STRATEGIE25. März 2019

Digital Banking 2019: Warum der FinTech-Sektor weiter wachsen wird – das ist gut so!

Julian Riedlbauer, GP Bullhound<q>GP Bullhound
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2019 gehört dem Digital Banking: Das rasante Wachstum der FinTechs und das Wachstum der Online-Banking- und Self-Service-Angebote der klassischen Banken hat zur Folge, dass immer mehr stationäre Bankfilialen schließen – diese Entwicklung wird sich fortsetzen. Was spricht für die positive Zukunft der Digitalbanken, und wie können traditionelle Geldinstitute mit ihnen koexistieren?

von Julian Riedlbauer, GP Bullhound

In 2019 verlagert sich das Thema Banking und Payment mehr und mehr ins Internet. Digitale Bezahldienste treiben diese Entwicklung maßgeblich voran: Anbieter wie Paypal oder Venno haben von 2017 auf 2018 eine Steigerung der Anzahl der Transaktionen um satte 24 Prozent von 6,1 auf 7,6 Milliarden Transaktionen erzielt – ein Trend, der voraussichtlich so schnell nicht abreißen wird.

Allein in den USA leben laut einer Untersuchung des Pew Research Centers aus dem Jahr 2018 heute 71 Millionen Millennials. Eine Studie der Citibank aus dem Jahr 2018 hat herausgefunden, dass gerade diese Bevölkerungsgruppe mit Vorliebe ihr Smartphone zur Hand nimmt, um ihre Bankgeschäfte online zu erledigen. Und weil diese laut dem Pew Research Center kurz davor steht, die weitaus konservativer orientierten Babyboomer als stärksten Populationsanteil abzulösen, ist der potenzielle Markt für digitale Lösungen sehr groß.

Die enorme Investitionsbereitschaft von VC-, Corporate Venture- und auf FinTech spezialisierten Risikokapitalgebern verstärkt diese digitale Zugkraft zusätzlich.

Filiale war vor Digital Banking
Digital Banking?dolgachov/Bigstock

Die hohen Investitionen ermöglichen außerdem, dass die neuen Online- und Mobile-First-Anbieter viel Geld in die Softwareentwicklung und Produktausweitung investieren und mehr Geld für Kundenakquisition ausgeben können.

Kunden lehnen Öffnungszeiten und Papierkram ab

Für etablierte Banken stellt sich also die immer essenzieller werdende Frage, mit welchen technischen Angeboten sie sich dem Gewinnen der Marktanteile der FinTechs widersetzen und ihren Platz auf dem Markt verteidigen können. Gerade junge Kunden lehnen eingeschränkte Öffnungszeiten und stapelweise Papierkram mittlerweile oft vehement ab. Sie haben den Anspruch, zwischendurch via App ihren Kontostatus zu checken, Geld anlegen zu können oder Überweisungen zu tätigen.

Challenger-Banken wie N26, Revolut oder Monese antworten auf diese Bedürfnisse. Sie sind den traditionellen Banken bezüglich der User Experience und technischen Umsetzung teilweise um Jahre voraus – und bieten nicht nur bequemes Banking per App, sondern oft auch niedrigere Kosten bei internationalen Geldtransfers oder sogar Investment-Möglichkeiten in Kryptowährungen.“

Digital Banking: Brex ist ein typischer Vertreter
Brex

Vielen FinTechs ist es gelungen, klare Marktlücken zu besetzen, die der herkömmliche Bankensektor bisher übersehen oder auch bewusst ignoriert hat, um sich nicht selber zu kannibalisieren. Das amerikanische Unternehmen Brex beispielsweise hat in nur zwei Jahren Unicorn-Status – also eine Unternehmensbewertung von über einer Milliarde Dollar – erreicht. Es vertreibt Kreditkarten für Start-ups und benötigt dabei weder eine persönliche Sicherheitsleistung durch den Geschäftseigentümer noch benutzt es ein Altsystem von Drittanbietern. Die Zugangsschwellen zu einem übersichtlichen Ausgaben-Tracking für Firmen werden somit niedriger und nebenbei ist auch noch der Kreditrahmen weitaus höher als bei vielen anderen Anbietern. Ein anderes Beispiel ist ID Finance, das seine Kreditleistungen vornehmlich in Regionen wie zum Beispiel Schwellenländern anbietet, in denen der Zugang zu Finanzierungen ansonsten stark begrenzt ist. Diese Unternehmen haben Marktnischen und technologische Innovationen im Finanzsektor für sich beansprucht, von denen aus sie mit voller Kraft in den Markt drängen.

