STRATEGIE19. März 2021

Finance 4.0: Multidimensionale virtuelle Wertschöpfungskette als Bank nahtlos abrechnen

Lukas Lutz, Leiter des internationalen Industriegeschäfts bei GFT GFT

Schuhe, Schrau­ben, Schrän­ke – wir be­stel­len und be­zah­len heut­zu­ta­ge im pri­va­ten Um­feld über­wie­gend auf di­gi­ta­len We­gen. Und auch bei in­dus­tri­el­len Ein­kaufs- und Ab­rech­nungs­pro­zes­sen läuft vie­les di­gi­tal, von der Be­stel­lung des Roh­ma­te­ri­als über die Pla­nung des ent­spre­chen­den Pro­duk­ti­ons­schritts bis zur Über­wei­sung der Rech­nungs­be­trä­ge. Gibt es das be­stell­te Ma­te­ri­al in vie­len Far­ben und Qua­li­tä­ten und ist sei­ne Nut­zungs­häu­fig­keit sehr un­ter­schied­lich, wird der Pro­zess ent­spre­chend kom­ple­xer. Mo­der­ne Ab­rech­nungs­sys­te­me hel­fen da­bei, die Kom­ple­xi­tät stem­men, al­le Be­stand­tei­le über­bli­cken zu können und die Wertschöpfungskette an die Bank zu binden.

Lukas Lutz, Leiter des internationalen Industriegeschäfts bei GFT

Soweit, so gut. Wie sieht es nun aber aus, wenn nicht mit Metallen, Lacken und Schrauben, sondern mit Datenströmen Wertschöpfung betrieben wird? Wenn beispielsweise Daten unterschiedlicher Anbieter in ein System integriert und durch verschiedene Services ergänzt, ausgewertet und weiterverarbeitet werden? Gibt es sie bereits, die komplette virtuelle Wertschöpfungskette für digitale Datenprodukte? Vorstellbar wäre es:

Ein Anbieter vernetzt beispielsweise die Maschinen und Anlagen eines Betriebs, integriert außerdem Business-Anwendungen, steuert alles über eine zentrale Plattform, lädt in diese auch ergänzende Services wie Stauinfos, Wetterprognosen, Rohstoffpreise oder spezielle Auswertungstools und lässt das System mittels KI-Komponenten autonom arbeiten. Immer mit dabei: Eine Anwendung, die die Vertragsbedingungen mit allen Datenlieferanten kennt, die Frequenz der Datennutzung trackt und …

… die dafür anfallenden Gebühren selbstständig mit der Bank abrechnet.“

GFT Technologies
Mehr als 30 Jahre Erfahrung als Digitalisierungspartner vieler internationaler Finanzinstitute und über die Tochtergesellschaft integrierte Informationssysteme genauso lange Pioniertätigkeit im Industrie 4.0-Bereich. Gute Voraussetzungen, um materielle, finanzielle und digitale Wertströme aus der Industrie- und Bankenwelt zu verknüpfen.
Klingt nach Zu­kunfts­mu­sik – wird aber kom­men. GFT Tech­no­lo­gies hat da­für ein ganz spe­zi­el­les Set-up: Die Me­tho­den der Zah­lungs­ab­wick­lung ver­än­dern sich ra­di­kal. An­ge­trie­ben durch ex­po­nen­ti­ell wach­sen­de Ver­net­zung von Ma­schi­nen, Pro­zes­sen und Lie­fer­ket­ten im In­dus­trie 4.0-Um­feld, er­ge­ben sich neue An­for­de­run­gen an in­no­va­ti­ve Zah­lungs­ver­fah­ren und Ab­rech­nungs­mo­del­le. Die In­te­gra­ti­on des Zah­lungs­ver­kehrs in die Pro­duk­ti­ons­pro­zes­se wird zu neu­en Trans­ak­tio­nen und hö­he­ren Vo­lu­mi­na füh­ren, wo­durch sich für Un­ter­neh­men und Ban­ken neue Chan­cen er­ge­ben. Ins­ge­samt wer­den Ban­ken über die Wertschöpfungskette Teil neu­er Öko­sys­te­me und in­te­gra­ler Be­stand­teil des Working-Ca­pi­tal-Pro­zes­ses von In­dus­trie­un­ter­neh­men wer­den müs­sen, wenn sie das Ter­rain nicht an neue Fin­Tech-An­bie­ter ver­lie­ren wollen.

