wo es nur geht Energie zu sparen, indem es Dinge automatisiert. Sie können sich sicherlich noch an Ihre erste Fahrstunde mit dem Auto erinnern. Die gefühlten tausend Sachen, die Sie plötzlich ohne Übung parallel erledigen mussten: Kuppeln, lenken, Gas geben, bremsen, auf Verkehrszeichen achten, die anderen Verkehrsteilnehmer beobachten, die Verkehrsregeln im Kopf haben … Ein für unser Gehirn äußerst komplexer und anstrengender Vorgang. Wahrscheinlich ist Ihr Organismus und Ihr Gehirn dabei „heiß gelaufen“ und Sie hatten feuchte Hände und eine schweißnasse Stirn, um diesen zu kühlen. Und heute fahren Sie meistens vollautomatisch Auto, hören Musik, unterhalten sich mit dem Beifahrer, führen über die Gegensprechanlage Telefongespräche oder sind in einem meditativen Zustand, wo Ihre Gedanken ganz woanders sind.

Im Gegensatz zur ersten Fahrstunde hat Ihr Gehirn durch die Übung das Autofahren automatisiert, so dass der Vorgang an sich kaum noch Hirnenergie braucht.“

Unser Gehirn macht dies aber nicht nur mit dem Autofahren so. Unsere Kommunikation, unsere Reaktionen und Verhaltensweisen, unser Umgang miteinander bzw. innerhalb des Teams – nahezu alles wird durch Automatismen beeinflusst, die wir uns in der Vergangenheit antrainiert haben. Diese Routinen helfen unserem Gehirn, Energie zu sparen und Überlastsituationen zu vermeiden. Gleichzeitig sind diese Automatismen aber auch ein Grund, warum wir bewährte Verhaltensweisen nur ungern verändern und bestehende Probleme nicht beseitigen. Aber was nützt die vollautomatisierte Fähigkeit zu kuppeln, zu bremsen, Gas zu gegeben, die anderen Verkehrsteilnehmer zu beobachten …, wenn das Umfeld sich ändert und zukünftig Fahrzeuge autonom fahren? Deshalb stellen Sie die Automatismen, die Ihr Verhalten und Kommunikation beeinflussen, auf den Prüfstand, um als Team, Abteilung oder Unternehmen, auf die Zukunft nach Corona gut vorbereitet zu sein.Michael Mayer, Dilligentia

 
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