STRATEGIE18. September 2020

Von wegen von Gestern: So wurde COBOL zum Dauerbrenner im Finanzsektor

Cobol -Picture
profit_image/bigstock.com

Auch heutzutage bildet COBOL noch bei vielen Unternehmen, insbesondere im Finanz- und Versicherungsbereich, die Grundlage des Systemcodes. 95 Prozent aller Kartenlesegeräte an Geldautomaten funktionieren mit COBOL-Code. 70 Prozent aller Trans­aktions­verarbeitungs­systeme wurden unter der Verwendung von COBOL aufgebaut. Die Programmiersprache ist mittlerweile über 60 Jahre alt, doch von Beginn an war geplant, dass sie sich an Business-Anforderungen orientieren soll. Derek Britton, Technology Marketing Leader bei Micro Focus, erklärt, wie sich COBOL seit seiner Entwicklung kontinuierlich einen Platz als eine der wichtigsten Programmiersprachen sichern konnte.  

von Derek Britton, Technology Marketing Leader bei Micro Focus

In den 50er und 60er Jahren entwickelte IBM als erstes Unternehmen Mainframes für den kommerziellen Gebrauch. Diese verarbeiten große Datenmengen mit einer hohen Rechenleistung und finden heute noch vornehmlich Gebrauch bei Banken oder Versicherungen. Bereits 1959 wurde die Programmiersprache COBOL (Common Business Oriented Language) gezielt für diese Anforderungen entwickelt.

60 Jahre später nimmt sie immer noch eine zentrale Rolle im Finanz- und Versicherungswesen ein: Weltweit bauen die Systeme von 90 Prozent der größten Unternehmen auf einem COBOL-Gerüst auf. Dafür gibt es zahlreiche Gründe.“

 „Hello World“ – Einfache, an der englischen Sprache orientierte Syntax

Autor Derek Britton, Micro Focus
Micro Focus ist auf Cobol spezialisiert: Derek Britton ist Technology Marketing Leader bei Micro Focus
LinedIn

Derek Britton ist Technology Marketing Leader bei Micro Focus – und in dem Unternehmen seit über 27  Jahren auf den verschiedensten Positionen beschäftigt.

Programmiersprachen gibt es viele: C, C++, Python, Java, Visual Basic oder etwa COBOL. Der TIOBE-Index zeigt, dass COBOL seit Beginn der Aufzeichnungen immer an einem der vorderen Plätze der beliebtesten Programmiersprachen steht. Doch inwiefern unterscheidet sie sich von anderen Sprachen? Um Unterschiede in den grundlegenden Funktionsweisen zu identifizieren, kann ein „Hello World“-Programm genutzt werden. Dieses gibt einen Überblick über die Bestandteile einer Programmiersprache. Ziel des Programms ist es, den Schriftzug „Hello World“ auszugeben. In der Programmiersprache C gestaltet sich der Syntax wie folgt:

#include <stdio.h>
int main(void)
{
    printf(„hello, world\n“);
}

Die grundlegende Funktion ist in der Header-Datei definiert. Zusätzlich enthält das Programm den Befehl printf, was dazu führt, dass der Computer schließlich „Hello World“ ausgibt.

Das Programm geschrieben in der Programmiersprache Java sieht folgendermaßen aus:

public class HelloWorldApp {
    public static void main(String[] args) {
        System.out.println(„Hello World!“); // Prints the string to the console.
    }
}

Java programmiert in Klassen. Hier beginnt der Code mit einem Zugriffsmodifikator. Danach folgt ein Schlüsselwort, dass die Klasse kennzeichnet, und der Klassenname. Damit ein Programm entsteht, muss eine Klasse eine main()-Methode implementieren, die bei der Ausführung als Einstiegspunkt dient.

Ein „Hello World“-Programm mit der Programmiersprache COBOL (mit der modernen Form von „Micro Focus Visual COBOL“) geschrieben gestaltet sich so kurz und simpel wie folgt:

PROCEDURE DIVISION.
DISPLAY „Hello, world!“
STOP RUN.

Bei COBOL geben Divisions die Programmstruktur vor. Darauf folgen Sections und Paragraphs, die den weiteren Code strukturieren. Innerhalb dieser finden sich wiederum Sentences, die aus Statements gebildet werden. Diese Statements sind Zeichenketten aus Characters. Diese sind die kleinste Einheit, unteilbar und entweder Buchstaben, Ziffern oder Sonderzeichen. Die Statements werden durch Separatoren, beispielsweise einem Komma oder Punkt, beendet. In diesem Fall von „Hello, world!“ sind keine weiteren Unterteilungen dringend erforderlich. Bei COBOL erfolgt eine aktive Kopplung der Programmkonstrukte an die englische Sprache, sodass der Code von jedem verstanden werden kann.