Voraussetzung, damit eine solche Integration reibungslos funktionieren kann, ist ein Billing Service, der im Stande ist, nicht nur eindimensionale Transaktionen abzurechnen, sondern auch unterschiedlichste digitale Zulieferprodukte mit einzupreisen.“

Im System von GFT gibt es dafür einen Digital Twin des gesamten Prozesses – den sogenannten digitalen Prozess-Zwilling, der notwendige KPIs wie Aufrufe bestimmter Services oder finanzielle Einsparungen aufgrund digitaler Optimierungstools erfasst, verarbeitet und in das entsprechende Abrechnungstool einspeist. Dieses enthält eine Abbildungsvorschrift für das Mapping zwischen digitalen Wertströmen und zu berechnenden Kosten. Darin wird die jeweilige Rückmeldung über eine Servicenutzung mit einem bestimmten Preis und weiteren Abrechnungsregeln gekoppelt, so dass das System selbstständig die entsprechende Meldung an die Bank übermitteln kann.

Autor Lukas Lutz, GFT
Experte für Wertschöpfungskette: Lukas LutzLukas Lutz ist promovierter Physikochemiker mit Start-up-Mentalität und einer Passion für innovative digitale Technologien in der Industrie. Im Rahmen seines internationalen Studiums promovierte er im Bereich Batterietechnologien und gründete selbst ein erfolgreiches Start-up im Batterie-Business in Paris. Beim global aufgestellten Digitalisierungsunternehmen GFT (Webseite) treibt er heute als Leiter des internationalen Industriegeschäfts die Transformation von Fertigung- und Automotive-Unternehmen voran. Die Verbindung von digitalen Zwillingen und KI gehört dabei zu seinen Lieblingsthemen.

Was definiert eine solche Abbildungsvorschrift typischerweise? Im Prinzip enthält sie nichts anderes als die Vertragskonditionen der Kunden mit den digitalen Zulieferern. Da relevante Nutzungs-, Verbrauchs- oder Kostendaten Bestandteil des digitalen Prozess-Zwillings sind und damit 1:1 der realen Nutzung entsprechen, können Abrechnungsinformationen zu bestimmten Zeiten mit frei definierbaren Regeln im System errechnet, als Datensatz ausgeleitet und an weitere Systeme übermittelt werden. Damit lassen sich nicht nur flexible Pay-per-Use-Modelle umsetzen, sondern auch Profit-Share-Modelle entlang der digitalen Wertschöpfungskette. Haben die beteiligten Serviceanbieter und die Kunden diesen Modalitäten zustimmt, ist nicht einmal mehr eine Rechnung nötig. Dann kann der Rechnungsdatensatz direkt in die Banking-Anwendungen einfließen – und der Prozess ist komplett durchdigitalisiert. Die Wertschöpfung im digitalen Wertstrom wird damit sogar flexibler und direkter abrechenbar, als es heute bei physischen Produktionsketten der Fall ist.

Hilfreich ist für solche Lösungen ein Software-Konzept, das die technische Integration der verschiedenen Player überschaubar, einheitlich und zuverlässig regelt. Im Fall von GFT nennt sich dieses Konzept „Model in the Middle“ und ist integraler Bestandteil der IoT-Plattform sphinx open online. Es koordiniert die Datenanbindung, Auswertung, Überwachung und Prognoserechnung in einem zentralen Modell. Die zugrundeliegende Architektur vernetzt die digitalen Prozess-Zwillinge aller Datenlieferanten bidirektional, so dass sie nicht nur Daten senden, sondern auch aus diesen Daten abgeleitete Optimierungsbefehle empfangen und ausführen können. Dank offener Schnittstellen lassen sich an das System interne Leittechnik- oder Controlling-Anwendungen genauso anbinden wie externe Dienste für Preisinformationen, Energieprognosen, Wettbewerbsinformationen, Bezahlservices und vieles mehr.

Das Model in the Middle bildet dabei den Querschnitt der beteiligten Ebenen ab. Da ist zum einen die vertikale Ebene – also die Nutzungsdaten, die von den angeschlossenen Geräten und Usern erzeugt werden. Dank des Model in the Middle müssen für ihre Erfassung nicht diverse unterschiedliche Systeme miteinander sprechen, sondern alles wird zentral zusammengeführt. Der Wertschöpfungsprozess stellt die horizontale Ebene dar:

Wie auch bei physischen Produkten entsteht in der Datenwelt aus verschiedenen Bestandteilen ein definierter Endkunden-Nutzen durch digitale Services und Produkte – und am Ende dieser Wertschöpfungskette steht die Bezahlung.“

Da der Prozess-Zwilling kontinuierlich analysiert, welche Daten welche Abrechnungsszenarien nach sich ziehen, kann jederzeit der kommerzielle Prozess der Bezahlung angetriggert werden. Ganz autonom und in direkter Zusammenarbeit mit der Bank.  Das schafft ganz neue Möglichkeiten der Kooperation – für Industrieunternehmen, Banken und ein wachsendes Ökosystem an zusätzlichen Nutzbringern.Lukas Lutz, GFT

 
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