STUDIEN & UMFRAGEN16. Februar 2021

Corporate-Banking-Index von Bain: Banken brechen bei Firmenkunden die Gewinne weg

Durch stark steigende Kreditrisikovorsorge gerät Corporate-Banking in Deutschland erstmals seit 2009 in die Verlustzone. Dabei fällt die Eigenkapitalrendite im Firmenkundengeschäft auf minus 2 Prozent und das an Unternehmen vergebene Kreditvolumen erreicht mit knapp 1,3 Billionen Euro einen neuen Höchststand. Doch die bisherigen Kosten- und Effizienzprogramme reichen nicht weit genug, wie der aktuelle Corporate-Banking-Index der Unternehmensberatung Bain zeigt.

Der Pandemie zum Trotz ist die Zahl der Firmeninsolvenzen in Deutschland in den vergangenen Monaten rückläufig gewesen. Doch die Banken stellen sich auf härtere Zeiten ein. Schon alleine wegen der aktuell ausgesetzten Insolvenzantragspflicht ist noch nicht wirklich absehbar, wann und in welchen Sektoren Unternehmen verstärkt zahlungsunfähig sein werden oder ob alles doch weniger schlimm ausfällt aus erwartet.

Deshalb erhöhten die Institute hierzulande ihre Kreditrisikovorsorge für Firmenkunden im ersten Halbjahr 2020 drastisch. Vergleiche mit 2008 und 2009 während der globalen Finanzkrise drängen sich hier geradezu auf. In der Folge hat der aktuelle Corporate-Banking-Index der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company in der Dimension Profitabilität einen neuen Tiefststand erreicht, während die Erträge stabil geblieben sind.

Bain

Das Kreditgeschäft ist für die Banken momentan Fluch und Segen zugleich. Zum einen profitieren die Geldhäuser von der dynamisch wachsenden Kreditnachfrage seitens der Firmenkunden. Doch zum anderen laufen sie Gefahr, dass Unternehmen bedingt durch die Corona-Krise ihre Kredite nicht fristgerecht bedienen können.“

Dr. Christian Graf, Partner Bain

Die Kreditmarge erholt sich

Die seit Jahren äußerst niedrigen Zinsen führen dazu, dass das Volumen an Krediten, die an Firmenkunden vergeben werden, immer mehr wächst. Mit knapp 1,3 Billionen Euro erreichte es im ersten Halbjahr 2020 erneut einen Höchststand. Nach langem Sinkflug zeigte sich zuletzt auch die Kreditmarge wieder erholt. Nutznießer dieser positiven Trends sind allerdings nicht alle Institutsgruppen gleichermaßen. Denn während Sparkassen und private Banken ihre Marktanteile mittelfristig werden ausbauen können, verlieren die Landesbanken an Gewicht.

Zudem verhalten sich die Banken unterschiedlich, selbst wenn sie derselben Institutsgruppe angehören. So erhöhen Geldhäuser, die über ein breites Produktspektrum verfügen, die Kreditvergabe selbst noch in der Corona-Krise. Andere wiederum halten sich in Rezessionen zurück oder müssen dies auf Druck ihres Risikomanagements tun.

Je konsequenter sich Kreditinstitute in der Vergangenheit auf ein Krisenszenario vorbereitet haben, desto vielfältiger sind jetzt ihre Handlungsoptionen.“

Stefanie Jacobsen, Associate Partner bei Bain

Bei Digitalisierung ist noch Luft nach oben

Gut aufgestellte Banken haben in der Regel ihre Kostenstruktur bereits optimiert. Branchenweit indes gibt es hier zum Teil noch erhebliche Defizite. Die Verwaltungsaufwendungen nahmen in den vergangenen Jahren sogar zu. „Die bisherigen Kosten- und Effizienzprogramme entfalten entweder noch nicht ihre vollumfängliche Wirkung oder reichen nicht weit genug“, erklärt Bain-Partner Graf. „Ist Letzteres der Fall, müssen die betroffenen Kreditinstitute dringend nachlegen.“

Bain

Hinzu kommt, dass die Kosten für Regulatorik und Digitalisierung weiter steigen werden. „Die Erwartungen der Kunden an die Digitalisierung werden immer größer, ganz gleich, in welcher Branche sie tätig sind. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend noch einmal beschleunigt“, so Jacobsen. „Zahlreiche Kreditinstitute haben zwar ihre Bemühungen zur Digitalisierung von Abschlussstrecken in den letzten Monaten deutlich forciert, Nachholbedarf besteht aber nach wie vor.“

Handlungsdruck nimmt zu

Wie prekär die Situation mancherorts ist, unterstreicht die Entwicklung der Eigenkapitalrentabilität im Firmenkundengeschäft. Diese sank im ersten Halbjahr 2020 auf minus 2 Prozent – selbst in der globalen Finanzkrise war sie nicht unter minus 1 Prozent gefallen.

Dieser Rückgang ist allerdings nicht allein auf die Corona-Krise zurückzuführen. Schon 2019 hat die Eigenkapitalrentabilität im Corporate-Banking unter den Eigenkapitalkosten gelegen. Nun zeigen sich die bestehenden Schwächen in ihrem ganzen Ausmaß, was den Handlungsdruck noch einmal erhöht.“

Dr. Christian Graf, Partner Bain

Vor diesem Hintergrund sollten Banken in Deutschland vorrangig an zwei Stellen ansetzen. In puncto Kostensenkung und Steigerung der Kapitaleffizienz gilt es, weiter voranzukommen. Zugleich müssen die Institute in ausgewählte Kundenbeziehungen investieren und so ihre Abhängigkeit vom Kreditgeschäft reduzieren. Trotz des Ausbaus des Provisionsgeschäfts in jüngster Zeit machen die Zinsüberschüsse hierzulande noch 70 Prozent der Erträge im Corporate-Banking aus – ein im internationalen Vergleich hoher Wert. Für Graf steht fest: „Je stärker sich Banken vom reinen Kreditgeber hin zum Berater von Unternehmen wandeln, desto höher ist ihr Provisionsanteil – und desto stabiler ist damit ihr Geschäftsmodell.“tw

 
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