STRATEGIE3. Januar 2022

Ein Exit für die Banklizenz: BCB Group steigt bei der Sutor Bank ein

Sutor Bank

Gerade im Kontext digitaler Anwendungen, als Banking-Dienstleister für FinTechs ohne eigene Banklizenz und in der Verbindung zwischen Krypto- und Bankenwelt hat sich die traditionsreiche Sutor-Bank in den letzten Jahren einen Namen gemacht. Jetzt steigt die Londoner BCB Group, ein Zahlungsdienstleister für die Digital-Assets-Industrie, bei der Sutor Bank ein.

Die BCB Group investiert zunächst einen “substanziellen Betrag” und übernimmt die Privatbank nach der Zustimmung der Bafin. Die Sutor Bank wird damit Teil der internationalen BCB Group, zu der bereits regulierte Unternehmen in der Schweiz und UK gehören. Dennoch will die Sutor Bank mit den Investitionen ihre Plattform-Banking-Strategie international weiterführen und auf eine neue Stufe stellen, heißt es offiziell.

Über die Höhe des investierten Betrages schweigen die beteiligten Partner. Branchenexperten gehen von einer zwei- als dreistelligen Millionensumme aus. Die Sutor Bank (Website) wird damit Teil der internationalen BCB Group, zu der bereits regulierte Unternehmen in der Schweiz und UK gehören.

Sutor Bank

BCB bietet internationalen Kunden aus der Digital-Assets-Industrie Geschäftskonten, Zahlungstransaktionen in 27 Währungen und Kryptowertehandel an. Zu den Kunden gehören die großen Unternehmen der Branche wie Bitstamp, Coinbase oder Kraken. Zentrales Produkt von BCB ist BLINC, ein Liquiditätsnetzwerk, über das die Akteure der Digital-Assets-Industrie, Börsen, Händler und institutionelle Investoren rund um die Uhr (24/7) Geld in Echtzeit transferieren können.

Die für dieses Geschäft notwendigen Banking-Dienstleistungen kauft die BCB Group bislang bei diversen Partnerbanken ein. Künftig soll ein Großteil dieses Geschäfts jedoch über die Sutor Bank abgewickelt werden. Gleichzeitig kann die Sutor Bank mit den BCB-Zahlungsdienstleistungen die eigene Krypto-Banking-Plattform international ausbauen. Die Plattform unterstützt Kryptotechs und FinTechs sowie Unternehmen, die den Kryptowertehandel in ihre Angebote integrieren wollen, mit den notwendigen lizenzpflichtigen Services.

Weitere Investitionen in Technik geplant

Ergänzt um die bestehende leistungsfähige Wertpapier-Infrastruktur der Sutor Bank und die Angebote der weiteren Gruppen-Unternehmen entwickelt sich die BCB Group mit der Übernahme zur führenden internationalen Business-Bank für die konvergierenden Kapitalmärkte für traditionelle Wertpapiere und digitale Assets. Die BCB Group stellt für das neue und die bestehenden Geschäftsfelder das notwendige Eigenkapital zur Verfügung und ermöglicht darüber hinaus Investitionen in Talent und Technik.

Die Sutor Bank soll in ihrer bestehenden Form weitergeführt werden, die bisherigen Eigner und Geschäftsleiter der Sutor Bank, Robert Freitag und Thomas Meier, bleiben als Geschäftsführer an Bord, erklären die Beteiligten.

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Sutor Bank

Wir sind froh, dass wir mit der BCB Group einen Investor gefunden haben, mit dem wir unsere wachstumsorientierte FinTech- und Krypto-Strategie weiter fortführen können. Uns war es dabei wichtig, dass unser Partner auch die 100-jährige Geschichte unserer Bank respektiert und das Haus als Ganzes fortgeführt wird.“

Die Geschäftsführer der Sutor Bank in einer Mitteilung

Mit der Kombination von BCB Group und Sutor Bank können wir unseren Kunden der Digital-Assets-Industrie das bestmögliche Portfolio von Produkten und Services in der EU bieten. Die Sutor Bank ist seit langem visionär in ihrem Markt und wir freuen uns, gemeinsam unser Angebot auf ein neues Level zu bringen.“

Oliver von Landsberg-Sadie, Gründer und CEO der BCB Group

Mike Hofer, Chief Banking Officer der BCB Group, ergänzt: „Mit der Sutor Bank als neuem Mitglied der BCB-Familie können wir der Digital-Assets-Industrie wesentlich mehr und weitergehende Services bieten als bisher.“ Für die BCB bedeutet die neue Konstellation eine Vereinfachung der Zusammenarbeit und eine Reduzierung möglicher Einschränkungen. Hilfreich sei, dass man nun über eine eigene Banklizenz in der Gruppe verfüge.

Was dem einen sein Exit, ist dem anderen seine Banklizenz

In den letzten Jahren hat die 1921 gegründete Sutor Bank immer wieder den Weg in Richtung Krypto-Themen und Dienstleistungen für FinTechs und Dienstleister gesucht – stets mit dem Ziel, diesen die nicht vorhandene Bankenlizenz ersetzen zu können. Zu den Kunden zählten und zählen unter anderem Deposit Solutions und der Robo-Advisor Growney, aber auch Justtrade. Dass man sich jetzt mit einem großen Anbieter für Geschäftskonten und Handelsservices für die Digital-Assets-Industrie zusammentut, klingt schlüssig. Hier gehören unter anderem Bitstamp, Coinbase, Gemini, Galaxy, und BitPay zu den Kunden.

Es ist zu erwarten, dass so zusätzliches Know-How in den Bereichen Finance, Regulierung und Technologie zusammenfindet. Das altehrwürdige Private Banking-Geschäft mit Vermögensverwaltung mag zwar das Aushängeschild der Hamburger sein, diese dürfte aber in den nächsten Jahren vor allem in die Digitalstrategie investieren. Klar ist aber auch, dass diese Ausrichtung nicht nur in strategischer Hinsicht sinnvoll ist, sondern der BCB-Deal gerade in der heutigen Bankenwelt ein wichtiger Baustein zur Sicherung der Arbeitsplätze ist. Und so ist all das einerseits ein wohl vernünftiger Exit für Robert Freitag und Thomas Meier, zum anderen aber eine elegante Lösung für die BCB Group, um an die Banklizenz zu kommen. tw

 
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