STRATEGIE13. November 2018

Debatte ums Geld – Giralgeld, Digital Cash, Vollgeld und Kryptowährungen

Manuel Klein leitet die Diskussion um Giralgeld, Digital Cash, Vollgeld und Kryptowährungen
Manuel Klein, Frankfurt SchoolFrankfurt School

Wie wird das Geld(system) der Zukunft aussehen? Welche Rolle spielt die Digitalisierung? Was ist Vollgeld und wie funktionieren Kryptowährungen? Diesen und weiteren spannenden Fragen gehen hochrangige und internationale Geldexperten auf der Konferenz: „The Future of Money – 10 Years after Lehman and Nakamoto“ am 24. November in Frankfurt nach. Unter anderem sprechen der Chefvolkswirt der OECD, der ehemalige Gouverneur der spanischen Zentralbank oder der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank.

von Manuel Klein, Frankfurt School

Unser bestehendes Geldsystem ist kompliziert. Bis heute versteht der Großteil der Bürger aber auch viele Ökonomen und Politiker nicht, wie es funktioniert. Viele tun sich weiterhin schwer, Banken als die Produzenten des Geldes zu begreifen, die sie eigentlich sind. lm Zuge dieser Unwissenheit, der Digitalisierung des Geld- und Finanzsystems und der dadurch vereinfachten Gelderzeugung der Banken kommt unser Schuldgeldsystem langsam an seine Grenzen: Die westliche Welt und zunehmend auch die Schwellenländer sind Hals über Kopf verschuldet, das weltweite Bankensystem ist weiterhin fragil und bedroht die Stabilität ganzer Länder …

… und es gibt nicht wenige Ökonomen, die schon wieder vor dem nächsten  Crash warnen.“

Die Digitalisierung der Wirtschaft macht zunehmend auch nicht mehr vor den Fundamenten des Geldsystems halt: das bestehende Geldsystem steht seit einigen Jahren durch Kryptowährungen, die über Blockchains und andere „Distributed-Ledger-Technologien“ dezentral übertragen werden, unter Beschuss. Eine Entnationalisierung des Geldes, wie sie Friedrich August von Hayek vorsah, scheint für viele Anhänger von Kryptowährungen zum Greifen nah. Die meisten Ökonomen meinen jedoch, dass Kryptowährungen wohl (aktuell) keine Bedrohung für das Geldsystem darstellen, da sie keine der drei Funktionen von Geld erfüllen. Trotzdem wird spätestens seit 2017 stark über die zugrundeliegende Technologie und der Möglichkeit der Digitalisierung von Werttransaktionen diskutiert. lm Zuge dessen haben vermehrt Zentralbanken angekündigt, ihr eigenes „Digital Cash“ zu erschaffen.

Autor Manuel Klein, Frankfurt School
Manuel Klein ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Frankfurt School Blockchain Center und Vorstandsmitglied des Vereins Monetative, hat die Projektleitung der Konferenz inne und forscht zu den Veränderungen des Geldsystems durch die Digitalisierung. Kontakt: Manuel.Klein@fs-blockchain.de

Treffen Sie Manuel Klein am 24. November in Frankfurt:Giralgeld, Digital Cash, Vollgeld und Kryptowährungen

Kommen Sie am Samstag, den 24. November auf der internationalen Geld-Konferenz “The Future of Money – 10 Years after Lehman and Nakamoto“ in der Frankfurt School of Finance and Management. In Vorträgen und einer anschließenden Podiumsdiskussion wird die Diskussion rund um Giralgeld, Digital Cash, Vollgeld und Kryptowährungen geführt. Tickets gibt es ab 190 EUR netto.

Karsten Thormaehlen/Henning Larsen

Ob die neuartige Blockchain-Technologie für solches digitales Bargeld genutzt wird oder nicht, spielt geldsystematisch erstmal keine Rolle. Sicher wäre jedoch, dass bei der Einführung von digitalem Bargeld die Struktur des heutigen zweistufigen Geldsystems dramatisch verändert werden würde: Dem sogenannten „Giralgeld“ der Banken – dem Guthaben auf Ihrem Bankkonto – stünde dann ein sicheres digitales Geld direkt von der Zentralbank gegenüber. Warum sicher? Zentralbanken können im Gegenzug zu Geschäftsbanken nicht pleitegehen. Bürger hätten somit die Wahl, ihr Geld sicher bei der Zentralbank zu verwahren und nicht als Kredit an die Bank halten zu müssen.

Ist Vollgeld die Alternative?

Diese Möglichkeit könnte die Geldschöpfungsfähigkeit wegen massivem Abfließen von Liquidität aus dem Geschäftsbankensektor stark einschränken und Banken dazu veranlassen, die Kundengelder mit mehr Zentralbankgeld decken zu müssen. Ein Extremszenario wäre, dass Banken alle Kundengelder in Zentralbankgeld decken müssten – ein 100% Reservesystem wäre das Resultat.

Eine Umstellung auf ein solches Vollgeldsystem könnte enorme Vorteile mit sich bringen, unter anderem eine massive Entschuldung von Staaten und privaten Haushalten, eine massive Reduktion von Boom- und Bust-Zyklen, ein stabiles Geldsystem ohne Angst vor Bankruns und die Möglichkeit der Liberalisierung des Finanzsektors.“

Um das Geldsystem dramatisch zu vereinfachen und sicherer zu machen, könnte jedoch gleich die Zentralbank das gesamte Geld erzeugen und Banken zu reinen Mittelsmännern zwischen Sparern und Kreditnehmern werden – so wie sich die meisten Menschen schon heute das Geschäft von Banken vorstellen.

Auch wenn sich die Schweizer Bevölkerung trotz der möglichen Vorteile kürzlich gegen die Einführung eines solchen Vollgeldes entschieden hat, hat die Debatte um die Zukunft des Geldes sicherlich gerade erst begonnen.

 
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