Und genau das ist der entscheidende Vorteil: COBOL wurde mit dem Ziel entwickelt, einfach zu sein.“

Zwei Faktoren für anhaltenden Erfolg

Micro Focus
Micro Focus (Website) ist ein führender, weltweit agierender Anbieter von Unternehmens-Software, der sich auf einzigartige Weise positioniert hat, um Kunden bei der Ausweitung vorhandener Investitionen und der gleichzeitigen Einführung neuer Technologien in einer Welt der Hybrid IT zu unterstützen. Micro Focus stellt seinen Kunden ein Portfolio an skalierbaren Unternehmenslösungen mit integrierten Analysen zur Verfügung und sorgt damit für kundenzentrierte Innovationen in den Bereichen Enterprise DevOps, Hybrid IT Management, Security, Risk and Governance sowie Predictive Analytics. .
Weitere ursprüngliche Designelemente neben der einfachen Lesbarkeit waren eine hohe Übertragbarkeit und die Ausrichtung auf Business-Anforderungen. Diese drei Elemente bilden den ersten Faktor, der die anhaltende Beliebtheit der Programmiersprache erklärt: Die hohe Übertragbarkeit ermöglicht es Entwicklern, auf verschiedenen Plattformen Anwendungen zu analysieren, debuggen, entwickeln, testen und Deployments durchzuführen. Außerdem können COBOL-Anwendungen problemlos neu kompiliert und in der Cloud, in Containern, .NET und JVM sowie in etablierten Umgebungen wie Mainframes, Linux, UNIX und Windows ausgeführt werden. Um Business-Anforderungen zu erfüllen, bietet COBOL Geschwindigkeit, einfache Zugriffsmöglichkeiten, Robustheit und starke Datenmanipulation. Die Sprache schafft durch ihre 38 Dezimalziffern eine höhere Genauigkeit als jede andere Programmiersprache.

Der zweite Faktor für die anhaltende Beliebtheit ist die Offenheit der Technologie. Diese ermöglichte es, COBOL im Laufe der Jahre kontinuierlich zu modernisieren.

Das Design gewährleistet eine plattformübergreifende Anpassung, Wartung und Erweiterung durch moderne IDE Frameworks.“

Die Weiterentwicklung der Programmiersprache wurde von Unternehmen in den letzten 60 Jahren kontinuierlich vorangetrieben. Dadurch entsprechen deren Kernsysteme stets den neuesten Standards.

COBOL spielt weiterhin verlässlich die Hauptrolle im Finanzsektor

Unternehmen aus dem Finanz- und Versicherungssektor greifen seit 60 Jahren auf COBOL zurück. Vor allem geschäftskritische Anwendungen von Banken und Versicherungen wurden mit COBOL programmiert. Die meisten Einrichtungen arbeiten mit einem großen Transaktionsvolumen und haben dabei gleichzeitig eine große Menge von Nutzern. Die Anwendungsfälle für diese Systeme bleiben von ihrer ursprünglichen Konstruktion, der sicheren, robusten und skalierbaren Datenverarbeitung für kritische Systeme des Finanzsektors, grundsätzlich unberührt. Sie decken sich mit der Kapazität von COBOL für datenintensives Arbeiten: Dazu gehört etwa die Arbeit mit strukturierten Daten, was Zugriff, Bearbeitung und Berichterstattung umfasst. Weitere Anwendungen umfassen die fehlerfreie Bearbeitung komplexer numerischer Berechnungen oder auch Arbeiten, bei denen in möglichst kurzer Zeit Millionen von Transaktionen in kurzer Zeit stattfinden müssen.

Sie profitieren von der Möglichkeit der kontinuierlichen Modernisierung der Software, denn eine vollständige Umstellung dieser wäre ein potenzielles Risiko für alle Daten und Informationen, die bei Transaktionen oder dem Handel von Wertpapieren entstehen. Durch COBOL können die Einrichtungen ihr Kernsystem modernisieren.

So gewährleisten sie den Kunden und ihren sensiblen Daten umfassende Sicherheit und können gleichzeitig die neuste Technologie nutzen.“

Dies reduziert das Risiko eines Ausfalls der Systeme, unterstützt die IT-Abteilungen und sichert den bestmöglichen Service für Kunden.

Das Geheimnis: Eine Programmiersprache, die gezielt auf Unternehmen abgestimmt ist

Einfache Lesbarkeit, hohe Genauigkeit, starke Datenmanipulation, hohe Leistung und robustes Fehlermanagement, sowie die Möglichkeit zur kontinuierlichen Modernisierung sprechen für die Nutzung von COBOL im Unternehmenskontext.“

Seit 60 Jahren unterstützt die Programmiersprache die Mehrheit der großen Banken und Versicherungen. Nicht nur in der Vergangenheit und Gegenwart, auch in der Zukunft wird COBOL eine zentrale Rolle in deren IT-Infrastrukturen spielen, da die meisten Unternehmen ihre bestehenden Kernsysteme lediglich modernisieren und nicht ersetzen wollen. In einer Studie von Micro Focus gaben 70 Prozent der Befragten an, dass sie eine Modernisierung der vorhandenen Technik einer völligen Umstellung vorziehen. Die Offenheit der Technologie und dadurch kontinuierlich mögliche Erneuerung sichert COBOL auch in Zukunft eine zentrale Rolle in der IT-Landschaft der Finanz- und Versicherungsbranche. Derek Britton, Micro Focus

 
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