STRATEGIE19. November 2020

Kontaktlos oder Iris-Scan … wie Bezahlen wir künftig – nach Covid-19?

Hansruedi Nef, CCV SchweizCCV Schweiz

Mit der Hoffnung auf einen Impfstoff und somit ein Ende des Lockdowns für alle kommt die Frage auf, ob eine Rückkehr zu alten Bezahlgewohnheiten beim Einkaufen überhaupt möglich ist.

von Hansruedi Nef, CCV Schweiz

Die Erleichterung war weltweit spürbar am 9. November 2020: der US-Pharmagigant Pfizer und sein deutscher Partner BionTech aus Mainz haben bekanntgegeben, ein gemeinsamer Impfstoff habe sich bei Tests zu 90 Prozent (mittlerweile 94,7%) als effektiv erwiesen. Die Tage der hartnäckigen COVID-19-Pandemie scheinen gezählt. Die Fragen über das „Wenn?“ und „Wie?“ stehen im Hinblick auf eine Zulassung und einer weltweiten Anwendung im Raum.

Doch jetzt, da wir uns alle daran gewöhnt haben, kontaktlos zu bezahlen, um die Ausbreitung des bösartigen Sars CoV-2 einzudämmen, bleibt eines sicher: es wird kein Zurück zu Präpandemiezeiten geben, wenn wir einkaufen und bezahlen werden.“

Kein Zweifel: die „guten alten Zeiten“, die aus Münzgeld und Banknoten bestanden, sind keine Alternative für die Zukunft. Denn auch wenn geimpft wird – Corona wird uns, darüber sind sich Virologen und Mediziner einig, leider noch eine Weile lang beschäftigen. Da ist jedes Instrument, dass die Ausbreitung des Virus verhindert, wie es eben kontaktlose und mobile Bezahlterminals sind, willkommen.

Für das kontaktlose Bezahlen mit Debitkarte und Kreditkarte und gegen ein Comeback des Bargelds sprechen außerdem die folgenden Gründe:

  • Kontaktloses Begleichen einer Rechnung mit Karte oder Smartphone (Apple Pay, Google Pay,…) geht schneller voran (kein Wechselgeld nötig) und es ist sicherer. Ein Missbrauch ist begrenzt, weil der Gesetzgeber nur kleinere Geldbeträge gestattet und der Einzelhändler die Identität des Kunden im Zweifelsfall prüfen darf.
  • Immer mehr Konsumenten haben sich während der Pandemie an die neue Situation angepasst und ziehen bargeldloses Begleichen von Rechnungen Cash-Zahlungen vor. Gemäß einer Umfrage des deutschen Verbands für die digitale Industrie Bitkom haben 33% der Befragten im Monat August mindestens einmal Apple Pay oder Google Pay benutzt, während beide digitalen Bezahlwege von 16% der Befragten benutzt wurden. Dies sind Beliebtheitswerte, wie sie vor der Coronakrise noch nie gemessen wurden.
  • Onlinebuchungen oder bargeldloses Einkaufen helfen Konsumenten, die Ausgaben für den täglichen Gebrauch besser zu kontrollieren. Die meisten Applikationen für das Handy generieren automatisch Pay-Statistiken, die bei Bedarf direkt auf dem PC oder Laptop landen.
  • Sobald die internationale Tourismusindustrie wieder Fahrt aufnimmt, werden Reisende kontaktlose Kartenterminals zu schätzen wissen. Gerade an Sehenswürdigkeiten und Baudenkmälern, die von Tausenden Selfie-Jägern besucht werden, ist es hygienischer, Snacks und Souvenirs mit Karte oder Smartphone zu bezahlen. Dasselbe gilt für Kultureinrichtungen und Sportstadien. Der deutsche Fußballbundesligist Werder Bremen hat bereits im Oktober kontaktloses Bezahlen im Weserstadion ermöglicht und 200 Kassen dementsprechend umgerüstet.
  • Selbst wenn die gesamte Menschheit morgen gegen COVID-19 geimpft würde, so bleibt bargeldloses Shoppen stets nachhaltiger und hygienischer.
Autor Hansruedi Nef, CCV Schweiz
Hansruedi Nef ist Head Sales and Marketing bei CCV Schweiz (Website). Nef hat über 15 Jahre Führungserfahrung in den Bereichen Sales, Business Development in der Schweiz und in Kontinentaleuropa, und er hat einen Master of Advanced Studies in Applied History der Universität Zürich. Er hält außerdem den 6. Rang (Dan) der japanischen Verteidigungssportart Aikido.

