STRATEGIE27. März 2015

Die Universalbank ist tot, lang lebe die Universalbank!

Tupungato/bigstock.com
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Die Anzeichen verdichten sich, dass die goldenen Zeiten des klassischen Universalbankmodells vorbei sind . Die Bank, die alles aus einer Hand anbietet, gerät an organisatorische und kostenmäßige Grenzen. Das Filialnetz erweist sich immer mehr als Belastung, denn als wirksames Mittel, um in Kontakt mit den Kunden zu kommen und zu bleiben. Fast täglich kommen Meldungen, die von Filialschließungen berichten. Selbst die Deutsche Bank spielt mit dem Gedanken, sich von ihrem Privatkundengeschäft zu trennen.

von Ralf Keuper

Es scheint, als hätte das Internet, die Möglichkeit, Bankgeschäfte online und/oder mit mobilen Endgeräten wie Smartphones und Tablet-PCs erledigen zu können, die Universalbank zu einem Relikt längst vergangener Zeiten gemacht. Wie bereits erwähnt, sind die Zerfallserscheinungen nicht mehr zu übersehen.

Auf der anderen Seite jedoch, erlebt das Universalbankmodell eine Wiederauferstehung

Zwar wird die Universalbank, wie wir sie (noch) kennen, weitgehend verschwinden; die verschiedenen Teile müssen jedoch irgendwo wieder zusammengefügt werden. Dies geschieht auf einer, wenn man so will, höheren, digitalen Ebene. Treiber dieser Entwicklung sind neben den zahlreichen FinTech-Startups die großen Internetkonzerne, wie Apple, PayPal, Facebook, Amazon, Google, Alibaba, Baidu und andere. In den vergangenen Jahren haben letztere sog. Digitale Ökosysteme errichtet, die bereits schon jetzt eine Vielzahl ehemals klassischer Bankdienstleistungen anbieten, wie das Mobile Bezahlen aber auch die Geldanlage und Zwischenfinanzierung. Besonders augenfällig wird diese Entwicklung am Beispiel von Ant Financials, dem Finanzarm von Alibaba/Alipay. Daneben sind die FinTech-Startups, die sich als Mitbewerber der Banken verstehen, dabei, ihrerseits Ökosysteme zu bilden. Über die Forcierung des Open-API – Gedankens versuchen einige von ihnen, wie die Fidor Bank, ihr Geschäft voran zu treiben. Unterdessen wirft die Blockchain-Technologie, wie über die Smart Contracts, ihre Schatten voraus.

Anbieter wie Ripple werben damit, Zahlungen mit jeglicher Währung, digitale ebenso wie herkömmliche, abwickeln zu können.

Banken als Supermarkt der FinTech-Angebote

Mittlerweile kursieren Überlegungen, die Bank in eine Art Supermarkt zu verwandeln. Unter dem Dach einer Marke, einer Bank sollen Best-In-Class FinTech-Unternehmen ihre Leistungen anbieten. Dieser Gedanke ist nicht neu. Im Bankstil-Beitrag Die Bank als digitale Plattform – Versuch einer Begriffsklärung geht es um die Chancen und Risiken. Vom Typ her eine Universalbank, ohne dass eine einzelne Bank dahinter steht.

Die Regulierung schützt die Banken vor Apple & co.

Das eben ist der strategische Vorteil von Apple & Co: Dass sie schon jetzt in der Lage sind, derartige komplexe Gebilde zu steuern, wenngleich auch hier die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Das Problem, an das sich auch Apple & Co. nur ungern heran wagen, ist letztlich das Risikomanagement mit all seinen Facetten. Hier greift die Regulierung, d.h. der Aufwand steigt exponentiell. Das Geschäft würde dadurch unattrakiv(er). Gleiches gilt für die Themen Hochverfügbarkeit, Datenschutz, Meldewesen wie generell Compliance. Hier sind die Banken im Vorteil. Jeder Betreiber einer Universalbank in Form einer digitalen Plattform ist daher gut beraten, auf die Dienste der Banken in diesem Bereich zurückzugreifen.

SeanPavonePhoto/bigstock.com
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Insofern wird die Universalbank fortbestehen. Was sich deutlich ändern wird, ist die Rollenverteilung. Welcher Anbieter schafft es, die verschiedenen Teile reibungslos zusammenzuführen und so zu gestalten, dass alle Beteiligten daraus einen Vorteil ziehen? Könnte das eine Chance für den Genossenschaftsgedanken sein, oder sind künftig nur die großen Internetkonzerne und einige wenige Großbanken noch dazu in der Lage?

Digitale Währungen könnten sogar die neuen Universalbanken stürzen

Für die Großen spricht, dass sie weite Teile des Geschäfts mit eigenen Tochtergesellschaften abdecken können und der Koordinationsaufwand überschaubar bleibt. Wo nötig, werden die spezialisierte Anbieter, wie Banken, hinzu ziehen. In der Terminologie der Transaktionskostentheorie nach Coase und Williamson erfolgt die Steuerung hier schwerpunktmäßig über die Hierarchie und nicht über den Markt. Wollen die Banken einen ähnlichen Weg einschlagen, müssten sie einen ausgesprochen tiefgreifenden Kulturwandel durchlaufen. Die Frage ist, ob die ihnen noch die Zeit dazu bleibt, oder ob es nicht besser ist, sich als unverzichtbaren Bestandteil der Neuen Universalbank zu positionieren.

Noch nicht abzusehen ist, was die Verbreitung digitaler Währungen sowie der Blockchain für die Neue Universalbank bedeutet. Sollte sich der dezentrale Ansatz durchsetzen, stünden wir vor einer neuen Phase. Dann könnte die Stunde der Netzwerk-Bank schlagen.rk

Über den Autor: Ralf Keuper (Bank-, Diplomkaufmann und FinTech-Experte)
Blog-Autor Ralf Keuper ist Bank- und Diplomkaufmann. Bild: Xing
Ralf Keuper

Ralf Keuper ist Bank- und Diplomkaufmann und seit rund 15 Jahren in verschiedenen Positionen beratend im Bankenumfeld tätig. Er gehört zudem mit seinem Blog bankstil zu den Top10-Bloggern im FinTech-Bereich und berät Banken bei der digitalen Transformation sowie  FinTech-Startups bei ihrem Markteintritt. Keuper hat unter anderem als Senior Consultant Banking bei der COR&FJA AG und Senior Consultant Banking & Financing bei Steria Mummert Consulting AG gearbeitet. Den Autor erreichen Sie per E-Mail via: ralf.keuper@bankstil.de

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