Kooperationen zwischen Banken und FinTechs

Während die einen FinTechs also ganz klar auf Angriff setzen, sind andere jedoch durchaus gewillt, enger mit den Traditionsbanken zusammenzurücken – und hier verbergen sich für dessen Vertreter Chancen, sich ihr eigenes Stück vom Digital-Banking-Kuchen zu sichern.

Eine Integration technologischer Einzelkomponenten, wie FinTechs sie oft offerieren, ist für Banken heute weitaus vorstellbarer als noch vor einigen Jahren.“

Zu diesem Schluss kam die PwC-Studie „FinTech-Kooperationsradar“ im Oktober 2018: Seit 2017 hätten sich die  Kooperationen zwischen Banken und FinTechs bereits verdoppelt. Die Zusammenarbeit reicht dabei durch das ganze Spektrum finanzieller Teildienstleistungen: Banken kooperieren mit Vorliebe mit Investment-FinTechs, Finance-Start-ups, Online-ID-Anbietern, Payment-FinTechs oder API-basierten FinTechs.

Autor Julian Riedlbauer, GP Bullhound
Julian Riedlbauer ist Partner und Leiter des deutschen Büros von GP Bullhound. Das weltweit agierende M&A-Beratungs- und Tech-Investitionsunternehmen GP Bullhound berät sowohl Unternehmen als auch Gründer und Investoren in den Bereichen Mergers & Acquisitions (M&A) und Wachstumsfinanzierungen. Bevor er die Leitung des deutschen Büros übernahm, war er Geschäftsführer bei Corporate Finance Partners, einer internationalen Finanzberatungsfirma mit den Schwerpunkten Internet, Medien und Technologie. Davor war Julian Riedlbauer als Manager und Unternehmer im IT- und Internet-Markt und hat diverse Transaktionen als Kunde von Beratungsunternehmen durchgeführt.

Somit be­steht eben auch die Op­ti­on für ei­ne fried­li­che Ko­exis­tenz von FinTtechs und dem Ban­ken­sek­tor. Her­kömm­li­che Ban­ken kön­nen durch mo­der­ne Tech-In­te­gra­tio­nen agi­ler und kun­den­freund­li­cher wer­den, wäh­rend Fin­Techs so an die Kun­den­ba­sis und die Res­sour­cen der Tra­di­ti­ons­play­er an­do­cken kön­nen. Im End­ef­fekt ha­ben Letz­te­re ei­nen gro­ßen Plus­punkt auf ih­rer Sei­te: Wäh­rend jun­ge Un­ter­neh­men ih­ren po­ten­zi­el­len und be­ste­hen­den Kun­den ge­gen­über erst lang­sam Ver­trau­en auf­bau­en müs­sen, wer­den eta­blier­te In­sti­tu­tio­nen oft als ver­läss­lich wahr­ge­nom­men – zu die­sem Er­geb­nis kommt ei­ne re­prä­sen­ta­ti­ve Stu­die des BDB aus dem Jahr 2018. Ei­ne gra­vie­ren­de Rol­le spielt in die­sem Zu­sam­men­hang das Be­ra­tungs­netz­werk eta­blier­ter Geld­in­sti­tu­te. Al­ler­dings schlie­ßen ge­ra­de jün­ge­re Ziel­grup­pen in Deutsch­land an Be­ra­tungs­leis­tun­gen ge­knüpf­te fi­nan­zi­el­le Trans­ak­tio­nen oder In­vest­ments auch zu­neh­mend on­line ab, wie eine Studie von Yougov aus dem Jahr 2018 feststellt.

Digital Banking: Von der Filiale ins Netz

Daraus resultiert die Aufgabenstellung, die im Jahr 2019 für FinTechs und den traditionellen Bankensektor gleichermaßen gilt: Das dichte Geflecht aus Beratungsleistung und Finanzierungsangeboten, das herkömmliche Banken bisher offline abgebildet haben, muss nun mit gleicher oder besserer Qualität ins Netz übertragen werden. Gelingt dies, stehen dem digitalen Banken- und FinTech-Bereich rosige Zeiten bevor.aj

 
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