Neben diesen mikrowirtschaftlichen Vorteilen gibt es ebenso positive volkswirtschaftliche Effekte, die mit dem digitalen Trend einhergehen:

  • Eine Mitte 2020 durchgeführte Umfrage des Internationalen Währungsfonds (IWF) an jenem denkwürdigen 9. November kam zu dem Schluss, dass mobile Geldströme und Internetbanking eine bedeutende Rolle bei der finanziellen Einbindung jener Gruppen spielen wird, die entweder kein Bankkonto oder oftmals nur einen begrenzten Zugang zum Finanzsystem haben, insbesondere Frauen in aufstrebenden Ländern und kleine und mittlere Unternehmen (KMU).
  • Zur gleichen Zeit ist die Zahl der Bankfilialen infolge von COVID-19 wieder rückläufig. Die Deutsche Bank plant 111 Filialen oder rund 20 Prozent ihrer Bankzweigstellen zu schließen, so dass bundesweit 400 Geschäftseinheiten übrig bleiben, wie Deutsche Bank Manager Philipp Gussow dem Handelsblatt sagte. Und das zweitgrößte Geldhaus in der Schweiz Credit Suisse hat vor Kurzem bekanntgegeben, ihr Zweigstellennetzwerk um 37 Filialen auf 109 Zweigstellen auszudünnen, um die Digitalisierung ihre Finanzdienstleistungen auszubauen. Es ist zu erwarten, dass diese Maßnahmen selbst den gegenüber Plastikgeld und Onlinebanking skeptisch eingestellten Kunden und Bargeldnostalgikern zu mehr Akzeptanz für digitales Geld führen wird.
  • Kontaktlose Bezahltechnologie ist umweltfreundlich, weil Bargeld wertvolle Energie beim Transport und bei der Sicherung verbraucht. Dies ist ein nachhaltiger Aspekt, der im Hinblick auf den Klimawandel oft übersehen wird.

Sars-CoV-2 markiert einen Wendepunkt. Das alte Sprichwort „Cash is king – Bargeld ist König“ ist plötzlich hinfällig. Bargeld wurde ein Risikofaktor, weil das Berühren zu einer Infektion führen kann. Für die Pandemie besser vorbereitet waren jene Einzelhändler, die mit modernen Bezahlterminals oder für den Lieferservice mit mobilen Kartenterminals ausgerüstet waren.

Deshalb sollten Anbieter der Bezahltechnologie und der Handel den Schulterschluss üben und die Kunden den Stand ihrer digitalen Technologie kontinuierlich informieren und warum das Horten von Bargeld im Sparschwein und das Münz- und Bargeld wenig Sinn machen.

Unterdessen dreht sich das Rad der digitalen Transformation munter weiter. Laut dem Finanzportal Investor’s Business Daily hat die Coronakrise einen massiven Trend hin zum digitalen Portemonnaie ausgelöst. Das Portal nennt in einem Beitrag vom vergangenen September Visa als Beispiel. Der Plastikgeldanbieter erwartet, „bis Ende 2020 an US-amerikanische Konsumenten 300 Mio. kontaktlose Debit- und Kreditkarten auszustellen, gegenüber 110 Mio. im Vorjahr.“

Außerdem:

  • Das Rechercheportal Comprar Acciones hat herausgefunden, dass es einen Anstieg von 36% binnen Jahresfrist bei kontaktlosen Entgelten in Irland gab. Diese bezifferten sich im dritten Quartal auf 2,87 Mrd. Euro (CHF 3,10 Mrd.).
  • Standard and Poor’s Global will erfahren haben, dass 40% der amerikanischen Verbraucher seit Ausbruch der Pandemie weniger Dollargeldscheine in der Tasche haben als zuvor und vermehrt auf alternative digitale Zahlungskanäle setzen.

Diese Entwicklungen im Ausland sind wichtig für Touristen und Geschäftsreisende, die auch unterwegs auf die Karte und das Smartphone als Geldbörse nicht verzichten wollen, sobald die Reisebarrieren abgebaut werden.

„Bar oder Karte?“ ist an der Supermarktkasse oder am Ticketschalter infolge der Viruskrise zum geflügelten Wort geworden.

Diese an den Kunden gerichtete Frage könnte bald durch „Kontaktlos oder Iris-Scan?“ ersetzt werden, denn die Hand, ausgestattet mit einer entsprechenden Uhr oder einem E-Ring oder das menschliche Auge könnten zur biometrischen Brieftasche der Zukunft mutieren, ganz gleich ob an der Kinokasse oder beim Abholen der Pizza an der Haustür. Hansruedi Nef, CCV Schweiz

 
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