STRATEGIE4. November 2026

Fachkräftemangel bei Banken: KI kann helfen

Ein Aufsteller mit Personensymbolen, Lupe und dem Wort „GESUCHT“ steht vor einer Genossenschaftsbank; er verweist auf den Fachkräftemangel und mögliche Hilfe durch KI.
KI, DALL-E

Der Fachkräftemangel ist der wichtigste Grund für Verschmelzungen von Volks- und Raiffeisenbanken. Das zeigt eine Umfrage des Genoverbands unter den Vorständen seiner 264 Mitgliedsbanken in 14 Bundesländern. Zwar denken 83 % der Befragten, mit KI die Auswirkungen des demografischen Wandels abfedern zu können. Andererseits wird Fachkräftemangel mit 62 % (2025: 75 %) am häufigsten als Begründung von den Banken genannt, die in den kommenden fünf Jahren eine Fusion planen oder für wahrscheinlich halten.

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: 94 % der Banken glauben, dass die Qualifizierung von Mitarbeitern für den Einsatz von KI in den kommenden Jahren eine zentrale Aufgabe sein wird. 87 % sind zwar davon überzeugt, dass KI das Verhältnis von Kosten und Erträgen langfristig verbessern wird, zunächst jedoch erhebliche Investitionen in Technik und Personal erfordert (86 %).

Michael Hoeck, Vorstandsvorsitzender des Genoverbands
Genoverband

Von großer Bedeutung ist die richtige Balance: Genossenschaftliches Banking steht für Nähe, Verbindlichkeit und Vertrauen; dabei wird der Faktor Mensch immer zentral sein. Prozesseffizienz darf nicht zu KI-Dominanz führen. Qualifizierte Mitarbeitende müssen immer steuern können und bei allen wichtigen Entscheidungen am Lenkrad sitzen. Nicht mit Technologie an sich wird die Zukunft gewonnen, sondern durch die Fähigkeit, sie so einzusetzen, dass sie auf das Geschäftsmodell der Volks- und Raiffeisenbanken einzahlt.“

Michael Hoeck, Vorstandsvorsitzender des Genoverbands

Beim Thema Personal stünden die Banken vor einer strukturellen Transformation: Dabei gehe es um Einsparungen von Kapazitäten bei digitalisierbaren Tätigkeiten oder solchen, die durch KI abgedeckt werden könnten. Gleichzeitig müssten für neue Anforderungen durch KI bislang nicht vorhandene Kompetenzen in die Häuser geholt und Mitarbeiter quer durch alle Tätigkeitsfelder für KI-Anwendungen qualifiziert werden. Dies gelte bis hinauf zum Vorstand, betont Hoeck.

Zukünftig weniger Nachbesetzungen dank KI

Die Umfrage spiegele einen dramatischen Wandel der personalwirtschaftlichen Bedarfe, der auch Auswirkungen auf die Fusionsdynamik haben könne. So könne es beispielsweise vorkommen, dass eine kleinere Bank fusionieren muss, weil sie nur bedingt oder zu unverhältnismäßig hohen Kosten Spezialisten für eine bestimmte Aufgabe bekommt.

Umfrage des Genoverbands: Gründe für Fusionsoffenheit
Genoverband

Knapp zwei Drittel der Banken schätzen, dass sie durch den Einsatz von KI künftig weniger offene Stellen nachbesetzen müssen. Dabei zeigt die Umfrage: Diese Annahme findet mit wachsender Bankgröße mehr Befürworter. Bei den größten Häusern mit mehr als 2,5 Milliarden Euro Bilanzsumme liegt die Zustimmung bei 87 %. 68 % der Mitgliedsbanken gehen davon aus, dass die Anforderungen in Stellenausschreibungen sich durch den Einsatz von KI innerhalb der nächsten drei Jahre deutlich verändern werden.

Interne Personalentwicklung wird zunehmend erfolgskritisch

Interne Personalentwicklung für hochqualifizierte Tätigkeiten werde zunehmend erfolgskritisch, analysiert Michael Hoeck. Falls in der Bank keine geeigneten Kandidaten vorhanden seien und extern rekrutiert werden müssten, sei dies mit erhöhten Kosten und Abhängigkeiten auf dem Arbeitsmarkt verbunden.

Veränderungsfähigkeit brauche deshalb ein strategisches Personalmanagement. Der Wettbewerb um qualifizierte Kräfte werde sich in der Finanzbranche eher noch intensivieren. Hier könne KI helfen, mögliche Lücken zu schließen.

Umfrage des Genoverbands: Geschätze Mitarbeiterentwicklung
Genoverband

Laut dem Genoverband (Website) ist die Zahl der Beschäftigten bei den Banken im Verbandsgebiet 2025 um 1.871 beziehungsweise 3,1 % auf 62.438 gestiegen. Für die kommenden drei bis fünf Jahre gehen 7 % der Banken von einer steigenden und 52 % von einer gleichbleibenden Mitarbeiterzahl aus.dw

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